Regionalliga Nordost

Neuer Kurs: Werte, Wille, Wucht

Solche Szenen soll der Chemie-Anhang künftig öfters genießen dürfen. Fotos (2): BSG Chemie Leipzig / Christian Donner

Wenn am Sonntag um 14 Uhr der Ball im Alfred-Kunze-Sportpark rollt, beginnt für die BSG Chemie Leipzig nicht nur eine neue Spielzeit in der Regionalliga Nordost, sondern auch ein Neustart im Zeichen von Demut, Zusammenhalt und klarer sportlicher Haltung. »Wir wollen mit dieser Truppe wieder für etwas stehen«, betonte Cheftrainer Adrian Alipour auf der Pressekonferenz vor dem Saisonauftakt gegen die Reserve des 1. FC Magdeburg.

Die vergangene Saison, in der Chemie bis zum letzten Spieltag ums sportliche Überleben kämpfen musste, wirkt dabei als mahnendes Beispiel. »Es war eine Kraftanstrengung, dass wir uns überhaupt über die Ziellinie torkeln konnten«, erinnerte David Bergner, Mitglied der sportlichen Leitung, mit schonungsloser Ehrlichkeit. Umso größer ist der Wille, die neuen sportlichen Weichen richtig zu stellen.

Umbau mit Prinzipien und Pragmatismus

17 Feldspieler, drei Torhüter – und ein gemeinsames Ziel: eine bessere Saison. »Wir haben versucht, eine junge, dynamische, willige Mannschaft zusammenzustellen, die fußballerische Qualität mitbringt, aber vor allem für eine Idee steht«, erläuterte Bergner. Der Umbau sei ein Kraftakt gewesen, nicht nur sportlich, sondern auch finanziell. Doch dank der Mithilfe vieler, darunter auch Geschäftsführer Uwe Thomas, sei ein schlagkräftiger Kader entstanden.

»Die Stimmung in der Mannschaft ist hervorragend«, bestätigte Alipour. Das Trainingslager habe den Teamgeist gestärkt, gemeinsame Aktivitäten wie ein Museumsbesuch und ein Abend mit Familien und Freundinnen der Spieler hätten das Gemeinschaftsgefühl weiter gefestigt. »Wir sind als Einheit zurückgekommen.«

Auf dem Platz: intensiver, laufstarker, klarer

Sportlich legte der Trainer Wert auf eine klare Philosophie. »Wir haben intensiv daran gearbeitet, Abläufe zu festigen und in verschiedenen Systemen zu agieren. Die Jungs spielen laufintensiv, mit hoher Bereitschaft, sich zu quälen.« Auch in der taktischen Ausrichtung gibt sich Alipour anspruchsvoll: »Wir wollen viele Positionswechsel, gute Ballbesitzphasen und zwingende Abschlüsse.« Brasilianischer Samba-Fußball sei im AKS allerdings nicht zu erwarten: »Man muss sich ins Spiel reinarbeiten, nicht reinspielen.«

Mäder: »Wir wollen vorangehen«

Kapitän Janik Mäder, der in seine vierte Saison bei Chemie geht, sieht sich in einer klaren Rolle. »Wir haben eine sehr junge Mannschaft. Meine Aufgabe ist es, die neuen Spieler mitzunehmen, ihnen die Werte zu vermitteln, sportlich wie menschlich Stütze zu sein.« Die Chemie-DNA werde dabei nicht als Plakatfloskel verstanden, sondern gelebt: »Schon wenn man hier ins Stadion kommt, spürt man, worauf man sich einlässt.«

Ziel: sichere Gefilde

Ein konkretes Tabellenziel wollten weder Trainer noch sportliche Leitung ausgeben. »Wir wollen auf keinen Fall in der Endphase wieder um den Klassenerhalt zittern. Das wäre schon ein Fortschritt«, sagte Alipour. Bergner fügte an: »Die Leute sind leidensfähig, aber es war grenzwertig letztes Jahr. Jetzt wollen wir fußballerisch etwas zurückgeben.«

Gegneranalyse: Magdeburgs Talentschmiede

Mit dem 1. FC Magdeburg II wartet ein unberechenbarer Gegner. »Eine typische U-Mannschaft, technisch gut ausgebildet, mit viel Tempo in der Offensive und aggressivem Pressing«, warnte Alipour. Die Magdeburger seien spielstark und könnten vielen Teams Probleme bereiten. »Aber am Sonntag sollen sie ihre Punkte nicht bei uns holen.«

Training und Infrastruktur: Schritt für Schritt

Die Rahmenbedingungen bei Chemie verbessern sich kontinuierlich. Vormittagstrainings mit nahezu dem gesamten Kader seien inzwischen Standard, das neue Funktionsgebäude mit Fitnessraum sei in Planung. »Wir bauen keine goldenen Wasserhähne, aber wir wollen das realisieren, was benötigt wird«, so Alipour pragmatisch.

Zuschauerrekord bahnt sich an

Mehr als 2750 Dauerkarten wurden bereits verkauft, insgesamt sind zum Auftakt fast 4400 Tickets abgesetzt. »Das zeigt, wie sehr die Leute Bock auf diese Saison haben«, freute sich Mäder. Die Fans sollen am Sonntag mit einem Team belohnt werden, »das eine Einheit ist und wieder für Chemie steht.«

BSG Chemie Leipzig – 1. FC Magdeburg II (Sonntag, 27.07.2025, 14:00 Uhr, Alfred-Kunze-Sportpark)

Text: Holger Elias

 

Trainer Alipour: »Man muss sich ins Spiel reinarbeiten, nicht reinspielen.«

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