Regionalliga Nordost

Regionalliga Nordost: Zusammenfassung 16. Spieltag

VSG - Hertha II 3:0 / Dynamo - FSV63 (abg.) / FSV – CFC 4:0 / Hertha 03 – Erfurt 1:1 / SVB – FCMII 1:3 / ZFC – Preussen (abg.) / Lok – GFC 3:0 / FCE – Chemie 0:1 / Jena – HFC 1:1

Ganz knapp verpasste Hertha 03 am Sonnabend den großen Coup und schenkten den Erfurtern doch noch einen Punkt. Foto: Kerstin Kellner

Das Nachholspiel vom Mittwoch: Altglienicke nutzte den frühen Treffer von Jonas Nietfeld als stabile Grundlage und kontrollierte das Nachholspiel gegen Hertha II über weite Strecken. Der Doppeltorschütze und ein später Treffer von Manske besiegelten den klaren 3:0-Sieg. Während die VSG damit auf Platz vier vorstößt, bleibt Hertha II im Tabellenmittelfeld und defensiv weiter anfällig.

Die Sonntagspartie zwischen dem BFC Dynamo und dem FSV 63 Luckenwalde musste aufgrund der Witterungsbedingungen ebenfalls abgesagt werden. Ein neuer Spieltermin wird kurzfristig bekanntgegeben.

Die Begegnungen am Sonnabend: Zwickau dominierte das Sachsen-Derby über die volle Distanz, führte früh durch Ziemer und erhöhte noch vor der Pause durch Dobruna. Ein Elfmeter von Somnitz und ein später Treffer von Eixler besiegelten den hochverdienten 4:0-Erfolg, während Chemnitz offensiv kaum stattfand. Für den FSV ist der Sieg ein deutliches Zeichen im Kampf um die oberen Tabellenregionen, für den CFC ein ernüchternder Rückschritt. - Rot-Weiß Erfurt bestimmte beim Tabellenletzten Hertha Zehlendorf über weite Strecken das Geschehen, ließ aber zahlreiche gute Ansätze ungenutzt. Nach dem sehenswerten Distanztreffer von Iba May zum 1:0 stand RWE kurz vor einer Blamage, ehe Obed Ugondu in der Schlussphase zum 1:1 abstaubte. In der Nachspielzeit traf Uzun noch die Latte – am Ende blieb es beim Punktgewinn, der sich für Erfurt eher wie eine Niederlage anfühlt. - Babelsberg führte nach einem Kopfballtor von Lang verdient zur Pause und ließ nach dem Wechsel durch Covic, Müller, Lang und Zeiger mehrere Chancen zum 2:0 liegen. Magdeburg II reagierte nach der Gelb-Roten Karte gegen Kapitän Kamm mit großer Moral, glich in Unterzahl durch Leipertz aus und drehte die Partie in der Schlussphase durch Bytyqi und Korsch komplett. Für den SVB bedeutet das 1:3 die Fortsetzung der Sieglosserie, die Magdeburger Zweitvertretung nimmt dagegen drei unerwartet reife Auswärtspunkte mit. – Die Partie zwischen dem ZFC Meuselwitz und dem BFC Preussen musste aufgrund der Platzverhältnisse abgesagt werden. Ein Nachholtermin steht noch nicht fest.

Am Freitagabend spielten: Lok Leipzig setzte sich gegen lange diszipliniert verteidigende Greifswalder nach der Pause verdient mit 3:0 durch. Maderer per Kopf, Adetula nach schnellem Angriff und Wilton mit einem sehenswerten Volley sorgten für die Entscheidung. Der Spitzenreiter bleibt damit auch im achten Heimspiel ohne Punktverlust. - Im Kellerduell verlor der FC Eilenburg trotz klarer Chancenüberlegenheit unglücklich mit 0:1 gegen die BSG Chemie Leipzig. Während der FCE vor allem in der ersten Halbzeit mehrere Hochkaräter liegen ließ, nutzte Chemie in der Nachspielzeit einen Foulelfmeter, den Kapitän Mäder sicher verwandelte. Für die Leutzscher sind die späten drei Punkte Gold wert, Eilenburg dagegen steckt nach dem nächsten Nackenschlag noch tiefer im Abstiegssumpf. - Der Hallesche FC führte in Jena nach einem sehenswerten Treffer von Fakhro lange und hatte durch Fakhro, Elezi und Stierlin mehrfach die Chance, das Spiel vorzeitig zu entscheiden. Jena kam erst nach der Pause mit den Einwechslungen von Burmeister, Weihrauch und Prokopenko richtig ins Rollen, scheiterte zunächst an Schmedemann auf der Linie und am eigenen Abschlussglück. In der vierten Minute der Nachspielzeit rettete Fritz den Thüringern nach einer präzisen Flanke von Prokopenko schließlich doch noch einen Punkt.

Hertha II bricht ein: VSG nutzt jeden Schwachpunkt

VSG Altglienicke – Hertha BSC II 3:0 (1:0)

Mit der Konsequenz eines Spitzenteams und der Ruhe einer Mannschaft, die genau weiß, worauf sie sich verlassen kann, hat die VSG Altglienicke das Berliner Nachholduell des 16. Spieltags klar mit 3:0 für sich entschieden. In der Spree-Arena von Fürstenwalde setzte sich das Team von Ersan Palatan gegen Hertha BSC II weitgehend souverän durch – und wieder einmal war es Jonas Nietfeld, der den Abend entscheidend prägte. Seine frühen und späten Treffer legten das Fundament für den neunten Saisonsieg, ehe Paul Manske endgültig den Deckel auf das kleine Derby setzte.

Altglienicke begann druckvoll, spielte von Beginn an mit hoher Klarheit im Positionsspiel und erwischte die Gäste eiskalt. Bereits in der 7. Minute war es Nietfeld, der nach einem sauber vorgetragenen Angriff im Strafraum an den Ball kam und die Situation mit der Routine eines gestandenen Stürmers vollendete. Für Hertha II, das erst am Wochenende zwei wichtige Siege im Kampf um den Klassenerhalt gefeiert hatte, war der frühe Gegentreffer ein Schock – und gleichzeitig eine Bestätigung jener defensiven Instabilität, die sich wie ein roter Faden durch die Saison zieht.

Altglienicke verwaltete die Führung danach nicht bloß, sondern kontrollierte das Geschehen über weite Strecken. Das Zentrum war stabil, die Abstände in den Ketten eng, und mit zunehmender Spielzeit zwang die VSG den jungen Herthanern immer mehr Ballverluste im zweiten Drittel auf. Für klare Chancen reichte es vor der Pause zwar selten, doch die Dominanz der Gastgeber war unverkennbar: Hertha II fand kaum Wege durch die kompakte VSG-Ordnung und blieb im Angriffsspiel meist auf Einzelaktionen angewiesen.

Auch nach der Pause änderte sich am Kräfteverhältnis wenig. Altglienicke blieb strukturiert, geduldig und setzte die entscheidenden Nadelstiche in genau den Momenten, in denen Hertha II kurzzeitig hoffte, wieder Anschluss zu finden. Der zweite Treffer fiel nach einem Muster, das sich in dieser Saison mehrfach bewährt hatte: ein sauberer Spielzug über die rechte Seite, präzise Vorbereitung – und erneut Nietfeld, der im Rückraum lauerte und in der 60. Minute eiskalt einschob. Sein zwölftes Saisontor besaß die Wirkung eines endgültigen Kipppunktes.

Wer nun eine Reaktion der kleinen Hertha erwartete, sah sich getäuscht. Altglienicke blieb in allen Linien stabil, gewann die entscheidenden direkten Duelle und nutzte die zunehmenden Räume gegen eine Hertha-Elf, die nun offener stand, ohne jedoch an Durchschlagskraft zu gewinnen. In der 67. Minute fiel folgerichtig das 3:0: Nach einem schnellen Vorstoß gelangte der Ball zu Paul Manske, der mit einem platzierten Abschluss ins rechte Eck die endgültige Entscheidung besorgte.

In der Schlussphase spielte Altglienicke den Vorsprung kontrolliert herunter. Die Gastgeber ließen Ball und Gegner laufen, waren in den Pressingmomenten aufmerksam und gestatteten Hertha II kaum noch strukturierten Aufbau. Die Nachwuchsmannschaft blieb offensiv weitgehend harmlos und offenbarte erneut jene Schwachstellen, die zu den ligaweit meisten Gegentreffern führen. Zwar versuchten die Berliner, sich in den letzten Minuten noch einmal aufzubäumen, doch weder Tempo noch Präzision reichten aus, um Altglienicke ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.

Unterm Strich steht ein souveräner Heimerfolg der VSG, die sich dank der drei Punkte im oberen Tabellendrittel festsetzt und nach zwei sieglosen Spielen wieder Stabilität gewonnen hat. Hertha II dagegen verpasst es, die jüngste Mini-Serie auszubauen, und bleibt im Tabellenmittelfeld stecken – mit dem erneuten Hinweis, dass defensive Kompaktheit die zentrale Baustelle bleibt.

Zuschauer: 301
Spielstätte: Spree-Arena, Fürstenwalde/Spree
Schiedsrichter: Rasmus Jessen – Daniel Läser, Jonas Marx
Tore: 1:0 (6.) Nietfeld, 2:0 (60.) Nietfeld, 3:0 (67.) P.-V. Manske
Mannschaftsaufstellungen:
VSG Altglienicke Berlin: Klatte – P.-V. Manske (67. Tor, 76. Kizildemir), J. Manske (59. Schickersinsky), Nietfeld (6., 60. Tore, 76. Qenaj), Roßbach (87. Kebe), Kapp, Tezel, Saliger (87. Gültekin), Türpitz (C, 85. Gelb), Rieder, Friedrich
Hertha BSC II: Mohwinkel – Berner, Bruns, Richter, Ben-Hatira (C, 81. Gouram), Strasner, Mamuzah (63. Trus), Dudziak (81. Rölke), Ajvazi (63. Ogbaidze), Hoffmann, Telib

 

Sachsen-Derby: Vier Treffer, viel Tempo, klare Verhältnisse

FSV Zwickau – Chemnitzer FC 4:0 (2:0)

Der FSV Zwickau hat das Sachsen-Derby gegen den Chemnitzer FC eindrucksvoll und hochverdient mit 4:0 für sich entschieden – ein Ergebnis, das die Kräfteverhältnisse an diesem eiskalten Nachmittag präzise widerspiegelt. Während der CFC nach der frühen Großchance durch Bozic in Schockstarre verfiel, diktierte Zwickau über weite Strecken das Geschehen, gewann nahezu jeden relevanten Zweikampf und nutzte seine Offensivaktionen mit bemerkenswerter Konsequenz. Ziemer, Dobruna, Somnitz per Elfmeter und Eixler krönten einen Nachmittag, der für die Gastgeber zum überzeugenden Statement geriet – und für Chemnitz zum bitteren Rückfall in alte Muster.

Das Spiel begann spektakulär, mit einem Aufreger, der die Partie hätte kippen können: Schon in der 4. Minute musste Bozic aus zwei Metern nur noch einschieben, setzte den Ball aber neben das leere Tor – sinnbildlich für den weiteren Verlauf aus Chemnitzer Sicht. Der FSV reagierte auf diesen Schockmoment mit wachsender Entschlossenheit. Startsev und Haubner trieben das Spiel an, Dobruna agierte auffällig zwischen den Linien, und vorne suchte Sezer konsequent die Tiefe.

Nach einem kurz ausgeführten Freistoß fand Zwickau die frühe Belohnung: Dobruna setzte aus 16 Metern zum Abschluss an, traf den Ball jedoch schlecht, doch Ziemer stand mit dem Rücken zum Tor goldrichtig. Mit einer technisch herausragenden Drehbewegung schob er den Ball im „Gerd-Müller-Stil“ zum 1:0 ein (9.). Der Treffer gab dem FSV zusätzlichen Schub. Hohe Ballgewinne, direkter Vertikalzug und ein deutlich strukturierteres Pressing prägten das Bild. Eixler verpasste wenig später am langen Pfosten nur knapp das 2:0 (18.).

Chemnitz schüttelte sich, fand nach 20 Minuten kurzzeitig in die Partie. Alberico setzte Bozic flach in Szene, der jedoch nicht eingriffsbereit war, und Grimaldi verzog aus der Drehung deutlich. Ein Freistoß aus 20 Metern brachte ebenfalls keine Gefahr, im Gegenteil: Die CFC-Offensive kam nach dem Aufbäumen schnell wieder zum Erliegen. Zwickau nutzte die Phase, um das Heft endgültig zu übernehmen. Just vor der Pause fiel folgerichtig das 2:0: Im Strafraum herrschte Chaos, Chemnitz bekam den Ball mehrfach nicht geklärt, Breitenbücher behielt den Überblick und legte quer auf Dobruna, der mit feinem Schlenzer ins lange Eck vollstreckte (42.).

Mit Beginn von Hälfte zwei versuchte der CFC, durch Tempo wieder Anschluss zu finden. Doch Zwickau hielt robust dagegen, verschob klug und ließ kaum Raumgewinn zu. Eine Hereingabe von Grimaldi blieb ohne Abnehmer (62.), ansonsten zeigte die FSV-Abwehr um Somnitz und von Baer eine fast fehlerfreie Vorstellung. Auf der anderen Seite blieb Zwickau griffig und zielgerichtet: Eixler setzte nach einem flach gezogenen Dobruna-Freistoß einen gefährlichen Abschluss knapp über die Latte (54.).

In der 71. Minute fiel die Vorentscheidung: Bochmann brachte Sezer im Strafraum zu Fall, der Pfiff kam sofort – und Somnitz verwandelte den fälligen Strafstoß eiskalt in die falsche Ecke (72.). Von da an war es ein kontrolliertes Abschalten der Zwickauer Maschine, ohne die Intensität vollständig zu verlieren. Auch beim Stand von 3:0 blieb die Mannschaft wachsam, rückte konsequent heraus und ließ Chemnitz keinerlei Fenster mehr zum Anschluss.

Der späte Schlusspunkt unterstrich dann endgültig die Kräfteverhältnisse. Putze eroberte den Ball aggressiv im Mittelfeld, steckte sofort in die Tiefe durch, und Eixler blieb im Eins-gegen-eins eiskalt – sein fünftes Saisontor zum 4:0 (89.) war der passende Abschluss eines Nachmittags, der für den FSV zum Festspiel wurde.

Der Chemnitzer FC hingegen muss sich nach dieser Vorstellung grundsätzliche Fragen stellen: defensiv anfällig, im Aufbau fahrig und offensiv zu harmlos, um ein Derby dieser Intensität zu bestehen. Zwickau dagegen feiert einen hochverdienten Sieg, der nicht nur klar ausfiel, sondern auch in seiner Souveränität beeindruckte.

Zuschauer: 8429
Spielstätte: GGZ-Arena, Zwickau
Schiedsrichter: Patrick Kluge – Oliver Lossius, Eugen Ostrin
Tore: 1:0 (8.) Ziemer, 2:0 (42.) Dobruna, 3:0 (72., Strafstoß) Somnitz, 4:0 (89.) Eixler
Mannschaftsaufstellungen:
FSV Zwickau: Hiemann – von Baer, Senkbeil, Dobruna (74. Martens, 42. Tor), Somnitz (72. Strafstoßtor), Breitenbücher (74. Möbius), Startsev (C), Eixler (89. Tor), Sezer (82. Zimmermann, 69. Gelb), Ziemer (8. Tor, 46. Fobassam Nawe, 44. Gelb), Haubner (82. Putze)
Chemnitzer FC: Adamczyk – Bochmann (28. Gelb), Stockinger (61. Damer), Mergel (61. Pistol), Alberico (61. Marx), Rücker (52. Gelb), Grimaldi, Eppendorfer, Ekui (78. Walther, 32. Gelb), Baumgart, Bozic (C, 78. Biven)

 

RWE lässt beim Tabellenletzten Punkte liegen

Bekam mehr zu tun, als ihm lieb gewesen war: RWE-Torwart Otto. Foto: Kerstin Kellner

Hertha Zehlendorf – FC Rot-Weiß Erfurt 1:1 (0:0)

Rot-Weiß Erfurt hat beim Tabellenletzten Hertha Zehlendorf einen Rückschlag im Aufstiegsrennen nur mit Mühe abwenden können – und trotzdem zwei wertvolle Punkte liegen gelassen. Die Thüringer waren über weite Strecken die reifere, dominantere Mannschaft, ließen aber reihenweise gute Ansätze liegen, gerieten nach einem sehenswerten Distanzschuss von Iba May spät in Rückstand und retteten erst in der Schlussphase dank Obed Ugondu wenigstens das 1:1. In einer turbulenten Schlussphase streifte RWE sogar noch am Auswärtssieg vorbei, nachdem Uzun die Latte traf.

Erfurt legte den erwarteten forscheren Start hin. Hajrulla tauchte schon früh zweimal gefährlich im Strafraum auf, verpasste im Gewühl zunächst knapp die Führung und scheiterte kurz darauf aus kurzer Distanz an Keeper Dedidis. RWE setzte die gewohnte Struktur um: viele Positionswechsel in der Offensive, Fehler als spielstarker Verbindungsspieler, dazu frühes Anlaufen nach Ballverlust. Doch Zehlendorf versteckte sich nicht, suchte seinerseits immer wieder Umschaltmomente und Nadelstiche.

Jones prüfte Otto mit einem ersten Distanzschuss, Hasenberg kam ebenfalls aus der zweiten Reihe zum Abschluss, und nach einem hohen Ball in die Spitze traf Jones zwar – stand aber im Abseits, der Treffer zählte zu Recht nicht. Spätestens als Schulz Moritz auf dem Flügel „vernaschte“ und Otto an der kurzen Ecke zu einer ersten Glanztat zwang, war klar: Der Tabellenletzte würde sich nicht in sein Schicksal ergeben.

Dennoch lagen die Spielanteile klar auf Seiten der Gäste. Fehler zwang Dedidis mit einem technisch sauberen Dropkick von der Strafraumkante zu einer Parade, Hajrulla und Moritz hatten weitere Abschlüsse, ohne den letzten Punch zu setzen. Erfurt stellte Zehlendorf phasenweise tief an den eigenen Strafraum, fand aber gegen den engmaschigen Block zu selten Lösungen im letzten Drittel. So ging es trotz optischer Überlegenheit torlos in die Kabinen – mit der unausgesprochenen Warnung, dass ein einzelner Fehler alles kippen konnte.

Nach der Pause kam Zehlendorf mit frischem Mut zurück. Gleich zu Beginn drängten die Berliner in den Strafraum, brachten den Ball im Getümmel aber nicht auf das Tor. RWE antwortete mit einer scharfen Hereingabe von links, Hajrulla setzte den Kopfball jedoch über den Kasten. Die Partie blieb intensiv, aber lange ohne zwingende Abschlüsse. Zehlendorf suchte nun etwas aktiver den Weg nach vorn, Wicht probierte es aus der Distanz, deutlich drüber.

Die Schlüsselszene aus Erfurter Sicht schien in der 64. Minute gekommen: Nach einem schnellen Umschaltmoment lief Hajrulla frei auf Dedidis zu, setzte den Abschluss aus kurzer Distanz aber zu zentral, sodass der Hertha-Keeper glänzend parieren konnte – die „Riesenchance“, das Spiel in die erwarteten Bahnen zu lenken. Stattdessen blieb Erfurt im letzten Drittel fahrig: Caciel ließ einen vielversprechenden Angriff über rechts ungenutzt, statt konsequent den Abschluss oder den klaren Pass zu suchen.

Fast schon folgerichtig wurde der Favorit dafür bestraft. Nach einem Konter über die rechte Seite nutzte Zehlendorf die Unordnung der Gäste: RWE klärte eine Szene nicht konsequent, im Gegenzug trieb Iba May den Ball ein paar Meter durchs Zentrum und zog aus rund 20 Metern ab – flach, platziert, unhaltbar ins Eck (69.). Das 1:0 spiegelte keine Dominanz, aber die Effektivität des Tabellenletzten in den wenigen Momenten wider, in denen sich Räume boten.

Erfurt brauchte merklich Zeit, sich von diesem Rückstand zu erholen. Gerber reagierte mit frischen Offensivkräften: Wolf sollte im Zentrum das Tempo anziehen, Assibey-Mensah und Kleiner brachten neue Tiefe auf den Flügeln. Doch zunächst blieb Zehlendorf gefährlicher: Jones scheiterte an Otto, im Nachsetzen warf sich Ikene in den Schuss von Hasenberg und blockte in höchster Not (74.). Kurz darauf hatte Hebisch per Kopf und später erneut Jones nach einem Vorstoß über die linke Seite die Chance zur Vorentscheidung.

Erst in den letzten zehn Minuten drängte RWE die Gastgeber wieder dauerhaft tief in die eigene Hälfte. Assibey-Mensah setzte auf links eine scharfe Hereingabe, die fast zum Torschuss wurde, doch der Ball strich am Pfosten vorbei. Dann die dramatische Schlussphase: Nach einem Distanzschuss von Fehler klatschte der Ball an den Pfosten, Ugondu schaltete am schnellsten und staubte zum 1:1 ab (89.).

Jetzt wankte Zehlendorf und Erfurt roch plötzlich den kompletten Turnaround. Uzun setzte nach einem Standard den Kopfball an die Latte, Assibey-Mensah traf aus spitzem Winkel nur das Außennetz. Auf der anderen Seite blieb der Tabellenletzte über Abe im Konter gefährlich, der in der Nachspielzeit eine späte Chance im Strafraum nicht nutzen konnte. Nach 90 Minuten plus Nachschlag stand ein Remis, das sich für Zehlendorf wie ein gewonnener Punkt anfühlen durfte – und für Erfurt eher wie eine verpasste Gelegenheit, den Anschluss nach oben zu halten.

Zuschauer: 615
Spielstätte: Stadion Lichterfelde, Berlin
Schiedsrichter: Florian Strübing – Sirko Müke, Christoph Dallmann
Tore: 1:0 (70.) May, 1:1 (89.) Ugondu
Mannschaftsaufstellungen:
FC Hertha 03 Zehlendorf: Dedidis – Smailovic (57. Gelb), Wilton (C), Wicht, Burda, May (70. Tor), Hasenberg (79. Wachs), Hebisch, Schulz (89. Reimann), Jones (87. Abe), Quiala
FC Rot-Weiß Erfurt: Otto – Moritz, Schwarz (C, 63. Wolf), Ikene, Fuakala (77. Awoudja), Caciel, Hajrulla (72. Kleiner), Fehler, Ugondu (89. Tor), Boboy (77. Uzun), Durakov (72. Assibey-Mensah)

Der Zehlendorfer Angreifer Iba May beim Torschuss. Foto: Kerstin Kellner

Lang trifft, doch Leipertz und Co. drehen das Spiel

SV Babelsberg 03 – 1. FC Magdeburg II 1:3 (1:0)

Der SV Babelsberg 03 steckt nach einem dramatischen Finale noch tiefer in der Ergebniskrise. Gegen eine lange Zeit ordentliche, aber vor dem Tor zu harmlose U23 des 1. FC Magdeburg schien der erste Heimsieg seit Monaten zum Greifen nah, ehe die Gäste in Unterzahl eine bemerkenswerte Reaktion zeigten und die Partie mit drei Treffern nach der 70. Minute komplett drehten. Aus dem 1:0 zur Pause wurde ein 1:3 – und im Karl-Liebknecht-Stadion machte sich Fassungslosigkeit breit.

Die Partie begann bei frostigen Bedingungen mit hohem Tempo und mutigem Ansatz beider Seiten. Magdeburg II fand zunächst besser hinein: Millgramm steckte früh in den Strafraum auf Leipertz durch, dessen Abschluss aus spitzem Winkel allerdings im Außennetz landete. Kurz darauf meldete sich Babelsberg über Didoss erstmals an, doch sein Schuss war eine sichere Beute für Kampa. Trotz des angezogenen Tempos blieb vieles Stückwerk, die Angriffe verpufften zumeist an den Strafraumgrenzen.

Nach gut einer Viertelstunde wurden die Gastgeber griffiger in den Zweikämpfen, rückten mit der Kette höher und zwangen den FCM häufiger zu langen Bällen. Covic prüfte Kampa aus 18 Metern, wenig später sorgte eine Ecke für Gefahr im Fünfmeterraum, ehe die Blau-Weißen klären konnten. Dass Schiedsrichter Philipp Jacob seine strenge Linie aus dem Vorfeld bestätigte, tat der Intensität keinen Abbruch: Früh hagelte es Verwarnungen auf beiden Seiten, Schätzle, Müller und später Zeiger bei Babelsberg sowie Chahed und Kamm beim FCM gingen vorbelastet in die weiteren Duelle.

Die Führung für Nulldrei fiel in einer Phase, in der die Hausherren das Geschehen zunehmend kontrollierten. Büch setzte sich über links durch und schlug eine scharfe Flanke an den Fünfmeterraum, wo Lang sich im Luftduell durchsetzte und den Ball zum 1:0 über die Linie drückte (39.). Kampa war zu spät unten, das Tor war die logische Folge einer Babelsberger Druckphase, in der Magdeburg offensiv kaum noch stattfand. Ein Freistoß von Silic aus guter Position kurz vor der Pause segelte zwar über das Tor, doch zur Halbzeit war die Führung verdient.

Nach dem Wechsel drückte Babelsberg sofort auf das 2:0. Covic köpfte nach einer Ecke freistehend nur Zentimeter am Pfosten vorbei (48.), wenig später tauchte Müller alleine vor Kampa auf, scheiterte aber am stark reagierenden Keeper (52.). Magdeburg II wirkte in dieser Phase wacklig, brachte offensiv lediglich einen harmlosen Distanzschuss von Leipertz zustande. Als Lang Millgramm an der Strafraumkante legte und Gelb sah, schien sich der Trend zu bestätigen: Babelsberg war näher am zweiten Treffer als der FCM am Ausgleich.

Dann kippte die Statik – zunächst scheinbar gegen die Gäste. Kamm, bereits verwarnt, zupfte an Didoss; Jacob sah darin Gelb-Rot (68.) und sorgte mit seiner sehr kleinlichen Linie für reichlich Unmut auf Magdeburger Seite. Doch der Platzverweis wirkte wie ein Weckruf. Nur zwei Minuten später fiel der Ausgleich: Nach einem Freistoß und anschließender Unordnung im Strafraum landete der Ball bei Leipertz, dessen Abschluss leicht abgefälscht unhaltbar für Stein im rechten unteren Eck einschlug (70.).

In der Schlussphase entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, in dem die Unterzahl der Gäste kaum noch sichtbar war. Beide Trainer brachten frische Kräfte; Protagonisten und Statik des Spiels verschoben sich. Zunächst ließ Babelsberg die große Chance zur erneuten Führung liegen: Lang köpfte nach Schätzle-Standard knapp vorbei (83.), Zeiger setzte wenig später aus fünf Metern einen weiteren Kopfball am Tor vorbei (86.). Auf der Gegenseite vergab Bytyqi alleine vor Stein noch kläglich (81.), ehe er kurz vor Schluss zum Hauptdarsteller wurde.

In der 89. Minute war es ein langer Schlag aus der eigenen Hälfte, den Bytyqi antizipierte. Der Einwechselspieler setzte sich im Laufduell durch und lupfte den Ball abgeklärt über den herausstürzenden Stein – 1:2, das Karl-Liebknecht-Stadion verstummte. Babelsberg war geschockt, riskierte alles und lief in der Nachspielzeit in den entscheidenden Konter: Leipertz wurde im Zentrum freigespielt, behielt den Kopf oben und legte uneigennützig quer, Korsch spritzte in den Pass und traf aus vollem Lauf zum 1:3 (90.+6).

So steht am Ende ein Auswärtssieg, der in seiner Entstehung spektakulär, in seiner Konsequenz aber wenig zufällig war: Magdeburg II zeigte nach Rückstand und Unterzahl bemerkenswerte Moral und Effizienz, während Babelsberg trotz ansprechender Phasen und zahlreicher Standards in den entscheidenden Momenten die Klarheit fehlte. Für den SVB setzt sich die sieglose Serie fort, der FCM-Nachwuchs klettert dagegen vorerst ins gesicherte Mittelfeld.

Zuschauer: 2228
Spielstätte: Karl-Liebknecht-Stadion, Potsdam
Schiedsrichter: Philipp Jacob – Luis Riedel, Nicholas Köhler
Tore: 1:0 (39.) Lang, 1:1 (71.) Leipertz, 1:2 (89.) Bytyqi, 1:3 (90.+6) Korsch
Mannschaftsaufstellungen:
SV Babelsberg 03: Stein – Silic, Lang (39. Tor, 62. Gelb), Schätzle (20. Gelb), Müller (28. Gelb, 76. Georgiadi), Covic, Schmidt (76. Werbelow), Perovic (76. Kastenhofer), Didoss, Zeiger (C, 53. Gelb), Büch
1. FC Magdeburg II: Kampa – Birk, Kamm (C, 27. Gelb/68. Gelb-Rot), Frenzel (60. Bytyqi, 89. Tor), El-Zein (75. Vogler), Millgramm (90.+1 Giesen), Trkulja, Zajusch (85. Gelb), Leipertz (71. Tor), Chahed (75. Korsch, 90.+6 Tor, 24. Gelb), Baars (75. Pohl)

 

Lok knackt Greifswald nach der Pause

1. FC Lok Leipzig – Greifswalder FC 3:0 (0:0)

Im gefrorenen Bruno-Plache-Stadion hat der 1. FC Lok Leipzig seine Heimserie eindrucksvoll fortgesetzt und auch das achte Spiel vor eigenem Publikum gewonnen. Das 3:0 gegen den Greifswalder FC war das Ergebnis einer zunehmend reifen Vorstellung, die sich nach einer zähen ersten Halbzeit zu einem klaren Statement eines Spitzenreiters entwickelte. Lange hielt der GFC die Räume eng, verteidigte diszipliniert und setzte mit mutigem Pressing Nadelstiche. Erst ein wuchtiger Kopfball von Maderer öffnete nach 58 Minuten jene Partie, die zuvor voller Geduldfragen steckte.

Leipzig begann mit viel Zug, suchte früh den Weg in die Tiefe und erspielte sich über die rechte Seite erste Annäherungen. Kang und Siebeck setzten Akzente, doch Jakubov erwies sich als sicherer Rückhalt. Nach rund 20 Minuten kippte die Statik: Greifswald presste höher, gewann mehr zweite Bälle und prüfte Lok-Keeper Naumann mehrfach durch Hüther und Vogt aus der Distanz. Beide Teams neutralisierten sich über weite Strecken – technisch ordentlich, jedoch chancenarm, weil die Defensivreihen kaum Fehler zuließen. Erst in den letzten Minuten vor der Pause zog Lok das Tempo wieder an: Arcalean verpasste aus kurzer Distanz (43.), Siebeck köpfte einen offenen Ball über den Kasten.

Nach dem Seitenwechsel legten die Gastgeber merklich zu, erhöhten die Ballzirkulation und banden Greifswald zunehmend tiefer. Mit dem Standard zum 1:0 setzte sich Lok schließlich durch jene Tür, die sie zuvor so geduldig bearbeitet hatten: Grözinger flankte mit Schnitt, Maderer rauschte aus sieben Metern ein – ein Schulbuchkopfball, der das zuvor verkantete Spiel spürbar löste. Greifswald musste öffnen, doch das bot Leipzig jene Räume, die der Mannschaft von Jochen Seitz bislang gefehlt hatten.

In der 72. Minute folgte der wohl entscheidende Moment: Wieder leitete Maderer den Angriff ein, brach halbrechts durch und legte quer auf den gerade eingewechselten Adetula, der aus neun Metern kompromisslos zum 2:0 vollendete. Die Leipziger wirkten nun wie ein Spitzenreiter, der weiß, dass er das Spiel kontrolliert. Der GFC kam nur noch sporadisch vor das Tor, Benyamins Versuch in der 67. Minute blieb die letzte echte Warnung.

Den Schlusspunkt setzte Lukas Wilton – und das mit einem Treffer, der sofort ins persönliche und kollektive Gedächtnis wanderte. Greifswald klärte eine Flanke nur unzureichend, der Ball sprang Wilton vor die Füße, und der Innenverteidiger traf per sauberem Volley aus 15 Metern in den rechten Winkel (79.). Es war sein erstes Tor im Lok-Trikot – und eines, das den Spielverlauf perfekt zusammenfasste: Geduld, Präsenz, Entschlossenheit.

Greifswald versuchte bis zum Schluss, hielt dagegen, doch es blieb bei Einzelaktionen. Günays Fernschuss (90.) strich vorbei – bezeichnend für einen Gast, der viel investierte, aber in den entscheidenden Zonen zu wenig Durchschlagskraft entwickelte. Leipzig hingegen zeigte in der Kälte eine abgeklärte Leistung, verwaltete das Ergebnis ohne Hektik und verteidigte erneut zu null.

Am Ende stand ein verdienter Sieg, der Lok Leipzig an der Tabellenspitze weiter festigt – nicht spektakulär über 90 Minuten, aber in seiner Konsequenz und Stabilität beeindruckend.

Zuschauer: 4365
Spielstätte: Bruno-Plache-Stadion Hauptfeld, Leipzig
Schiedsrichter: Eugen Ostrin – Chris Rauschenberg, Oliver Lossius
Tore: 1:0 (58.) Maderer, 2:0 (71.) Adetula, 3:0 (79.) Wilton
Mannschaftsaufstellungen:
1. FC Lokomotive Leipzig: Naumann – Stein, Wilton (79. Tor), Abderrahmane (C), Maderer (58. Tor), Siebeck (80. Maier), Arcalean (80. Verkamp), Grözinger (82. Rühlemann), Kang (70. Adetula, 71. Tor), Öztürk (70. Čevis), Dombrowa
Greifswalder FC: Jakubov (79. Gelb) – Kaizer, Farr (79. Gelb), Hüther (80. Günay), Lämmel (72. Ndualu), Eder (86. Bokake), Vogt (29. Gelb), Wagner, Harz (72. Montcheu), Benyamina (C), Atilgan (86. Eglseder)

 

Chemie stiehlt den Dreier im Kellerduell

FC Eilenburg – BSG Chemie Leipzig 0:1 (0:0)

Im kalten Ilburg-Stadion erlebte der FC Eilenburg einen dieser Abende, die im Abstiegskampf besonders schmerzen: über weite Strecken das aktivere, zielstrebigere Team, mehrere Hochkaräter in Hälfte eins – und am Ende steht nach einem Foulelfmeter in der Nachspielzeit ein 0:1, das Chemie Leipzig im Tabellenkeller Luft verschafft und die Muldestädter noch tiefer hineinzieht. Kapitän Mäder übernahm in der 90.+1 Minute die Verantwortung vom Punkt und entschied ein auf lange Strecke typisches 0:0-Spiel in allerletzter Sekunde.

Von Beginn an war zu spüren, um was es in diesem Duell 17. gegen 16. ging: viel Kampf, wenig Risiko, hohes Maß an Absicherung. Chemie kam zwar engagiert aus der Kabine, presste früh und setzte durch Mäder nach einem Eilenburger Fehlpass das erste Ausrufezeichen, doch der Kapitän legte sich den Ball frei vor Pieles zu weit vor – die große Chance verpuffte (12.). Mit zunehmender Spieldauer übernahm Eilenburg das Kommando, gewann mehr Zweikämpfe und schob die Gäste tiefer in deren Hälfte.

Nach einem Freistoß aus dem Halbfeld hatte Kosak die erste Eilenburger Großchance, wurde im Fünfmeterraum aber im letzten Moment geblockt (10.). Kurz darauf lief Kallenbach halblinks allein auf Horenburg zu, wollte querlegen statt selbst abzuschließen – der Chemie-Keeper rettete per Fußabwehr (26.). Die größte Möglichkeit vor der Pause gehörte dann erneut Kosak, dessen Kopfball nach Ecke von Mauer Nadjombe auf der Linie klärte (34.). Und als Mattmüller in der Nachspielzeit der ersten Hälfte aus fünf Metern zentral auf Horenburg köpfte, war die Führung der Hausherren längst überfällig, blieb aber aus.

Chemie, durch die Sperren von Aliji und Ratifo ohnehin personell durchgeschüttelt, fand offensiv kaum klare Abläufe, verteidigte aber im Verbund konsequent und hielt sich mit viel Einsatz im Spiel. Die wenigen Entlastungsangriffe blieben Stückwerk; Mäder vertändelte eine aussichtsreiche Freistoßsituation am gegnerischen Strafraum, Seidel scheiterte aus spitzem Winkel an Pieles (36.). Das 0:0 zur Pause war für die Gäste schmeichelhaft, für Eilenburg dagegen ein erster Stimmungsdämpfer.

Nach Wiederbeginn verlor die Partie weiter an spielerischer Qualität. Viele Unterbrechungen, lange Bälle, kaum zusammenhängende Kombinationen – der Abstiegskampf fraß sich sichtbar in die Köpfe. Schlicht versuchte es mit einem Distanzschuss (62.), Mauer mit einer Bananenflanke in den Strafraum, die aber keinen Abnehmer fand. Auf der anderen Seite meldete sich Chemie nach knapp einer Stunde erstmals ernsthaft an: Lihsek setzte Hoffmann ein, doch Pieles riss im kurzen Eck rechtzeitig die Arme hoch und entschärfte den Abschluss aus spitzem Winkel (64.). Es war das Signal, dass Leipzig-Leutzsch das Spiel noch nicht abgeschrieben hatte.

In der Schlussphase zog Eilenburg das Tempo wieder an. Eine Ecke rutschte zu Kosak durch, doch mehrere Chemiker warfen sich in den Abschluss und blockten kollektiv (81.). Niemitz versuchte es flach von der Strafraumgrenze, wurde aber erneut geblockt. Aus dem Spiel heraus blieb der FCE über 90 Minuten die Mannschaft mit den klareren Chancen, ohne sich dafür zu belohnen – ein Muster, das Trainer Rodewald später mit »Wir brechen uns selbst« treffend beschrieb.

Als vieles bereits auf das leistungsgerechte 0:0 hindeutete, folgte die Szene, die dieses Kellerduell auf den Kopf stellte. Nach einer Hereingabe in den Strafraum ging der eingewechselte Bunge im Duell mit Niemitz zu Boden. Schiedsrichter Jens Klemm, bis dahin mit einer großzügigen, aber konsequenten Linie, brauchte eine gefühlte Ewigkeit, um sich zu entscheiden – und zeigte schließlich auf den Punkt. Niemitz gab den Fehler später unumwunden zu, nannte die Aktion »schlecht verteidigt«.

Mäder ließ sich die Chance nicht entgehen, verzögerte kurz und schob den Ball abgeklärt ins Eck – 0:1 in der 90.+1 Minute, der Gäste-Block explodierte. Alipour nahm seinen Kapitän sofort danach vom Feld, um Zeit von der Uhr zu nehmen, und Chemie brachte den knappen Vorsprung mit viel Willen und noch mehr Befreiungsschlägen über die letzten Sekunden. Eilenburg brachte nur noch einen harmlosen Standard zustande, dann war Schluss.

Chemie Leipzig nimmt damit drei enorm wertvolle Punkte mit nach Leutzsch, die angesichts des Spielverlaufs glücklich, aber im Abstiegskampf unbezahlbar sind. Eilenburg hingegen bleibt auch im November ohne Sieg, verpasste es einmal mehr, aus einer stabilen Heimleistung Kapital zu schlagen – und steht nach diesem späten Tiefschlag tiefer denn je im Tal der Tränen.

Zuschauer: 1542
Spielstätte: Ilburgstadion – Platz 1, Eilenburg
Schiedsrichter: Jens Klemm – Lucas Leihkauf, Jennifer Steingräber
Tore: 0:1 (90.+1, Strafstoß) Mäder
Mannschaftsaufstellungen:
FC Eilenburg: Pieles – Jarosch, Kosak (84. Pestel), Kretzer, Kallenbach (64. Schädlich), Mattmüller (84. Ampadu Wiafe), Niemitz, Aguilar (64. Poser, 49. Gelb), Weiß (C), Schlicht, Mauer
BSG Chemie Leipzig: Horenburg – Hollenbach (33. Gelb), Enke, Mäder (C, 90.+1 Strafstoßtor, 90.+3 Timpelan), Seidel, Griebsch (84. Kießling), Hoffmann (84. Bunge), Sanin, Lihsek, Lisinski (13. Nadjombe), Weigel

 

Jena entreißt Halle den Fast-Befreiungsschlag

FC Carl Zeiss Jena – Hallescher FC 1:1 (0:1)

Vor 10.561 Zuschauern an den Kernbergen hat der FC Carl Zeiss Jena in letzter Sekunde einen Punkt gegen den Halleschen FC gerettet. In einem von Phasen geprägten Flutlicht-Duell, in dem die Gäste lange wie der reifere und zielstrebigere Auftritt eines schwächelnden Staffelfavoriten wirkten, glich Fritz in der vierten Minute der Nachspielzeit per Grätsche nach Prokopenko-Flanke zum 1:1 aus. Zuvor hatte ein Traumtor von Fakhro die Gastgeber über weite Strecken auf die Verliererstraße gebracht.

Die Partie begann bei eisigen Temperaturen abwartend. Jena hatte früh Standards, doch die ersten Ecken von Lankford und Hoppe fanden keinen Abnehmer, im Stadion war es – passend zum Spiel – zunächst auffallend still. Erst als nach rund zwölf Minuten der HFC-Anhang geschlossen eintraf, zog die Atmosphäre an. Auf dem Rasen verschob sich das Kräfteverhältnis allmählich zugunsten der Gäste: Elezi zwang Liesegang mit einem abgefälschten Schuss zur Ecke, im Anschluss setzte Schmedemann den Ball aus guter Position über den Kasten.

Halle gewann jetzt die Mehrzahl der zweiten Bälle, setzte sich über die Flügel in der FCC-Hälfte fest und schnürte Jena phasenweise hinten ein. Die Thüringer taten sich dagegen »unfassbar schwer«, wie es der Eindruck vor Ort nahelegte, überhaupt in gefährliche Zonen vor Sven Müller zu kommen. Folgerichtig fiel die Führung für den HFC nicht aus heiterem Himmel, sondern war die logische Konsequenz der zunehmenden Dominanz: Damelang bereitete über links stark vor, Fakhro legte sich den Ball selbst vor und traf aus der Drehung sehenswert ins linke Eck (35.).

Die Führung wirkte wie ein weiterer Energieschub für die Gäste. Fakhro hatte kurz vor der Pause sogar das 0:2 auf dem Fuß, als er sich erneut gut durchsetzte und nur knapp am langen Eck vorbeizielte (43.). Jena kam offensiv lediglich durch einen Abschluss von Lankford in Erscheinung, der über das Tor ging, sowie einen Kopfball von Reddemann nach Ecke, der ebenfalls sein Ziel verfehlte. Zur Halbzeit war das 0:1 aus Sicht der Gastgeber verdient, die Hallenser liefen zurecht jubelnd in die Arme ihres Trainers – die Chemie im HFC-Kollektiv stimmte.

Nach Wiederanpfiff zeigte sich der HFC zunächst weiter gefährlich. Polat traf zwar zum vermeintlichen 0:2, stand beim Zuspiel jedoch im Abseits (48.). Ein Freistoß von Elezi blieb harmlos, doch Jena fand weiterhin keinen Rhythmus. Erst die Dreifachwechslung in der 58. Minute brachte ein spürbares »Mehrzug« ins Spiel der Gastgeber: Burmeister, Weihrauch und Prokopenko belebten das Offensivspiel, die Thüringer schoben die Partie nun zunehmend in die HFC-Hälfte.

Nach mehreren FCC-Ecken und einer kurzen Schrecksekunde, als Müller mit Eshele zusammenprallte, verzeichnete Fritz die bis dahin beste Chance der Hausherren. Der Mittelfeldmann setzte den Ball aus dem Strafraum nur knapp am langen Pfosten vorbei (64.). Kurz darauf störte Halle in Person der Innenverteidigung Prokopenko in letzter Sekunde, bevor dieser frei abschließen konnte (66.).

Doch auch der HFC blieb gefährlich: Nach einer Ecke kam erneut Elezi zum Abschluss, Liesegang reagierte stark und verhinderte das mögliche 0:2 (67.). Die Partie war jetzt offen, intensiv und deutlich chancenreicher. Den Ausgleich hatte Jena in der 74. Minute eigentlich schon auf dem Fuß, als Talabidi dynamisch in den Strafraum eindrang und Weihrauch bediente – dessen Abschluss kratzte Schmedemann spektakulär von der Linie, Müller war bereits geschlagen.

Die Schlussphase geriet zum offenen Schlagabtausch mit leichten Vorteilen für Jena, ohne dass Halle in den Verwaltungsmodus verfiel. Stierlin setzte einen Kopfball nach Standard an die Latte (77.), ein potenziell vorentscheidender Moment aus HFC-Sicht. Die Gäste sorgten weiter für Entlastung, wechselten kurz vor Schluss frische Kräfte ein und schienen den knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen.

Doch der FCC blieb hartnäckig. In der 89. Minute lenkte Müller einen scharf getretenen Eckball von Prokopenko noch über die Latte, wenig später griff Jena ein letztes Mal an. Wieder war es Prokopenko, der von rechts mit Gefühl und Schnitt in den Strafraum flankte. Fritz startete eingelaufen in die Schnittstelle, grätschte in den Ball und bugsierte ihn zum umjubelten 1:1 ins Netz (90.+4). Kurz darauf war Schluss.

Unterm Strich steht ein Remis, das sich wie eine vergebene Chance für den Halleschen FC anfühlen muss – der Befreiungsschlag war greifbar nah. Jena hingegen wahrt durch den späten Ausgleich den Anschluss nach oben und zeigte zumindest in Halbzeit zwei die nötige Reaktion auf einen schwachen ersten Durchgang.

Zuschauer: 10 561
Spielstätte: Ernst-Abbe-Sportfeld, Jena
Schiedsrichter: Christoph Beblik – Julius Hanft, Pascal Wien; 4. Offizieller: Johannes Drößler
Tore: 0:1 (32.) Fakhro, 1:1 (90.+3) Fritz
Mannschaftsaufstellungen:
FC Carl Zeiss Jena: Liesegang – Reddemann, Hehne (C), Lankford (57. Weihrauch, 56. Gelb), Eshele, Talabidi (90.+3 Kratzenberg, 42. Gelb), Krämer (81. Oduah), Hoppe (57. Prokopenko), Fritz (90.+3 Tor, 47. Gelb), Schau (57. Burmeister), Hessel
Hallescher FC: Müller – Halili (27. Gelb), Löhmannsröben (C), Fakhro (32. Tor, 90. Ehrlich), Polat (81. Wosz), Stierlin (45. Gelb), Hauptmann, Schmedemann, Langhammer (90.+2 Gelb), Damelang (90. Kastull), Elezi (81. Kulke)

Texte: Holger Elias

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