Regionalliga Nordost

Regionalliga Nordost: Zusammenfassung 9. Spieltag

Lok nutzt die Patzer, Halle rutscht ab, Magdeburg II mit Kantersieg

Szenenfoto aus der Partie Hertha 03 gegen den FSV Zwickau. Hebisch (H03) gegen Sengersdorf. Foto: Kerstin Kellner

Der 9. Spieltag brachte reichlich Bewegung in der Regionalliga Nordost. Während die Favoriten aus Halle und Erfurt strauchelten, schoben sich Lok Leipzig, Jena und Altglienicke im Spitzenfeld nach vorn. Überraschungsteams wie Luckenwalde und Preussen setzten weitere Duftmarken – und auch im Tabellenkeller gab es ein Lebenszeichen.

An der Spitze nutzte Lok Leipzig die Gunst der Stunde. Der Meister überrollte Hertha BSC II mit 7:2, Maderer schnürte einen Dreierpack, Arcalean, Öztürk, Cevis und Kang trafen ebenfalls. Mit nun 22 Punkten zog Lok an Erfurt vorbei und steht wieder ganz oben.

Erfurt dagegen musste sich gegen den Chemnitzer FC mit einem 2:2 begnügen, obwohl man bereits 2:0 führte. Caciel und Ugondo hatten die Thüringer in Front gebracht, doch Baumgart und Alberico bestraften die Nachlässigkeiten der Gastgeber in der Schlussphase.

Auch Halle steckt in der Ergebniskrise: Nach der Pleite in Chemnitz setzte es ein 0:1 gegen Aufsteiger Preussen. Breitkreuz traf per Kopf direkt nach Wiederanpfiff. Halle bleibt zwar mit 19 Punkten oben dabei, hat aber nach furiosem Start nun zweimal in Serie verloren.

Jena siegte im Derby bei Meuselwitz souverän mit 3:0. Hessel, Eshele und Joker Oduah sorgten für klare Verhältnisse. Der FCC bleibt damit Vierter, punktgleich mit dem HFC.

Formstark präsentiert sich auch die VSG Altglienicke, die beim 2:1 in Babelsberg den vierten Sieg in Serie einfuhr und mit der besten Abwehr der Liga weiter Kurs auf die Spitze hält.

Eine neue Euphorie entfachte die BSG Chemie Leipzig: Mit dem 2:0 gegen den BFC Dynamo holten die Grün-Weißen ihren ersten Saisonsieg. Ratifo und Hoffmann trafen binnen vier Minuten, Keeper Horenburg avancierte zum Helden. Chemie kletterte damit zumindest vorerst von Tabellenrang 18.

Im Tabellenmittelfeld festigte der FSV Luckenwalde seine Position. Beim 2:0 in Greifswald trafen Gollnack und Bachmann, während Keeper Palmowski mehrfach stark parierte. Greifswald dagegen rutscht immer tiefer in die Gefahrenzone.

Auch der FSV Zwickau kehrte mit drei Punkten aus Berlin zurück: Trotz chaotischer Anreise gewann das Team von Rico Schmitt bei Hertha 03 Zehlendorf 1:0. Joker von Baer erzielte das Tor des Tages.

Fazit: Lok Leipzig führt nun punktgleich mit Erfurt die Tabelle an (je 22 Punkte), dicht gefolgt von Altglienicke (21) und Jena (19). Halle (19) ist erstmals seit Wochen ins Straucheln geraten. Im Tabellenkeller verharren Zehlendorf (1 Punkt) und Chemie (4) – doch gerade bei den Leutzschern macht der erste Sieg Mut.

Nachtrag: Der 1. FC Magdeburg II gewann sein Nachholspiel am Dienstag (23.09.25) gegen den FC Eilenburg klar mit 4:0. El-Zein, Baars und Doppelpacker Pesch sorgten früh für klare Verhältnisse, Eilenburg vergab durch Kosak die große Ausgleichschance. Magdeburg beendete seine Durststrecke, während der FCE weiter tief im Tabellenkeller festhängt.

Die ausführlichen Spielberichte:

9. Spieltag: Die Ergebnisse

9. Spieltag: Die Tabelle

Magdeburgs Zweite überrollt Eilenburg

1. FC Magdeburg II – FC Eilenburg 4:0 (3:0)

Der 1. FC Magdeburg II hat seine Negativserie von drei sieglosen Partien eindrucksvoll beendet. Mit einem souveränen 4:0 gegen den FC Eilenburg unterstrich die U23 des Zweitligisten, dass sie in der Regionalliga Nordost mehr ist als ein gewöhnlicher Aufsteiger. Schon nach einer halben Stunde war die Partie vor 446 Zuschauern entschieden, die Gäste aus Nordsachsen hatten dem Offensivdruck kaum etwas entgegenzusetzen.

Die Partie begann mit einem Paukenschlag: Bereits in der 5. Minute setzte sich der spielfreudige Vogler über rechts durch, seine Hereingabe musste El-Zein nur noch ins Netz drücken – 1:0. Eilenburg reagierte zunächst mit einem gefährlichen Konter, doch Neuzugang Kosak verpasste frei vor Kruth den möglichen Ausgleich (10.). Es blieb die beste Gelegenheit der Gäste, denn Magdeburg legte sofort nach. Nur vier Minuten später staubte Pesch nach einer Parade von Edelmann zum 2:0 ab (14.).

Der FCM blieb konsequent am Drücker. Über die rechte Seite kombinierten sich die Gastgeber immer wieder durch, Eilenburgs Defensive wirkte überfordert. Nach 25 Minuten war es Baars, der am zweiten Pfosten völlig frei stand und zum 3:0 einschob. Spätestens jetzt war klar, dass der FCE einen gebrauchten Abend erwischt hatte. Zwar versuchten Aguilar und Jarosch mit Distanzschüssen Nadelstiche zu setzen, doch Keeper Kruth war jeweils zur Stelle. Auf der Gegenseite bewahrte Edelmann sein Team mehrfach vor einem höheren Rückstand zur Pause.

Nach dem Seitenwechsel nahmen die Magdeburger zunächst etwas Tempo raus. Eilenburg bemühte sich um Ballbesitz, ohne jedoch zwingend in die Gefahrenzone zu kommen. Stattdessen schlugen die Hausherren erneut zu: Jarosch klärte eine Flanke unzureichend, Pesch stand goldrichtig und netzte zum 4:0 (60.). Es war die endgültige Entscheidung, die den Rest der Begegnung zur Formsache machte.

Während die Gäste bis zum Ende um Ergebniskosmetik kämpften – Kosak und Borck vergaben noch Gelegenheiten –, wechselte Magdeburg durch und brachte frische Kräfte. Joker Millgramm und Kuhinja hätten das Ergebnis sogar noch höher schrauben können, doch es blieb beim klaren 4:0.

Auffällig war neben der Offensivqualität vor allem die Disziplin im Magdeburger Spiel: Kamm und Trkulja gaben der Defensive Stabilität, während das Mittelfeld um Krempicki und El-Zein die Räume beherrschte. Pesch rechtfertigte seine Reputation als Offensivmann mit Bundesliga-Vergangenheit mit einem Doppelpack.

Für Eilenburg setzte sich der Negativtrend fort: Nur ein Punkt aus den letzten sieben Spielen, dazu erneut zu viele einfache Fehler im Aufbauspiel. Magdeburg dagegen verschafft sich mit dem ersten Dreier nach drei Partien Luft im Tabellenmittelfeld und sendet ein klares Signal: Mit der Zweiten des FCM ist in dieser Liga zu rechnen.

 

Jena siegt souverän im Thüringenderby

ZFC Meuselwitz – FC Carl Zeiss Jena 0:3 (0:1)

Der FC Carl Zeiss Jena hat das Thüringenderby beim ZFC Meuselwitz klar für sich entschieden. Vor 1.621 Zuschauern in der bluechip-Arena setzte sich der Favorit mit 3:0 durch und bestätigte seine Ambitionen in der Spitzengruppe der Regionalliga Nordost. Für die Gastgeber war es eine Niederlage, die angesichts einer couragierten ersten Halbzeit zu hoch ausfiel.

Beide Teams begannen mit offenem Visier. Schon früh hatte Stiller für den ZFC die Führung auf dem Fuß, traf aber nur das Außennetz (7.). Meuselwitz suchte mutig den Weg nach vorn, wurde aber in der Defensive immer wieder gefordert. Nach einer halben Stunde übernahm Jena zunehmend das Kommando, erhöhte den Druck über die Flügel und kam zu Chancen: Eshele köpfte aus kurzer Distanz an die Latte (16.), Reddemann verzog aus der Distanz (16.). Die beste Gelegenheit der Gastgeber vergab Eckardt, dessen Schuss Schau entscheidend abfälschte (39.).

Als sich alle schon mit einem torlosen Pausenstand abgefunden hatten, schlug der FCC eiskalt zu. Nach einem Freistoß aus dem Halbfeld setzte Hessel zum Dribbling an und traf mit einem platzierten Schuss von der Strafraumgrenze ins linke Eck – 0:1 (45.+1). Ein Wirkungstreffer, der das Spiel nachhaltig veränderte.

Nach dem Seitenwechsel erhöhte Jena sofort das Tempo. Zunächst scheiterte Burmeister, der zur Pause gekommen war, noch knapp (47.), ehe Eshele in Szene trat. Der Angreifer verwertete einen punktgenauen Steilpass von Butzen souverän zum 0:2 (63.). In dieser Phase kontrollierte Jena das Geschehen und ließ Ball und Gegner laufen. Meuselwitz stemmte sich mit Einsatz dagegen, kam durch Wurr und Oke noch einmal gefährlich vor das Tor, fand aber in Keeper Liesegang seinen Meister (51.).

Spätestens mit dem dritten Treffer war die Partie entschieden: Der eingewechselte Oduah tauchte nach einem Ballgewinn frei vor Sedlak auf und vollendete überlegt ins rechte Eck zum 0:3 (80.). Damit war die Moral des ZFC endgültig gebrochen, der in den Schlussminuten nicht mehr gefährlich in Erscheinung treten konnte.

Jena überzeugte mit Reife und individueller Klasse. Vor allem die Achse um Innenverteidiger Hessel, Taktgeber Schau und den wuchtigen Eshele stellte den Unterschied dar. Meuselwitz blieb kämpferisch intakt, offenbarte jedoch einmal mehr die Probleme in der Chancenverwertung und im Umschaltspiel.

Während der FCC mit diesem Auswärtssieg seine Position in der Spitzengruppe festigte und weiter Anschluss an die Topplätze hält, muss der ZFC Meuselwitz den Blick nach unten richten. Trotz ordentlicher Phasen wartet auf Trainer Georg-Martin Leopold viel Arbeit, will man die Abstiegszone auf Distanz halten.

 

Maderer-Hattrick krönt Loks Schützenfest

Hertha BSC II – 1. FC Lok Leipzig 2:7 (1:3)

Der amtierende Meister der Regionalliga Nordost hat seine Titelambitionen eindrucksvoll unterstrichen. Mit einem 7:2-Sieg bei Hertha BSC II setzte der 1. FC Lok Leipzig ein Ausrufezeichen und schloss nach Punkten zum Tabellenführer auf. Vor 876 Zuschauern auf dem Wurfplatz in Berlin avancierte Stefan Maderer mit drei Treffern zum Mann des Tages, während die Gastgeber zwar um Spielfreude bemüht waren, defensiv jedoch über weite Strecken überfordert wirkten.

Die Leipziger begannen druckvoll, kombinierten zielstrebig und legten früh den Grundstein. Arcalean vollendete eine Hereingabe von Adetula zur Führung (17.), nur zwei Minuten später erhöhte Öztürk nach feinem Steckpass von Cevis auf 0:2. Als Maderer nach 33 Minuten nach Vorarbeit von Adetula zum 0:3 einschoss, schien die Partie bereits entschieden. Doch Hertha II antwortete: Nach einem Foul von Dombrowa verwandelte Ajvazi den fälligen Strafstoß zum 1:3 (36.), was den Berlinern kurzzeitig Auftrieb verlieh.

Nach dem Seitenwechsel stellte Lok die Weichen endgültig. Zunächst traf Cevis mit einem sehenswerten Distanzschuss in den Winkel (52.), ehe die Gastgeber noch einmal herankamen: Berner nutzte einen Abpraller und verkürzte auf 2:4 (64.). Doch die Hoffnung währte nur kurz. Lok blieb konsequent, erhöhte das Tempo und setzte durch Standards entscheidende Nadelstiche. Maderer köpfte nach einem Freistoß zum 2:5 ein (78.), ehe er in der Schlussminute seinen Dreierpack komplettierte (90.). In der Nachspielzeit setzte der eingewechselte Kang den Schlusspunkt zum 2:7 (90.+3).

Bemerkenswert war die offensive Wucht der Leipziger: Neben Maderer überzeugten Arcalean, Öztürk und Cevis als ständige Unruheherde, während die Achse um Siebeck und Stein das Zentrum dominierte. Hertha II zeigte sich zwar in Phasen kombinationsfreudig, doch die Defensive hielt den variablen Angriffswellen des Meisters nicht stand. Auch Keeper Heide konnte trotz mehrerer Paraden die klare Niederlage nicht verhindern.

Für die Berliner, die mit einer jungen Elf antraten, bleibt die Partie eine Lehrstunde: Offensiv mutig, aber defensiv zu naiv. Lok Leipzig dagegen bestätigte nach dem 4:0 gegen Luckenwalde eindrucksvoll seine aufsteigende Form – und das in einer Liga, in der an diesem Wochenende die Konkurrenz patzte. Mit nun 22 Punkten hat die Mannschaft von Jochen Seitz die Tabellenspitze wieder fest im Blick.

 

FSV 63 gewinnt verdient in der Fremde

Greifswalder FC – FSV 63 Luckenwalde 0:2 (0:1)

Der FSV Luckenwalde bleibt die Überraschungsmannschaft des frühen Saisonverlaufs. Mit einem reifen, taktisch disziplinierten Auftritt siegte die Mannschaft von Michael Braune verdient mit 2:0 beim Greifswalder FC und festigte damit ihre Position im oberen Tabellendrittel. Vor 2.000 Zuschauern im Greifswalder Stadion sorgten Simon Gollnack und Mike Bachmann mit ihren Treffern für die Entscheidung, während die Gastgeber trotz ansehnlicher Phasen einmal mehr an der eigenen Chancenverwertung scheiterten.

Greifswald startete druckvoll und kam bereits in den Anfangsminuten zu guten Abschlüssen: Farr zielte aus der Distanz vorbei (9.), Richardson scheiterte an Palmowski (21.), kurz darauf prüfte Wagner den Gäste-Keeper (19.). Luckenwalde überstand die Drangphase mit Glück und Geschick – und schlug dann eiskalt zu. Nach einem schnellen Umschaltmoment war es Gollnack, der aus zentraler Position zur Gästeführung traf (35.).

Das 0:1 zeigte Wirkung: Der GFC wirkte verunsichert, fand bis zur Pause nicht mehr in den Rhythmus. Nach dem Seitenwechsel versuchte Trainer Markus Zschiesche mit der Einwechslung von Eder für Vierling neue Impulse zu setzen. Tatsächlich erspielten sich die Hausherren Chancen: Eder prüfte Palmowski mit einem Freistoß (52.), kurz darauf setzte er einen Kopfball über das Tor. Die größte Gelegenheit aber vergab Wurr, der aus vier Metern am glänzend reagierenden Liesegang … pardon, Palmowski, scheiterte (51.).

In diese Phase hinein schlug Luckenwalde erneut zu: Bachmann nutzte in der 67. Minute einen Stellungsfehler in der GFC-Defensive, setzte sich im Strafraum clever ab und schob zum 0:2 ein – die Vorentscheidung. Zwar mühten sich die Hausherren weiter, suchten über Standards und Flanken den Anschluss, doch Palmowski blieb ein sicherer Rückhalt.

Die Schlussphase brachte zusätzlich Brisanz: Jannene handelte sich binnen weniger Minuten Gelb und Gelb-Rot ein (75./79.) und schwächte damit die Gäste. Doch Greifswald konnte die Überzahl nicht nutzen. Vielmehr verpasste es Luckenwalde durch Konter sogar, das Ergebnis höher zu schrauben.

So stand am Ende ein Sieg, der den Trend beider Vereine untermauerte: Luckenwalde agiert mit großer Effektivität und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, während Greifswald trotz spielerischer Ansätze zu harmlos bleibt. Für Trainer Zschiesche und sein Team bedeutet dies, dass die Abstiegszone immer näher rückt.

 

RWE verspielt 2:0, CFC zeigt Moral

FC Rot-Weiß Erfurt – Chemnitzer FC 2:2 (1:0)

Die Rollen waren vor Anpfiff klar verteilt: Tabellenführer Erfurt, sieben Siege aus acht Spielen, gegen die personell gebeutelten Chemnitzer. 90 Minuten später stand jedoch ein Ergebnis, das wie ein gefühlter Sieg für die Gäste und wie eine Niederlage für die Thüringer wirkte. Durch späte Treffer von Baumgart und Alberico egalisierte der CFC einen 0:2-Rückstand und nahm vor 8.031 Zuschauern im Steigerwaldstadion einen Punkt mit, den kaum einer mehr erwartet hatte.

Die Partie begann aus Erfurter Sicht nach Maß. Schon mit der ersten nennenswerten Aktion klingelte es: Felßberg flankte von links, Caciel lauerte im Zentrum und verwandelte aus zehn Metern eiskalt zur frühen Führung (5.). Angetrieben vom quirligen Ugondo spielte RWE in dieser Phase mit viel Tempo und setzte die sächsische Abwehr permanent unter Druck. Fehler prüfte Adamczyk aus der Distanz (20.), Schwarz traf sogar ins Netz, doch der Treffer wurde wegen eines Foulspiels zurückgenommen (14.).

Erst nach einer halben Stunde meldete sich Chemnitz offensiv an. Marx köpfte nach einer Flanke an die Latte (45.), zuvor hatte Ekui das Außennetz getroffen (39.). Es blieb jedoch bei der knappen Pausenführung der Gastgeber, die klar mehr vom Spiel hatten.

Nach dem Seitenwechsel schlugen die Rot-Weißen erneut eiskalt zu. Ugondo setzte sich halbrechts durch und knallte den Ball ins kurze Eck – 2:0 (52.). Nur drei Minuten später hätte Schwarz alles klar machen können, scheiterte jedoch an der Präzision (55.). Erfurt schien das Geschehen unter Kontrolle zu haben, Chemnitz wankte.

Doch Trainer Benjamin Duda reagierte, brachte Walther, Alberico und später Tobias Müller. Mit frischen Kräften und mehr Mut kam der CFC zurück ins Spiel. Zunächst ließ Weber eine gute Gelegenheit ungenutzt (59.), dann köpfte Fakhro für Halle (!) – halt, falsches Team, ich bleibe bei Chemnitz – Baumgart völlig frei am langen Pfosten zum 1:2-Anschluss ein (79.). Plötzlich kippte die Partie: Erfurt verlor den Faden, die Gäste warfen alles nach vorn.

In der 88. Minute fiel die Belohnung. Nach einer Flanke kam Alberico im Strafraum an den Ball und spitzelte das Leder an Keeper Otto vorbei ins Tor – 2:2. Der Tabellenführer wirkte konsterniert, hatte in der Nachspielzeit sogar Glück, dass ein Elfmeterpfiff nach Assibey-Mensahs Sturz im Strafraum ausblieb (90.+3).

So blieb es beim 2:2, das den unterschiedlichen Gemütslagen Ausdruck gab: Erfurt haderte mit vergebenen Chancen und ließ erstmals in dieser Saison nach komfortabler Führung Punkte liegen. Chemnitz dagegen bewies Moral, profitierte von den Wechseln und kann den Punktgewinn als Zeichen neuer Stabilität verbuchen.

Derr Erfurter Torschütze Ugondu hatte in der ersten Hälfte eine weitere Chance. In der zweiten Hälfte tauchte er - mit dem Team - ab. Foto: Holger Elias

Coup in Halle: Aufsteiger siegt beim HFC

Hallescher FC – BFC Preussen 0:1 (0:0)

Der Hallesche FC hat seine kleine Ergebniskrise nicht stoppen können. Eine Woche nach dem 0:3 in Chemnitz kassierte der Spitzenreiter gegen Aufsteiger BFC Preussen die zweite Niederlage in Folge. Vor 5.000 Zuschauern im Leuna-Chemie-Stadion reichte den Gästen ein wuchtiger Kopfball von Routinier Breitkreuz unmittelbar nach Wiederanpfiff, um einen überraschenden 1:0-Sieg einzufahren.

Dabei hatte zunächst vieles für einen Heimerfolg gesprochen. Halle, das mit sechs Siegen in die Saison gestartet war, dominierte über weite Strecken die erste Halbzeit. Nach vorsichtigem Beginn übernahm die Elf von Robert Schröder früh das Kommando, ließ Ball und Gegner laufen und kam zu klaren Gelegenheiten. Polat prüfte Preussen-Keeper Albers nach Halilis Kopfballablage aus spitzem Winkel (34.), wenig später war erneut Polat frei durch, doch Verteidiger Brehmer warf sich im letzten Moment dazwischen (40.). Auch Elezi hatte Pech im Abschluss (9., 55., 79.). Preussen dagegen tauchte vor der Pause nur einmal gefährlich auf, als Breitkreuz per Kopf an Müller scheiterte (30.).

So ging es torlos in die Kabinen – mit Vorteilen für die Gastgeber, die jedoch ihre Überlegenheit nicht in Zählbares ummünzen konnten. Und dafür wurden sie nach Wiederbeginn eiskalt bestraft: Ein Freistoß aus dem Halbfeld fand den aufgerückten Breitkreuz, der sich im Luftduell durchsetzte und unhaltbar zur Gästeführung einköpfte (46.).

Der Schock war spürbar. Halle brauchte Minuten, um sich neu zu sortieren, war zwar im Anschluss bemüht, aber selten zwingend. Schröder reagierte mit einem Dreifachwechsel (60.), brachte unter anderem Langhammer und Wosz, später auch Baro, doch am Muster änderte sich wenig. Preussen stand tief, verschob diszipliniert und lauerte auf Konter. Tatsächlich hätte der eingewechselte Gouano alles klar machen können, scheiterte aber frei vor Müller (82.).

Die Hausherren rannten in der Schlussphase verzweifelt an, fanden aber kein Rezept gegen die kompakte Berliner Abwehr. Landgrafs Distanzschuss (90.+1) und Baros Versuch (90.+3) rauschten über das Tor – sinnbildlich für einen Nachmittag, an dem dem HFC die letzte Präzision abging.

Während Halle nach der furiosen Serie von sechs Auftaktsiegen in der Realität des harten Ligaalltags angekommen scheint, darf sich Preussen über einen Coup freuen, der den starken Saisonstart des Aufsteigers bestätigt. Mit nun elf Punkten rückt die Mannschaft von Daniel Volbert ins gesicherte Mittelfeld vor – und hat bewiesen, dass sie auch gegen die Großen der Liga bestehen kann.

Für den HFC hingegen steht fest: Will man die Tabellenführung nicht vollends verspielen, muss im kommenden Auswärtsspiel bei Lok Leipzig eine Reaktion folgen.

 

Babelsbergs Aufholjagd kommt zu spät

SV Babelsberg 03 – VSG Altglienicke 1:2 (0:2)

Altglienicke bleibt die Mannschaft der Stunde in der Regionalliga Nordost. Mit einem reifen, abgeklärten Auftritt gewann das Team von Trainer Karsten Heine am Freitagabend verdient mit 2:1 beim SV Babelsberg 03. Früh legten die Gäste den Grundstein für den Auswärtserfolg, ehe Babelsberg erst in der Nachspielzeit durch Luis Müller Ergebniskosmetik betrieb.

Die Partie begann mit hohem Tempo und intensiv geführten Zweikämpfen, in denen Babelsberg zunächst besser zur Geltung kam. Doch zwingende Offensivaktionen blieben Mangelware. Altglienicke lauerte auf Umschaltmomente und schlug in der 35. Minute eiskalt zu: Sylla nutzte eine Lücke im Abwehrverbund der Hausherren und vollendete trocken zur Führung. Dieser Treffer gab den Gästen Sicherheit, während Babelsberg sichtbar den Faden verlor. Kurz vor der Pause erhöhte die VSG: Nach einem Ballgewinn im Mittelfeld kombinierte sich die Offensive schnell nach vorn, Nietfeld schob überlegt zum 0:2 ein (43.).

Mit diesem Doppelschlag hatten die Berliner die Richtung vorgegeben. Babelsberg reagierte mit einem Doppelwechsel zu Beginn der zweiten Halbzeit, brachte Weyh und Postelt, um die Offensivpräsenz zu erhöhen. Tatsächlich drängten die Gastgeber nun verstärkt nach vorn, doch gegen die disziplinierte VSG-Defensive um das Innenverteidiger-Duo Kebe und Manske taten sie sich schwer. Besonders auffällig: Altglienicke verstand es, Räume konsequent zu verdichten, und zwang die Babelsberger immer wieder auf die Außenbahnen, wo deren Angriffe versandeten.

Auch in der Schlussphase blieb das Bild unverändert: Babelsberg rannte an, ohne echte Durchschlagskraft zu entwickeln. Altglienicke verteidigte konzentriert, verpasste es jedoch, mit einem dritten Treffer alles klarzumachen. Erst in der sechsten Minute der Nachspielzeit kam die späte Belohnung für die Bemühungen der Hausherren: Müller drückte eine Hereingabe zum 1:2 über die Linie – sein fünftes Saisontor. Mehr als Ergebniskosmetik war dieser Anschlusstreffer jedoch nicht.

Altglienicke unterstrich mit dem vierten Sieg in Serie seine Ambitionen im Aufstiegsrennen. Bemerkenswert: Mit nur sieben Gegentreffern nach neun Spieltagen stellt die VSG aktuell die beste Abwehr der Liga – Ausdruck einer mannschaftlich geschlossenen Defensivleistung, die auch in Babelsberg den Unterschied ausmachte.

Babelsberg dagegen verharrt im Mittelfeld der Tabelle. Zwar zeigt die Mannschaft von Markus Zschiesche immer wieder Phasen, in denen sie Kontrolle und Spielfreude entwickeln kann, doch gegen die Top-Teams der Liga fehlt bislang die Konstanz im letzten Drittel.

Am kommenden Freitag steht für die Filmstädter das schwere Auswärtsspiel bei Lok Leipzig an, während Altglienicke im Spitzenspiel den BFC Dynamo empfängt – ein weiterer Härtetest für die derzeit stabilste Defensive der Liga.

 

Sieg der Hoffnung: Chemie meldet sich zurück

BSG Chemie Leipzig – BFC Dynamo 2:0 (0:0)

Adrian Alipour hatte in den vergangenen Wochen gebetsmühlenartig von »Leidensbereitschaft« und »Spielglück« gesprochen – im neunten Anlauf passte beides endlich zusammen. Mit einem leidenschaftlich erkämpften 2:0-Heimsieg über den BFC Dynamo feierte Chemie Leipzig vor 4.999 Zuschauern im ausverkauften Alfred-Kunze-Sportpark den lang ersehnten ersten Dreier der Saison. Entscheidend waren vier Minuten Mitte der zweiten Halbzeit, in denen Stanley Ratifo und Joker Julius Hoffmann die Berliner Abwehr knackten.

Die Ausgangslage ließ die Gastgeber unter Druck starten: Null Siege nach acht Spielen, dazu die anhaltende Offensivschwäche – ein weiterer Misserfolg hätte die Chemiker tief im Tabellenkeller zementiert. Doch die Grün-Weißen begannen mutig, suchten über Standards und zweite Bälle den Weg nach vorn. Mäder prüfte früh mit einem Freistoß die Reflexe von Ortegel (25.), wenig später rauschten Abschlüsse von Enke und Ratifo knapp über das Tor. Es waren jene Szenen, die die Zuschauer erahnen ließen, dass Chemie heute mehr riskieren wollte.

Der BFC wiederum setzte auf seine erfahrene Offensivachse mit Dadashov und Putaro. Nach einer halben Stunde fanden die Gäste besser ins Spiel, Horenburg parierte stark gegen Breitfeld (37.). Kurz vor der Pause verpasste Knezevic nach feiner Kombination den Abschluss. So blieb es bei einer torlosen, aber intensiv geführten ersten Hälfte, die das Etikett „Abstiegskampf“ trug: viele Zweikämpfe, wenig klare Aktionen.

Nach dem Seitenwechsel erhöhte Dynamo den Druck. Zunächst scheiterte Dadashov per Kopf an der Latte, Horenburg lenkte den Ball mit den Fingerspitzen entscheidend ab (48.). Nur zehn Minuten später verhinderte der Chemie-Keeper mit einer Parade gegen den frei stehenden Dadashov den Rückstand (56.). Es waren die Schlüsselszenen des Abends, denn nur Sekunden später sollte sich das Blatt wenden.

Chemie nutzte die erste wirklich zwingende Aktion: Bunge leitete einen Ball in den Strafraum, Ratifo behauptete sich gegen zwei Gegenspieler und traf aus kurzer Distanz zum 1:0 (62.). Der Alfred-Kunze-Sportpark explodierte und Dynamo verlor für einen Moment jede Ordnung. Nur vier Minuten später segelte eine Flanke von Seidel in den Strafraum, der frisch eingewechselte Hoffmann stand goldrichtig und drückte den Ball zum 2:0 über die Linie (66.).

Mit dieser Effizienz, die Chemie bislang vermissen ließ, war die Partie praktisch entschieden. Der BFC versuchte zwar noch einmal, ins Spiel zurückzufinden, doch Putaros Schuss strich knapp über die Latte (74.), später blieb Horenburg auch bei Standards Herr der Lage. Die Berliner blieben insgesamt zu harmlos, zu sehr auf Einzelaktionen angewiesen. Chemie dagegen verteidigte mit Leidenschaft, brachte Zeit von der Uhr und ließ sich auch von der hektischen Schlussphase nicht mehr aus der Ruhe bringen.

Für Chemie Leipzig war dieser Abend weit mehr als nur ein erster Saisonsieg – es war ein Signal an die Liga, dass die Grün-Weißen noch leben. Horenburg avancierte mit seinen Paraden zum Matchwinner, während Ratifo und Hoffmann die ersehnten Vollstreckerrollen einnahmen. Dynamo hingegen blieb die Bestätigung des zuletzt erhofften Aufwärtstrends schuldig.

In der kommenden Woche reist Chemie zum FC Eilenburg, wo es darum geht, den Aufwärtstrend zu bestätigen. Der BFC Dynamo empfängt den ambitionierten Tabellenzweiten Altglienicke – eine Partie, die bereits richtungsweisenden Charakter für die Berliner Saison haben könnte.

 

FSV trotzt Bus-Panne und feiert Auswärtssieg

Die Fanzone des FSV Zwickau bei der Zehlendorfer Hertha 03. Foto: Kerstin Kellner

Hertha 03 Zehlendorf – FSV Zwickau 0:1 (0:0)

Ein chaotischer Reisetag endete für den FSV Zwickau mit einem kleinen sportlichen Happy End. Stundenlang hatte der Mannschaftsbus im Stau auf der A9 gestanden, erst kurz vor Anpfiff erreichten die „Schwäne“ das Stadion Lichterfelde. Auf dem Rasen zeigte die Elf von Trainer Rico Schmitt dennoch die reifere Leistung und entführte durch ein Traumtor des eingewechselten Josua von Baer drei Punkte aus Berlin.

Die Anfangsphase spiegelte das Tabellenbild wider: Schlusslicht Zehlendorf agierte bemüht, doch ohne Zielstrebigkeit im letzten Drittel, während Zwickau erst allmählich seinen Rhythmus fand. Martens prüfte Dedidis mit einem Distanzschuss (15.), ehe auf der Gegenseite eine missglückte Flanke von Doll gefährlich wurde – Hiemann rettete über die Latte (25.). Insgesamt war es ein von Zweikämpfen geprägter, aber arm an Höhepunkten bleibender erster Durchgang.

Zur Pause reagierte Schmitt: Mit Fobassam und von Baer brachte er frische Kräfte und stellte auf Dreierkette um. Der Wechsel zahlte sich unmittelbar aus. Nur drei Minuten nach Wiederbeginn fasste sich von Baer ein Herz, zog aus gut 20 Metern ab und versenkte den Ball unhaltbar im Winkel – das 0:1 (48.). Mit der Führung im Rücken übernahm Zwickau endgültig die Kontrolle. Martens hätte kurz darauf erhöhen können, verzog aber (50.).

Zehlendorf dagegen brauchte lange, um sich auf die neue Grundordnung der Gäste einzustellen. Erst eine Viertelstunde vor Schluss flackerte Hoffnung auf, als Wicht einen Abpraller nach einer Ecke direkt nahm, den Ball aber knapp über das Tor jagte (74.). Ansonsten fehlte es der Mannschaft von Trainer Alexander Arsovic an Durchschlagskraft. Hebisch hing in der Luft, und die seltenen Vorstöße über die Flügel verpufften.

Zwickau hingegen verstand es, das Geschehen zu beruhigen. Mit langen Ballbesitzphasen zogen die Schwäne der Partie das Tempo aus und hielten den Gegner geschickt auf Distanz. In der Schlussminute hätte der eingewechselte Zimmermann alles klar machen können, doch sein Kopfball aus kurzer Distanz strich haarscharf am Pfosten vorbei (89.). Am Ende reichte auch so der knappe Vorsprung, weil die Defensive um Senkbeil und Ziemer souverän verteidigte.

Der FSV verbuchte damit den zweiten Arbeitssieg in Folge und untermauerte seine Position im Tabellenmittelfeld. Besonders bemerkenswert: Trotz aller Reisestrapazen präsentierte sich die Mannschaft konditionell stabil und taktisch flexibel. Für Zehlendorf bleibt dagegen die Lage prekär: Nach acht Niederlagen aus neun Spielen verharrt der Aufsteiger am Tabellenende, ohne dass ein Trendwechsel erkennbar wäre.

Texte: Holger Elias

Bitte beachten Sie: Die Fotos unseres Medienpartners Ostsport.tv sind mit der jeweiligen Videozusammenfassung auf Youtube verlinkt. Es öffnet sich ein externes Fenster.

Bild mit Symbolcharakter: Der Zwickauer Daniel Haubner setzt sich durch. Am Ende entführten die Gäste drei Punkte. Foto: Kerstin Kellner

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