Regionalliga Nordost

Regionalliga Nordost: Zusammenfassung 2. Spieltag

ZFC – SVB 1:1 / Hertha 03 – Preussen 0:2 / GFC - Chemie 3:0 / FCE - Zwickau 3:0 / FSV63 - CFC 2:1 / Lok – VSG 1:0 / FCC - Hertha II 1:0 / BFC – RWE 2:3 / FCM II - HFC 0:1

Chemie-Trainer Alipour kritisierte sein Team. In der ersten Halbzeit habe es »sehr jugendlich gespielt, den Gegner zu Toren regelrecht eingeladen«. Foto: BSG Chemie Leipzig / Franz Engler

Der Überblick: Der zweite Spieltag der Regionalliga Nordost brachte erste Trendlinien in ein weiterhin dicht gedrängtes Tableau. Carl Zeiss Jena übernahm mit dem zweiten Sieg in Serie die Tabellenspitze, während Rot-Weiß Erfurt mit einem Last-Minute-Coup in Hohenschönhausen ebenfalls die Maximalausbeute verbuchte. Der HFC gewann beim Aufsteiger 1. FC Magdeburg II und ist Dritter in der Rangliste. Der Aufsteiger BFC Preussen sorgte mit seinem zweiten Punktgewinn in Serie ebenso für Aufsehen wie Greifswald, das Chemie Leipzig in der ersten Hälfte demontierte. In Eilenburg, Luckenwalde und Lok Leipzig feierten die Gastgeber verdiente Heimsiege – während Hertha Zehlendorf und Zwickau ohne Punkt bleiben. Der BFC Dynamo verlor ein irrsinniges Spitzenspiel gegen Erfurt auf denkbar bittere Weise.

Hier können Sie den ausführlichen Spielbericht lesen:

 

Meuselwitz verpasst späten Sieg

ZFC Meuselwitz – SV Babelsberg 03 1:1 (1:0)

Im ersten Pflichtspiel der neuen Saison hat der ZFC Meuselwitz vor 746 Zuschauern in der bluechip Arena ein achtbares 1:1 gegen den SV Babelsberg 03 erzielt. In einer über weite Strecken zähen, von vielen kleinen Fouls und wenigen echten Höhepunkten geprägten Begegnung traf Innenverteidiger Rehder kurz vor der Pause zur Führung für den ZFC. Der Ausgleich durch Weyh folgte unmittelbar nach dem Seitenwechsel – sinnbildlich für ein Spiel, das stets bemüht war, aber selten in Fahrt kam.

Der Start in das Spiel geriet fahrig. Beide Mannschaften zeigten früh Probleme im Spielaufbau. Unpräzise Zuspiele, hektische Ballverluste und taktisch geprägte Duelle prägten das Bild der ersten Viertelstunde. Babelsberg, nach der deutlichen Auftaktniederlage gegen Jena unter Zugzwang, suchte die Kombination, lief sich aber regelmäßig im Meuselwitzer Pressing fest. Die Gastgeber wiederum suchten früh den langen Ball auf Trübenbach oder Hansch, blieben dabei aber zunächst ebenso erfolglos.

Erste Torannäherungen resultierten aus Einzelaktionen: Werbelow (19.) versuchte es aus spitzem Winkel, Rehder (20.) scheiterte nach einem Freistoß am eigenen Ballgefühl. In einer weitgehend ereignislosen Partie sorgte schließlich ein ruhender Ball für den ersten echten Höhepunkt: Nach einer Ecke von der rechten Seite stand Rehder am langen Pfosten goldrichtig und stocherte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie (42.). Die Führung für Meuselwitz kam nicht aus dem Spiel heraus, aber zu einem Zeitpunkt, der psychologisch günstig war.

Wer erwartet hatte, dass Babelsberg aus der Pause heraus einen Moment der Orientierung benötigen würde, sah sich getäuscht: Sekunden nach Wiederanpfiff überraschten die Gäste mit einem langen Ball, Kopfballverlängerung – Weyh reagierte am schnellsten und glich mit einem satten Abschluss zum 1:1 aus (46.). Die Defensive des ZFC wirkte in dieser Szene gedanklich noch in der Kabine.

Im Anschluss entwickelte sich die beste Phase der Gäste. Müller und Schmidt zogen das Spiel an, Meuselwitz geriet zunehmend in die Defensive. Sedlak im Tor der Hausherren musste mehrfach eingreifen, bewahrte sein Team gegen Müller (57.) und erneut Weyh (66.) vor einem Rückstand. Erst nach dem Doppelwechsel in der 64. Minute – Oke und Wurr kamen ins Spiel – gelang es dem ZFC wieder, sich aus der Umklammerung zu befreien.

In der Schlussphase erhöhten beide Teams das Risiko. Babelsberg versuchte es mit einer einstudierten Eckballvariante (76.), die durch Schmidt jedoch über das Tor abgeschlossen wurde. Meuselwitz hielt dagegen, hatte durch Oke (75.) und in der Nachspielzeit durch Raithel per Kopfball (90.+3) noch zwei Möglichkeiten zum Lucky Punch, doch Babke im Tor der Gäste reagierte stark. Ein technischer Fehler von Sedlak (88.) hätte die Partie beinahe noch auf den Kopf gestellt, als Müller plötzlich vor dem leeren Tor auftauchte, den Ball aber nicht kontrollieren konnte.

Unterm Strich bleibt ein Spiel ohne große Qualität, aber mit erkennbarer taktischer Struktur auf beiden Seiten. Meuselwitz punktet bei seinem verspäteten Saisonauftakt, während Babelsberg mit nun einem Punkt aus zwei Spielen hinter den Erwartungen zurückbleibt.

 

Aufsteiger entführt verdiente drei Punkte

Hertha 03 Zehlendorf – BFC Preussen 0:2 (0:0)

Mit einem Auswärtssieg beim Stadtrivalen Hertha 03 Zehlendorf hat Aufsteiger BFC Preussen am zweiten Spieltag der Regionalliga Nordost ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt. Vor allem in der zweiten Halbzeit überzeugte die Mannschaft von Trainer Daniel Volbert durch taktische Disziplin, physische Stabilität und gnadenlose Effizienz. Tore von Shean Mensah und Joker Ben Meyer reichten, um einem offensiv bemühten, aber letztlich harmlosen Gastgeber sämtliche Punkte zu entreißen.

Die Partie im Ernst-Reuter-Sportforum war in den ersten 45 Minuten vor allem eines: von viel Krampf und wenig Klasse geprägt. Zwar tasteten sich beide Teams ohne lange Anlaufzeit in die Begegnung, doch präzise Spielzüge und strukturierte Offensivbemühungen blieben Mangelware. Zehlendorf wirkte in der Anfangsphase aktiver, erarbeitete sich zwei Ecken und durch Abe sowie Voahariniaina erste Halbchancen, doch die Abschlüsse waren zu harmlos, um Torhüter Westphal ernsthaft zu fordern.

Preussen agierte in dieser Phase abwartend, lauerte auf Umschaltmomente – und war mit dieser Marschroute zumindest defensiv auf der sicheren Seite. Der BFC wurde erstmals in der 25. Minute gefährlich, als Gouano aus halbrechter Position aufs kurze Eck zielte, Dedidis jedoch mit starker Reaktion zur Stelle war. Nur wenig später verpasste Mensah freistehend per Kopf (33.), ehe Fontein bei der besten Gelegenheit der ersten Hälfte das Aluminium traf (42.). Das torlose Remis zur Pause war aus Sicht der Hausherren zwar verdient, doch es war bereits absehbar, dass Preussen in der zweiten Hälfte die Schlagzahl erhöhen würde.

Und tatsächlich: Kaum war der zweite Durchgang eröffnet, übernahmen die Gäste zunehmend die Kontrolle über das Mittelfeld. Die Doppelauswechslung in der 58. Minute – Adekunle und Meyer kamen für Gouano und Brehmer – sollte sich als goldrichtig erweisen. Nur drei Minuten später war es Shean Mensah, der das Spiel mit einem platzierten Distanzschuss in den rechten Torwinkel eröffnete und die Führung für Preussen markierte (61.). Zuvor hatte Zehlendorf eine vielversprechende Drangphase nicht in Zählbares umwandeln können – ein bitterer Wendepunkt aus Sicht der Gastgeber.

Hertha-Coach Steffen Israel versuchte zu reagieren, brachte in der 80. Minute mit Moradi einen frischen Mann für die Defensive, doch Zehlendorfs Angriffsbemühungen blieben weitgehend ideenlos. Immer wieder fehlte es an der letzten Präzision im Passspiel, an klaren Laufwegen oder an der nötigen Zielstrebigkeit. Selbst Standards verpufften ohne Wirkung, während Preussen clever verteidigte und auf Konter lauerte.

In der Schlussphase machte der eingewechselte Ben Meyer schließlich alles klar. Adekunle setzte sich über rechts dynamisch durch, legte flach in die Mitte, wo Meyer zunächst an Dedidis scheiterte, den Abpraller aber zum 0:2 verwertete (90.). Die frustrierte Reaktion folgte prompt: Patrick-Emmanuel Abe handelte sich nach einem übermotivierten Einsteigen in der Nachspielzeit die Ampelkarte ein (90.+2) – symptomatisch für eine Partie, in der Hertha 03 mehr Frust als Fortschritt verzeichnete.

Preussen hingegen darf sich nach zwei Spieltagen über vier Punkte und ein defensiv überzeugendes Auftreten freuen. Zehlendorf dagegen wartet weiter auf den ersten Zähler und steht bereits unter Zugzwang.

 

Atilgan schnürt Doppelpack

Greifswalder FC – BSG Chemie Leipzig 3:0 (3:0)

Ein Auftritt mit Signalwirkung: Der Greifswalder FC hat sich nach der Auftaktniederlage in Chemnitz eindrucksvoll zurückgemeldet und die BSG Chemie Leipzig am heimischen Bodden bereits zur Pause mit drei Treffern in die Schranken gewiesen. Zwei Tore von Osman Atilgan sowie ein Kopfballtreffer von Innenverteidiger Julius Kaizer sorgten für klare Verhältnisse und offenbarten schonungslos die Schwächen eines Leipziger Teams, das defensiv fahrig, offensiv harmlos und insgesamt erschreckend blutleer auftrat.

Die Partie begann mit einer personellen Hiobsbotschaft für die Hausherren: Schon nach wenigen Minuten musste Flügelflitzer Ndualu mit Knieproblemen vom Feld – und dennoch übernahm Greifswald ohne merklichen Bruch sofort die Spielkontrolle. Die frühe Großchance vergab zunächst Richardson nach Vorarbeit von Günay, ehe Atilgan wenig später den Bann brach: Einen hohen Ball nahm der Ex-Lok-Spieler technisch stark herunter und schloss im Fallen sehenswert zum 1:0 ab (16.). Böggemann im Leipziger Tor war chancenlos.

Chemie, das mit der Startelf vom 0:1 gegen Magdeburg angetreten war, blieb defensiv unsortiert. Besonders über die Außenbahnen öffneten sich dem GFC immer wieder Räume, die die spielfreudige Offensive um Hüther, Bokake und Atilgan konsequent bespielte. Die Gäste hielten zwar zeitweise Ballbesitzphasen, doch gefährlich wurde es nur einmal wirklich, als Aliji frei vor Jakubov auftauchte – aber Kaizer grätschte artistisch dazwischen, und Eder blockte den Nachschuss gegen Seidel (20.).

Wenig später half Chemie dann selbst mit, den Rückstand auszubauen: Nach einem haarsträubenden Fehlpass von Torwart Böggemann auf Enke spritzte Richardson dazwischen, legte quer, Atilgan profitierte erneut – sein Abschluss rutschte Böggemann unglücklich über die Linie (39.). Es war symptomatisch für einen Tag, an dem beim Regionalliga-Vizemeister der Vorsaison gar nichts zusammenlief. Noch vor dem Pausenpfiff erhöhte Kaizer per Kopf nach einer Ecke von Bokake gar auf 3:0 (45.). Die Partie war zu diesem Zeitpunkt entschieden.

Im zweiten Durchgang verwaltete Greifswald die Partie mit der Souveränität eines Topteams. Die Gäste wechselten dreifach, brachten mit Friedrich, Hoffmann und Nadjombe neue Kräfte, doch Impulse blieben aus. Ratifo und Langner bemühten sich, ohne Wirkung. Die erste und einzige Ecke der Leutzscher fiel in die Kategorie »Alibifußball«. Langners Kopfball (75.) war harmlos, auch Mäder und Seidel blieben blass. Jakubov im GFC-Tor verlebte einen nahezu beschäftigungslosen Nachmittag.

Der GFC hingegen blieb auch in der Schlussphase strukturiert und ballsicher, kam über Vierling und Richardson sogar noch zu zwei dicken Gelegenheiten, bei denen Böggemann mit starken Reflexen Schlimmeres verhinderte. Die Einwechslungen von Harz, Memaj und Lämmel in der Endphase waren Ausdruck der aktuellen Tiefe im Kader – trotz prominenter Ausfälle wie Benyamina oder Eglseder.

Unterm Strich steht ein hochverdienter Heimsieg für Greifswald, der in dieser Form eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass der Fehlstart in Chemnitz nur ein Ausrutscher war. Für Chemie Leipzig hingegen wird die Lage nach zwei Spielen ohne Punkt und mit nur einem eigenen Torversuch pro Partie zunehmend ungemütlich. Trainer Adrian Alipour wird nach diesem Auftritt mehr als nur am System schrauben müssen.

 

FCE entfesselt nach der Pause

FC Eilenburg – FSV Zwickau 3:0 (0:0)

Der FC Eilenburg hat in seinem ersten Heimspiel der neuen Saison ein Ausrufezeichen gesetzt und den FSV Zwickau mit einem überzeugenden 3:0 besiegt. Vor 2.184 Zuschauern präsentierten sich die Nordsachsen im zweiten Durchgang wie verwandelt und bestraften einen zahnlosen Auftritt der Gäste gnadenlos. Kosak brachte den FCE per Elfmeter in Führung, Mattmüller erhöhte nach einer Ecke, ehe Joker Henkel nach einem Konter den Deckel auf einen verdienten Heimerfolg setzte.

Das Spiel begann verhalten. Beide Mannschaften tasteten sich zunächst ab, viele Szenen spielten sich zwischen den Strafräumen ab. Der FSV suchte über kontrolliertes Aufbauspiel den Weg nach vorn, Eilenburg agierte kompakt und ließ zunächst wenig zu. Doch mit zunehmender Dauer verschob sich das Kräfteverhältnis. Die Gastgeber wurden mutiger, näherten sich über Alvarez (11.) und Poser (6.) zaghaft an. Mattmüller hatte in der 18. Minute die erste große Gelegenheit, als er das lange Eck nur knapp verfehlte. Kurz darauf landete der Ball zwar im Netz, doch Niemitz stand im Abseits – der Jubel blieb aus (22.).

Zwickau hingegen enttäuschte in der Offensive weitestgehend. Möbius und Zimmermann blieben blass, einzig ein langer Einwurf (32.) sorgte für ein wenig Unruhe im FCE-Strafraum. Ansonsten blieb Pieles weitgehend beschäftigungslos. Kurz vor der Pause dann die Doppelchance für Eilenburg: Erst scheiterte Kosak freistehend an Hiemann, dann traf Mattmüller den Ball nicht voll – Fobassam klärte in höchster Not (45.).

Was Eilenburg nach dem Seitenwechsel ablieferte, war hingegen beeindruckend. Nur fünf Minuten nach Wiederanpfiff drang Mattmüller in den Strafraum ein, wurde regelwidrig gestoppt – Kosak trat an und verwandelte sicher zum 1:0 (50.). Der Treffer war längst verdient und gab dem FCE weiteren Auftrieb. Zwickaus Antwort? Fehlanzeige. Stattdessen drückten die Gastgeber weiter – Kosak (65.) und Pestel (64.) ließen beste Chancen aus, ehe nach einer Ecke Mattmüller am zweiten Pfosten völlig freistehend auf 2:0 stellte (62.).

Rico Schmitt reagierte mit einem Dreifachwechsel, brachte Dobruna, Breitenbücher und Eixler, doch es half nichts. Zwar testete Breitenbücher Pieles aus der Distanz (67.), mehr aber kam von den Gästen nicht. Im Gegenteil: Eilenburg kontrollierte das Geschehen, ließ den Ball gut laufen und setzte den Schlusspunkt durch Henkel. Der Joker wurde in der 61. Minute gebracht und belohnte sich in der 75. Minute, als er nach einem Konter frei vor Hiemann auftauchte und eiskalt zum 3:0-Endstand einschob.

Die letzten Minuten nutzte Eilenburg, um durchzuwechseln und Applaus für starke Individualleistungen zu ermöglichen. Stephan, Schädlich und Shoshi kamen für Alvarez, Mattmüller und Kosak – auch das ein Ausdruck der personellen Breite im Kader von Kevin Rodewald. Zwickau hingegen blieb bis zum Schlusspfiff blass, ließ jegliche Schärfe und Struktur im Offensivspiel vermissen und wirkte defensiv in der zweiten Halbzeit überfordert.

Mit nun vier Punkten aus zwei Partien gelingt Eilenburg der Anschluss an das obere Tabellendrittel – ein starker Start in eine Saison, in der man sich steigern wollte. Für Zwickau hingegen ist der Fehlstart perfekt. Ein Punkt, kein Tor im zweiten Spiel – und der Eindruck, dass die Baustellen größer sind als gedacht. Vor dem kommenden Heimspiel gegen Meuselwitz steht der FSV bereits unter Zugzwang.

Eilenburgs Mattmüller – ganz links – stellte nach einer Ecke am zweiten Pfosten völlig freistehend auf 2:0 (62.). Foto: -as

Chemnitz kassiert ersten Dämpfer

FSV 63 Luckenwalde – Chemnitzer FC 2:1 (1:1)

Der Chemnitzer FC hat nach dem Auftaktsieg gegen Greifswald seine erste Saisonniederlage hinnehmen müssen. Beim 1:2 in Luckenwalde fehlte es der Mannschaft von Benjamin Duda an Durchschlagskraft und Klarheit im letzten Drittel. Die Gastgeber hingegen präsentierten sich abgezockt, profitierten von einem Eigentor der Gäste und schlugen im richtigen Moment zu – so sicherte Verteidiger Bachmann per Abstauber in der 78. Minute den verdienten Heimsieg für eine disziplinierte und mutige Luckenwalder Mannschaft.

Beide Teams starteten bei sommerlichen Temperaturen engagiert in die Partie. Chemnitz übernahm früh die Spielkontrolle und suchte mit Pistol und Bozic über die rechte Seite den Weg in die Spitze. Bereits nach sechs Minuten hatte Tobias Müller per Kopfball nach einer Ecke die große Chance zur Führung, doch Luckenwalde rettete auf der Linie. Kurz darauf setzte Bozic einen Abschluss über das Tor. Luckenwalde brauchte etwas, um in die Partie zu finden, zeigte sich dann aber durch Maciejewski (17., 18.) und Jannene (26.) erstmals gefährlich – der Spielverlauf wurde offener.

Den Führungstreffer markierte dann Jannene selbst: Nach einem Abschluss im Strafraum ließ CFC-Keeper Adamczyk den Ball prallen, und der Innenverteidiger staubte eiskalt zum 1:0 ab (34.). Die Freude währte jedoch nur kurz: Der CFC erhöhte die Schlagzahl, nutzte einen guten Angriff über Pistol, dessen Hereingabe über Baumgart schließlich bei Merke landete, der unglücklich ins eigene Netz traf (41.). Das 1:1 zur Pause war leistungsgerecht – Chemnitz hatte mehr Spielanteile, Luckenwalde agierte effizient.

In der zweiten Hälfte änderte sich das Bild kaum. Der CFC suchte nach Struktur, doch die Gastgeber hielten mit hohem Laufaufwand dagegen. Palmowski im FSV-Tor parierte stark gegen Alberico (49.) und lenkte eine Schussflanke von Bozic knapp am Pfosten vorbei (51.). Auch Damer (70.) und Bochmann (66.) ließen in aussichtsreicher Position die nötige Konsequenz vermissen. Die Gäste erhöhten den Druck, doch Luckenwalde verteidigte clever und setzte Nadelstiche.

Die Entscheidung fiel in einer Phase, in der Chemnitz die Partie eigentlich im Griff zu haben schien. Nach einem schnellen Vorstoß über rechts war es Bachmann, der im Zentrum schneller reagierte als CFC-Keeper Adamczyk und aus kurzer Distanz zum 2:1 traf (78.). Danach verteidigte Luckenwalde leidenschaftlich, blockte mehrere Angriffsversuche ab und ließ auch in fünf Minuten Nachspielzeit keine zwingende Chance mehr zu.

Trainer Michael Braune durfte sich über den ersten Saisonsieg freuen, der durch eine geschlossene Mannschaftsleistung verdient war. Beim CFC dagegen haderte man erneut mit der Effizienz im Angriff – und offenbarte im zweiten Spiel bereits ein Muster, das auch schon gegen Greifswald sichtbar war: viel Aufwand, wenig Ertrag.

 

Effektivität schlägt Spielkultur

FC Carl Zeiss Jena – Hertha BSC II 1:0 (1:0)

Ein frühes Tor, ein starker Rückhalt und ein diszipliniertes Kollektiv haben Carl Zeiss Jena die Rückkehr an die Tabellenspitze der Regionalliga Nordost beschert. Beim 1:0-Heimerfolg über Hertha BSC II genügte dem Team von Volkan Uluc eine abgeklärte Vorstellung, um den spielerisch ambitionierten, aber im letzten Drittel harmlosen Nachwuchs der Berliner in die Schranken zu weisen. Vor 8.092 Zuschauern in der ad hoc Arena war es ausgerechnet Kapitän Nils Butzen, der in der 5. Minute per Kopf den goldenen Treffer erzielte – eine Szene, die den Unterschied zwischen Reife und jugendlicher Unschärfe exemplarisch offenbarte.

Beide Mannschaften betraten das Feld unter dem Banner der „Aufstiegsreform 2025“ – Symbol einer Regionalliga, die um sportliche Fairness ringt. Was dann folgte, war ein Spiel mit klaren Rollenverteilungen: Die Gäste aus Berlin ließen den Ball laufen, suchten Struktur, hatten über Ajvazi und Ben-Hatira gute Momente, doch Jena setzte die Akzente. Mit dem ersten konstruktiven Angriff schlugen die Thüringer eiskalt zu: Der überragende Prokopenko setzte sich auf der linken Außenbahn mühelos durch, seine punktgenaue Flanke nickte Butzen aus kurzer Distanz per Aufsetzer an die Unterlatte und von dort ins Tor (5.).

Hertha II zeigte sich nicht geschockt, hielt weiter an der eigenen Idee fest, wurde jedoch kaum konkret. Die Dreierreihe hinter den Spitzen blieb oft isoliert, Rölke und Trus hingen durchweg in der Luft. Jena hingegen hätte frühzeitig alles klar machen können: Erst scheiterte Eshele in der 36. Minute freistehend vor dem leeren Tor, dann verfehlte Lankford nach einem abgewehrten Ball von Smarsch aus elf Metern das Ziel (62.). Immer wieder war es Prokopenko, der mit Tempo, Technik und Übersicht für Unruhe sorgte, ehe er nach einer Stunde unter Applaus das Feld verließ.

Mit zunehmender Spieldauer nahm die Partie an Härte zu. Zahlreiche Gelbe Karten auf beiden Seiten, ruppige Zweikämpfe und hitzige Diskussionen brachten Schiedsrichter Schipke mehrfach an seine Grenzen. Bei allem Kampf mangelte es Hertha II jedoch an klaren Abschlüssen. Auch die Umstellungen durch Trainer Selch, der Traoré, Bellomo und Gouram brachte, verpufften wirkungslos. Am gefährlichsten wurde es noch durch einen abgefälschten Freistoß Hessels, der an die Latte klatschte (78.).

Die letzte Chance, das Ergebnis ins rechte Licht zu rücken, ließ Joker Seidemann liegen, als er in der 90. Minute gemeinsam mit Eshele auf den Keeper zulief, aber das Abspiel verzögerte und am glänzend reagierenden Smarsch scheiterte. Eshele brachte auch den Nachschuss nicht im Tor unter – symptomatisch für die fahrlässige Chancenverwertung der Hausherren, die sich dennoch auf eine stabile Defensive und den aufmerksamen Liesegang im Tor verlassen konnten.

Unterm Strich war es ein Sieg der Reife, der Disziplin und der klaren Struktur. Während Hertha II das Spiel oft optisch dominierte, war es Jena, das die wichtigen Räume kontrollierte und die wenigen, aber hochkarätigen Chancen konsequent kreierte. Der Lohn: Platz eins nach zwei Spieltagen, ein Torverhältnis von 5:1 und eine Mannschaft, die sich nach der Enttäuschung der Vorsaison neu gefunden hat – nicht glanzvoll, aber griffig.

 

Uzun stürzt Dynamo ins Tal der Tränen

BFC Dynamo – FC Rot-Weiß Erfurt 2:3 (0:0)

Ein irrer Schlagabtausch mit dramatischer Wendung in der Nachspielzeit ließ das Sportforum Hohenschönhausen erbeben. Der BFC Dynamo hatte sich nach einem 0:2-Rückstand eindrucksvoll zurückgekämpft und schien den vielumjubelten Ausgleich gerade noch rechtzeitig erzwungen zu haben – doch am Ende war es der eingewechselte Emirhan Uzun, der mit dem Schlusspfiff das Herz der Gastgeber brach. Mit einem Treffer in der fünften Minute der Nachspielzeit sicherte der FC Rot-Weiß Erfurt den 3:2-Auswärtssieg und setzte damit ein starkes Ausrufezeichen im engen Spitzenfeld der Regionalliga Nordost.

Die erste Hälfte gehörte in weiten Teilen den Berlinern, die aus einer variablen Dreierkette heraus immer wieder Druck aufbauten und das Spielgeschehen bestimmten. Bereits in der zweiten Minute hatte Putaro die Führung auf dem Fuß, scheiterte jedoch am glänzend reagierenden Otto. Auch Dadashov (16., 41.) und Polte (40.) konnten beste Gelegenheiten nicht nutzen. Erfurt überstand diese Phase mit Glück, Geschick und einem exzellenten Schlussmann – und hätte durch Ugondu vor der Pause beinahe selbst eingenetzt (43.).

Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Kräfteverhältnis. RWE-Coach Fabian Gerber fand offenbar die richtigen Worte, denn seine Mannschaft agierte nun aggressiver, mutiger – und effektiver. In der 57. Minute flankte Fehler von rechts maßgenau in den Strafraum, wo Wolf sich im Rücken der Verteidigung löste und per Kopf ins rechte Eck zur Führung vollendete. Nur drei Minuten später setzte Boboy Ugondu in Szene, der mit großer Übersicht an Hainke vorbei das 0:2 erzielte.

Statt jedoch zu kollabieren, entfachte der BFC in der Schlussphase einen wahren Offensivsturm. Zunächst war es der auffällige Reincke, der in der 80. Minute mit einem satten Distanzschuss aus fast 30 Metern auf 1:2 verkürzte – ein Signal, das in der alten Dynamo-Seele Zündstoff freisetzte. Erfurt wirkte in dieser Phase wacklig, brachte kaum noch Entlastung zustande. Die Belohnung für den Berliner Druck folgte in der 87. Minute: Gunte stieg nach einer Ecke am höchsten und köpfte das 2:2 ins rechte Eck – die Euphorie auf den Rängen war grenzenlos.

Doch es kam noch bitterer für die Gastgeber. Während die Hausherren auf den Lucky Punch drängten, zeigte Erfurt seine Reife und Geduld. In der fünften Minute der Nachspielzeit konterte RWE entschlossen über Durakov, dessen Hereingabe Uzun mit Übersicht und Präzision zum 3:2-Endstand verwandelte. Fassungslosigkeit machte sich breit unter den 2.339 Zuschauern – ein Spiel, das bereits in die Archive des NOFV eingehen dürfte.

Aus Sicht des BFC Dynamo bleibt ein Auftritt mit Moral, Offensivdrang und einer sichtbaren Leistungssteigerung gegenüber dem 0:1 in Halle. Doch erneut steht man trotz hohem Aufwand mit leeren Händen da. Die Frage nach der Balance zwischen Defensive und Offensivlust wird Coach Christian Benbennek beschäftigen. Für Erfurt hingegen war es ein Triumph der Effizienz – mit maximaler Wirkung: Sechs Punkte aus zwei Spielen, dazu ein spätes Auswärtsdrama, das das Selbstbewusstsein weiter stärkt.

 

Freude der Erfurter über den späten Sieg beim BFC Dynamo. Foto: Holger Elias

Zianes Kunststück bringt Lok ersten Saisonsieg

1. FC Lok Leipzig – VSG Altglienicke 1:0 (1:0)

Im ersten Heimspiel der neuen Saison ist dem 1. FC Lok Leipzig auf frischem Grün im Bruno-Plache-Stadion ein hart erkämpfter 1:0-Erfolg gegen die VSG Altglienicke gelungen. Vor 5.063 Zuschauern sicherte ein spektakulärer Treffer von Djamal Ziane in der 30. Minute den ersten Saisonsieg für die Elf von Jochen Seitz. In einer Partie mit überschaubarem spielerischen Glanz, aber vielen kämpferischen Momenten, reichte ein Moment individueller Klasse aus, um die gut organisierte VSG niederzuringen – nicht zuletzt begünstigt durch eine Rote Karte gegen Altglienickes Kebe nach einer Notbremse.

Der Abend begann zäh für die Gastgeber. Die VSG hatte von Beginn an mehr Zugriff, ließ den Ball sicher durch die eigenen Reihen zirkulieren und zwang Lok in die passive Rolle. Früh brachte Kizildemir (10.) den ersten Abschluss für die Gäste, Türpitz versuchte es kurz darauf aus der Distanz. Leipzig agierte in dieser Phase nervös, verlor zu viele zweite Bälle und fand kaum Bindung in der Offensive.

Doch mit zunehmender Spielzeit gelang es den Blau-Gelben, sich etwas aus der Umklammerung zu befreien. Arcalean über die rechte Seite und der emsige Cevis begannen, Impulse zu setzen. Der Treffer fiel dann aus dem Nichts, war aber umso bemerkenswerter: Nach einer Flanke von Cevis von der rechten Seite nahm Ziane die Kugel im Zentrum im Fallen per Seitfallzieher – und setzte das Spielgerät unhaltbar ins Netz (30.). Ein Geniestreich des Routiniers, der die Partie fortan drehte.

Altglienicke zeigte sich angeschlagen, Lok übernahm die Kontrolle. Maderer (32.) und erneut Ziane (34.) verpassten das mögliche 2:0 nur knapp. Kurz vor der Pause kamen die Gäste wieder besser ins Spiel, doch Lok hielt defensiv konsequent dagegen und ließ kaum klare Gelegenheiten zu.

Die zweite Hälfte begann mit einer Schlüsselszene: Ziane war auf und davon, Kebe zog im Laufduell am Trikot – letzter Mann, klare Notbremse, glatt Rot (60.). Fortan in Unterzahl, verteidigte die VSG mit viel Einsatz, während Lok die sich bietenden Räume nicht konsequent genug ausnutzte. Der Wille war erkennbar, doch in der letzten Zone fehlte es an Genauigkeit, Tempo oder Mut. So blieb die Partie bis in die Schlussphase offen – und unnötig spannend.

Altglienicke warf in den letzten Minuten alles nach vorn, brachte mit Roczen und Friedrich frische Kräfte, kam sogar noch zu einem gefährlichen Freistoß (90.+1), den Friedrich knapp am Pfosten vorbeisetzte. Lok verteidigte nun mit Leidenschaft, musste aber mehrfach foulen, um die Konterversuche der Berliner zu stoppen. Auch Neuzugang Elsner sah noch Gelb, doch die Leipziger retteten den knappen Vorsprung letztlich über die Zeit.

Es war ein Arbeitssieg des amtierenden Meisters, der kämpferisch überzeugte, spielerisch jedoch noch nicht vollends in Tritt ist. Gegen eine engagierte VSG, die besonders vor dem Platzverweis als gleichwertiger Gegner auftrat, reichte ein Moment der Klasse zum dreifachen Punktgewinn. Dass Lok nach dem zweiten Spieltag noch ohne Gegentor dasteht, dürfte Trainer Seitz zumindest defensiv optimistisch stimmen – doch in der Offensive ist noch Luft nach oben.

 

Am Boden: Kapitän Niklas Pfennig verursachte mit seinem Eigentor die erste Saisonniederlage des Aufsteigers gegen den HFC. Foto: Holger Elias

Kurioses Eigentor entscheidet hitziges Anhalt-Derby

1. FC Magdeburg II – Hallescher FC 0:1 (0:1)

Mit einem äußerst kuriosen Treffer hat der Hallesche FC das brisante Derby gegen die U23 des 1. FC Magdeburg für sich entschieden. In einem Spiel, das über weite Strecken von hoher Intensität, robustem Zweikampfverhalten und am Ende auch von aufkommender Hektik geprägt war, reichte den Gästen ein früher Treffer, der formal als Eigentor von Kapitän Niklas Pfennig gewertet wurde. Spielerisch blieb die Partie zwar Stückwerk, doch der HFC zeigte in den entscheidenden Momenten mehr Cleverness und verteidigte den knappen Vorsprung mit großer Leidenschaft – selbst in Unterzahl.

Der Auftakt in der Avnet-Arena, deren Heimbereich aus Pietätsgründen geschlossen blieb, geriet atmosphärisch gedämpft, aber sportlich umso energiegeladener. Halle präsentierte sich von Beginn an als die strukturiertere Mannschaft, suchte über die Flügel um Kulke und Wosz wiederholt den direkten Weg in die Spitze und wurde bereits in der 16. Minute belohnt: Nach einem weiten Ball von Keeper Sven Müller setzte sich Elezi im Laufduell gegen Pohl robust durch und scheiterte zunächst noch an Magdeburgs Schlussmann Kruth. Der Abpraller sprang jedoch aus kurzer Distanz unglücklich an Pfennig, von dessen Körper der Ball ins eigene Tor trudelte – ein Slapstick-Tor mit maximaler Wirkung.

Der Treffer setzte die bis dato gut organisierten Gastgeber sichtbar unter Druck. Zwar gelang es dem Aufsteiger immer wieder, über Millgramm und Nadjombe offensive Akzente zu setzen, doch im letzten Drittel mangelte es an Präzision und Zielstrebigkeit. Während Vogler und Sanogo noch mit Einzelaktionen auffielen, blieb die große Ausgleichschance zunächst aus. Stattdessen drängte der HFC auf den zweiten Treffer. Hartmann (36.), Wosz (35.) und Fakhro (41.) scheiterten mehrfach am starken Kruth oder am eigenen Unvermögen.

Nach dem Seitenwechsel steigerte sich der FCM II spürbar, wurde mutiger, aber auch fahriger. Halle zog sich weiter zurück, lauerte auf Konter und verlor dabei zunehmend die Kontrolle – vor allem emotional. Die Zahl der Gelben Karten wuchs im Minutentakt, Fouls und Nickligkeiten bestimmten fortan das Bild. In der 84. Minute dann der negative Höhepunkt: HFC-Routinier Jan Löhmannsröben, ohnehin schon verwarnt, ging gegen Mergner mit zu hohem Bein zu Werke und musste mit Gelb-Rot vom Platz.

In Überzahl warfen die Magdeburger alles nach vorn, doch ihre Angriffsbemühungen blieben zu harmlos. Widmann hatte in der Nachspielzeit die beste Gelegenheit zum Ausgleich, verfehlte aber das Tor knapp (90.+4). Auch ein letzter langer Ball fand keinen Abnehmer. Stattdessen eskalierte die Szene an der HFC-Bank, als ein Betreuer wegen Zeitspiels die Rote Karte sah und auch Trainer Schröder noch Gelb kassierte.

Für den HFC steht unter dem Strich ein Derbyerfolg, der nicht nur für die Tabelle, sondern auch für das Selbstverständnis von zentraler Bedeutung ist. Die Magdeburger Austeiger hingegen mussten sich nach 16 Punktspielerfolgen in Serie erstmals geschlagen geben – und das ausgerechnet gegen den Rivalen aus Halle. Eine bittere, weil unnötige Niederlage, bei der letztlich ein Moment der Unachtsamkeit und fehlenden Abstimmung den Ausschlag gab.

Texte: Holger Elias

Bitte beachten Sie: Die Fotos unseres Medienpartners Ostsport.tv sind mit der jeweiligen Videozusammenfassung auf Youtube verlinkt. Es öffnet sich ein externes Fenster.

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