Regionalliga Nordost
NACHGEHAKT: Parlatans Matchplan geht auf
Altglienicke bleibt die Mannschaft der Stunde in der Regionalliga Nordost. Mit einem abgeklärten 2:1-Auswärtssieg im Karl-Liebknecht-Stadion untermauerte das Team von Trainer Ersan Parlatan am Freitagabend vor 2444 Zuschauern seine Ambitionen im Aufstiegsrennen. Babelsbergs späte Ergebniskosmetik durch Luis Müller in der sechsten Minute der Nachspielzeit änderte nichts daran, dass die Filmstädter den Unterschied zur Topklasse erneut vor Augen geführt bekamen.
Parlatan schwärmt vom »nahezu perfekten Spiel«
»Wir haben ein nahezu perfektes Spiel gemacht – in jeder Hinsicht: Spiel mit dem Ball, Spiel gegen den Ball, Umschaltphasen«, erklärte ein sichtlich zufriedener Ersan Parlatan nach Abpfiff. Der 47-Jährige sprach von einer »sehr, sehr reifen Leistung«, in der der vorbereitete Matchplan seiner Mannschaft fast komplett aufgegangen sei. Besonders hob er die Disziplin im Defensivverbund hervor, die nur in den zehn Minuten nach Wiederanpfiff ins Wanken geriet: »Da hat Babelsberg es ganz gut gemacht. Aber insgesamt war es für uns ein nahezu perfekter Abend.«
Seine Mannschaft zeigte von Beginn an, worauf es ankam: geduldig verteidigen, Räume verdichten und dann eiskalt zuschlagen. In der 34. Minute nutzte Sydney Mohamed Sylla eine Lücke in Babelsbergs Abwehr und vollendete trocken. Nur acht Minuten später erhöhte Jonas Nietfeld nach Ballgewinn im Mittelfeld auf 2:0 (42.). Mit diesem Doppelschlag im Rücken spielte Altglienicke die Partie clever herunter.
Ermel: »Wir sind noch nicht so weit«
Babelsbergs Trainer Ronny Ermel, der als Spieler selbst unter Parlatan aktiv war, musste die Überlegenheit des Gegners anerkennen: »Wir haben heute gegen eine Top-3-Mannschaft gespielt, das hat man gesehen. Wir waren vielleicht nicht so mutig, hatten viele leichte Fehler.« Vor allem die beiden Gegentreffer in Hälfte eins wurmten den Coach: »Beide Tore gingen aus einer Ballheroberung von Altglienicke hervor. Sie haben es gut gemacht, waren eiskalt.«
Auch wenn seine Mannschaft nach der Pause mehr Druck aufbauen konnte, reichte es nur für eine Phase von zehn guten Minuten. »Man muss sagen: Wir sind noch nicht so weit, gerade heute, um Altglienicke Punkte abzunehmen. Der Sieg geht in Ordnung«, so Ermel selbstkritisch. Mit Blick auf das kommende Auswärtsspiel bei Lok Leipzig bleibt ihm nur der Optimismus: »Wir lernen aus solchen Partien, arbeiten weiter auf und wollen uns entwickeln.«
Leistungsträger & Saisonverlauf
Daten unterstreichen Altglienickes Reife
Die Bepro-Daten zum Spiel bestätigen den Eindruck der Trainer. Zwar hatte Babelsberg 60,5 Prozent Ballbesitz und eine Passquote von 81,7 Prozent (438 von 536 Pässen), doch blieb das Spiel zu statisch und ideenlos. Nur 37 Pässe fanden ins Angriffsdrittel, davon knapp zwei Drittel erfolgreich. Altglienicke dagegen verzeichnete mit weniger Ballbesitz (39,5 Prozent) deutlich mehr Durchschlagskraft im letzten Drittel: 54 Zuspiele nach vorn, 83,3 Prozent davon erfolgreich.
Auch im Zweikampf lag die Überlegenheit klar bei den Gästen: 58,3 Prozent gewonnene Duelle, dazu 60 Prozent der Luftzweikämpfe – Werte, die das Team von Parlatan in den entscheidenden Momenten dominieren ließen. Die Schussstatistik unterstreicht das Bild: Babelsberg kam auf 8 Versuche (2 aufs Tor, Quote 25 Prozent), Altglienicke auf 10 (4 aufs Tor, Quote 40 Prozent).
»Das eine ist die Idee, den Matchplan mit den Spielern zu besprechen«, betonte Parlatan, »das andere ist, dass die Spieler es auf dem Platz umsetzen. Und das haben sie getan.« Genau dort lag Babelsbergs Problem: Viel Aufwand, wenig Ertrag.
Torwart im Fokus: Klatte zurück in Babelsberg
Ein besonderer Moment der Pressekonferenz drehte sich um Luis Klatte, Altglienickes Keeper, der lange das Tor von Babelsberg gehütet hatte. Parlatan lobte ihn in höchsten Tönen: »Wir wussten schon vorher, dass Luis ein sehr guter Torwart ist – nicht nur zwischen den Pfosten, sondern auch im Spiel mit dem Ball. Er hat eine Ruhe, eine Abgeklärtheit, ist eine Bereicherung für die Liga.«
Auch Ermel würdigte den Ex-Schützling: »Luis ist ein kompletter Torwart – auf der Linie, in der Strafraumbeherrschung. Für mich einer der besten der Liga.« Dass er nun beim Gegner glänzt, »ärgert natürlich ein bisschen«, so Ermel, »aber ich wünsche ihm alles Gute.«
Später Trost für Babelsberg
In der Schlussphase schien Altglienicke dem dritten Treffer näher, verpasste es aber, den Deckel draufzumachen. Erst tief in der Nachspielzeit durfte Babelsberg jubeln: Luis Müller drückte eine Hereingabe zum 1:2 über die Linie (90.+6) – sein fünftes Saisontor, das den Hausherren allerdings nicht mehr half.
Altglienicke dagegen feierte den dritten Sieg innerhalb der englischen Woche und damit die Maximalausbeute. »Neun Punkte aus drei Spielen – wir genießen den Moment«, sagte Parlatan strahlend. Mit nur sieben Gegentoren nach neun Spieltagen stellt seine Mannschaft die derzeit stabilste Defensive der Liga. Babelsberg hingegen steckt nach der Niederlage weiter im grauen Mittelfeld fest.
Text: Holger Elias / Datenquelle: Bepro
