NOFV wendet sich an die Politik

Mit dem folgenden Schreiben haben wir uns an die Sportminister/innen der Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit der Bitte um Unterstützung bei der Aufnahme des Trainings- und Wettkampfbetriebes gewandt:

 

Sehr geehrte Frau Ministerin,
sehr geehrter Herr Minister,

wir, der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) - einer von fünf Regionalverbänden im Deutschen Fußball-Bund - wenden uns heute mit der Bitte um Unterstützung an Sie. Diese Bitte ergeht gleichlautend an alle zuständigen Minister der sechs Bundesländer, in denen die Vereine der Spielklassen des NOFV beheimatet sind.

Dank Ihrer Hilfe konnten die überregionalen Spielklassen unseres Verbandes in den sechs Bundesländern, auf der Grundlage und unter strikter Einhaltung abgestimmter Hygienekonzepte, im August 2020 mit dem Punktspielbetrieb des Spieljahres 2020/21 beginnen.

Die Gewährleistung der Gesundheit von Spielern, Zuschauern und allen beteiligten Personen steht auch für uns an erster Stelle, aber wir haben auch eine Verantwortung gegenüber unseren Vereinen, die von den einschneidenden Maßnahmen betroffen sind.

In den Spielklassen des NOFV wird um den Aufstieg in die Bundesligen bzw. die 3. Liga gespielt. Das Hauptaugenmerk dieses Schreibens liegt auf der Regionalliga Nordost, eine Spielklasse mit zumindest semiprofessionellen Strukturen. 88 % der Spieler der Regionalliga Nordost sind Lizenz- oder Ver­trags­spieler, die in dieser Spielklasse ihre Einkünfte erzielen, verbunden mit dem entsprechenden Zeitaufwand für Trainings- und Spielbetrieb. Der Fußball der Regionalliga wird auch vom DOSB als professioneller bzw. semiprofessioneller Sport betrachtet. Dies hat dazu geführt, dass in Nordrhein-Westfalen die vergleichbare Regionalliga West des Westdeutschen Fußball-Verbandes den Spielbetrieb ohne Unterbrechung fortsetzen konnte.

Regionalligafußball ist Leistungssport! In den Bundesländern Brandenburg und Sachsen sind das Mann­schafts­training und der Wettkampfbetrieb möglich, in Berlin das Mannschaftstraining. Im Rahmen der Rechtsetzungsverfahren in den anderen Bundesländern ist dies offenbar unbe­rücksichtigt geblieben. Aktuelle Verbote und Teilgenehmi­gungen bergen gesundheitliche Risiken für die Sportler in sich! Wir bitten dringend darum, diese Entscheidungen schnellstmög­lich zu korrigieren.  

Die Vereine der Regionalliga Nordost stellt die momentane Situation vor große wirtschaftliche Probleme. In dieser Spielklasse bilden die Mitgliedsbeiträge und Zuschauereinnahmen neben den Einnahmen von Sponsoren die Existenzgrundlage.

Es ist uns bewusst, dass wir in dieser schwierigen Zeit der Pandemie mit der momentanen Infektionsdynamik nur kleine Schritte gehen können, bitten Sie aber um Unterstützung in den nachfolgenden Punkten.

  1. Einheitliche Entscheidungen der fünf Bundesländer in der Terminkette im Interesse der Wettbewerbsgleichheit (MVP hat derzeit keine Regionalligamannschaft).
  2. Einstufung der Regionalliga Nordost als semiprofessionelle Spielklasse, somit wird die Zuordnung zum Berufssport gewährleistet.
  3. Schnellstmögliche Wiederaufnahme des Mannschaftstrainings.
  4. Aufnahme des Wettkampfbetriebes ab 20. November 2020, spätestens ab 25. November 2020.
  5. Ausschluss bzw. Reduzierung der Zuschauer zeitlich begrenzt, insbesondere unter Beachtung der wirtschaftlichen Zwänge. Ohne Zuschauer auf Dauer kommt der Spielbetrieb der Regio­nal­liga zum Erliegen.

Bitte berücksichtigen Sie bei Ihren Entscheidungen, dass die Vereine der Regionalliga Nordost schlüssige Hygienekonzepte vorgelegt haben, nach denen bereits der Trainings- und Spielbetrieb praktiziert wurde. Sie haben mit viel Engagement und ehrenamtlicher Unterstützung eindrucks­voll bewiesen, dass sie es können. Analysen haben ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit, sich auf dem Fußballplatz anzustecken, sehr gering ist. Umso mehr werden wir auch weiterhin unser Augenmerk auf die Umsetzung der Hygienestandards neben dem Spielfeld legen.

  1. Da unsere Vereine bisher keinen Zugang zu Ausgleichszahlungen aus Bundesmitteln für den Profisport hatten, bitten wir Sie um Prüfung und Unterstützung, ob analog dem Beispiel aus Nordrhein-Westfalen für die 20 Vereine der Regionalliga Nordost ein Hilfs- (Not-) programm für Einnahmeausfälle infolge der COVID-19-Pandemie aufgelegt werden kann, auch um etwaige Abmeldungen vom Spielbetrieb aufgrund wirtschaftlicher Zwänge zu verhindern.

Neben der Regionalliga Nordost unterhält der NOFV überregionale Spielklassen, die nicht dem Profisport oder der Semiprofessionalität zugeordnet werden können. Dies betrifft die Oberliga Staffeln Nord und Süd, die Frauen-Regionalliga, die Junioren-Regionalligen sowie die Futsal-Regionalliga, die i. d. R. mit Mannschaften aus den sechs Bundesländern Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen spielen.

Diese Spielklassen werden dem Amateursport zugeordnet, somit ruht der Trainings- und Spielbetrieb im November. Hier ist anzumerken, dass in der Oberliga 33,4 % Vertragsspieler zu verzeichnen sind. Auch in diesen Spielklassen haben sich die Hygienekonzepte bewährt.

In Mecklenburg-Vorpommern ist bereits der Trainingsbetrieb für Kinder und Jugendliche bis zu 18 Jahren und in Berlin bis zu 12 Jahren gestattet. Diese Entscheidungen unterstreichen die Auswirkungen des Fußballs auf die Erhaltung der physischen und psychischen Gesundheit.

Zur Vermeidung von Härtefällen aufgrund der COVID-19-Pandemie wurde es im zurückliegenden Spieljahr notwendig, auf Abstiege zu verzichten, somit ist eine erhöhte Anzahl an Vereinen in den Spielklassen zu verzeichnen, was mehr Spieltage bedeutet.

In Anbetracht dieser zeitlichen Zwänge, der Beteiligung von sechs Bundesländern und der Gege­benheit, dass in den Amateurspielklassen Wochentagsspiele aufgrund der beruflichen Tätigkeiten und Entfernungen nur begrenzt möglich sind, bitten wir Sie um Unterstützung in den nachfolgend aufgeführten Punkten.

  1. Aufnahme des Mannschaftstrainings der Amateurspielklassen des NOFV spätestens ab 23. November 2020.
  2. Austragung der Nachholspiele sowie Aufnahme des Freundschaftsspielbetriebes (ggf. bundeslandintern) ab 27./28. November 2020.
  3. Aufnahme des Wettkampfbetriebes spätestens ab 2. Dezember 2020.

 

Sehr geehrte Frau Ministerin, sehr geehrter Herr Minister,

wir können Ihnen versichern, dass die Einhaltung der Hygienekonzepte sowohl beim Trainings- als auch beim Wettkampfbetrieb oberste Priorität hat. Die Vereine haben alles dafür getan, die Gesundheit der Spieler, Zuschauer, Funktionäre und aller Beteiligten, die über allem steht, zu schützen und werden ihr Augenmerk weiterhin darauf richten.

Wir sind uns bewusst, dass der Fußball nur ein Teil der Gesellschaft ist und viele Branchen  unter den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie leiden. Wir als Verband sehen uns jedoch in der Pflicht, für unsere Vereine Schlimmeres zu verhindern und nicht zuzulassen, dass deren Existenzgrundlage entzogen wird.

Wir bedanken uns für Ihr Verständnis und hoffen auf eine positive Rückmeldung.

Persönlich wünschen wir Ihnen alles Gute und verbleiben

mit freundlichen Grüßen

Erwin Bugár                                                                                         Holger Fuchs
Präsident                                                                                            Geschäftsführer

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