Regionalliga Nordost

NACHGEHAKT - Ermel stolz: Die Jungs hatten diese Gier

ZFC-Akteur Eric Stiller im Zweikampf mit Levin Mattmüller. Szene aus BFC Dynamo gegen ZFC Meuselwitz (1:1). Foto: Patrick Skrzipek

Die Pressekonferenzen nach dem vierten Spieltag der Regionalliga Nordost machten einmal mehr deutlich, wie eng es in dieser Liga zugeht – und wie unterschiedlich die Gefühlslage der Trainer nach 90 intensiven Minuten ausfallen kann. Zwischen Erleichterung über erkämpfte Punkte, Enttäuschung über verpasste Chancen und nüchterner Analyse der eigenen Defizite spannte sich der Bogen der Reaktionen.

Beim torlosen Traditionsduell zwischen dem FSV Zwickau und Carl Zeiss Jena war vor allem die Sichtweise von Volkan Uluc prägend, der sich klar benachteiligt fühlte und mehrere Strafraumszenen scharf kritisierte. Sein Gegenüber Rico Schmitt wiederum sprach von einem »Riesenkompliment« an seine junge Mannschaft, die mit viel Leidenschaft einen Zähler verteidigte. In Chemnitz rang Benjamin Duda nach der 2:4-Niederlage gegen Magdeburg II mit der Defensive seiner Elf und forderte mehr Balance, während Petrik Sander den reifen Auftritt seiner Nachwuchstruppe als »verdienten Auswärtssieg« wertete.

Auch andernorts überwogen gemischte Gefühle: In Greifswald sprach Markus Zschiesche von »zwei verlorenen Punkten«, Hertha-II-Coach Rejhan Hasanović dagegen von einem gerechten Remis. BFC-Trainer Dennis Kutrieb ärgerte sich nach dem 1:1 gegen Meuselwitz über die Behäbigkeit seiner Mannschaft, während Georg-Martin Leopold mit dem Punktgewinn hochzufrieden war. Und in Luckenwalde sowie Zehlendorf dominierten Freude und Stolz über couragierte Leistungen, auch wenn die Ergebnisse am Ende unterschiedlich ausfielen.

Von Holger Elias (Texte) und Patrick Skrzipek (Fotos)

Kutrieb unzufrieden: Wir waren zu behäbig

Dennis Kutrieb - Cheftrainer BFC Dynamo.

BFC Dynamo – ZFC Meuselwitz 1:1 (0:1) - Der BFC Dynamo hat am vierten Spieltag der Regionalliga Nordost einen Dämpfer hinnehmen müssen. Gegen den ZFC Meuselwitz kam die Mannschaft von Dennis Kutrieb vor 1.736 Zuschauern im heimischen Sportforum nicht über ein 1:1 hinaus – und das trotz drückender Überlegenheit im zweiten Durchgang. Putaro rettete mit einem sehenswerten Volley immerhin einen Punkt, nachdem ein kurioses Eigentor von Reincke die Berliner früh ins Hintertreffen gebracht hatte.

ZFC-Coach Georg-Martin Leopold war mit dem Auftritt seiner Mannschaft hochzufrieden: »Aus meiner Sicht war das ein sehr gutes Auswärtsspiel. Wir haben die Spielstärke des BFC selten zum Tragen kommen lassen, waren taktisch sehr diszipliniert und haben den Gegner zu Fehlern gezwungen.« Der folgenschwerste Patzer war das Eigentor zur Führung: Reincke wollte nach einem Einwurf zurückspielen, doch Keeper Ortegel stand versetzt – der Ball trudelte ins eigene Netz. »Natürlich wäre ein zweites Tor über eine Standardsituation schön gewesen, aber insgesamt bin ich sehr zufrieden«, so Leopold.

Kutrieb haderte vor allem mit der Schwere in den Beinen seiner Elf: »Wir sind gut reingekommen, müssen nach zehn Minuten das 1:0 machen. Dann haben wir eine zweite große Chance – und plötzlich wirkt alles behäbig. Das Eigentor passt ins Bild. Wir haben zwei Tore gemacht, aber nur eins zählt.« Nach dem Rückstand tat sich sein Team lange schwer: »Einfache Bälle kamen nicht an, wir haben uns festgespielt, das ist untypisch für uns.«

Nach der Pause aber drehte der BFC auf. Karatas setzte Putaro mehrfach in Szene, ehe Letzterer in der 59. Minute artistisch vollendete. Kutrieb: »Das 1:1 war folgerichtig. Danach müssen wir das 2:1 machen, müssen als Sieger vom Platz gehen.« Tatsächlich ließ Mattmüller kurz nach dem Ausgleich die Riesenchance zur Führung aus, während Meuselwitz über Standards gefährlich blieb.

Leopold sprach von einem »ausgeglichenen Spiel nach dem Ausgleich« und verwies auf die eigenen Chancen: »Wir hatten über eine Standardsituation noch eine richtig gute Möglichkeit. In den letzten Minuten fliegen drei, vier Bälle in unseren Strafraum – da wäre es bitter gewesen, wenn wir verloren hätten.«

Kutrieb hingegen sah Defizite: »Wir waren insgesamt zu langsam, haben nicht schnell genug gespielt. Immer dann, wenn wir Tempo aufgenommen haben, waren wir sofort im letzten Drittel. Aber das war viel zu selten.« Zudem verwies er auf die angespannte Personallage: »Wir haben heute wieder einen regulären U19-Spieler bringen müssen. Wir laufen etwas auf dem Zahnfleisch, aber von Woche zu Woche wird es besser werden.«

Auch der Blick nach vorn fehlte nicht. Auf die Frage nach der Gesamtbilanz der ersten Spiele reagierte Kutrieb zurückhaltend: »Wir hatten sehr unterschiedliche Vorzeichen, viele Neuzugänge, Spieler auf fremden Positionen. Die Abläufe sind noch nicht da, wo sie sein müssen. Aber wir hätten heute genug Möglichkeiten gehabt, das Spiel zu gewinnen.« Mit Blick auf die nächste Partie bei Magdeburg II zeigte er sich vorsichtig optimistisch: »Uns liegen Mannschaften, die Fußball spielen wollen. Das wird ein ganz anderes Spiel.«

So blieb am Ende ein Remis, das die Gäste aus Thüringen als wertvollen Punkt mitnahmen, während Dynamo die Erkenntnis bleibt, dass Effizienz und Tempo fehlen, um knappe Spiele für sich zu entscheiden.

Zschiesche: Für uns zwei verlorene Punkte

Markus Zschiesche - Cheftrainer Greifswalder FC.

Greifswalder FC – Hertha BSC II 1:1 (0:0) - Der Greifswalder FC hat am vierten Spieltag der Regionalliga Nordost einen möglichen Heimsieg aus der Hand gegeben. Vor heimischem Publikum führte die Mannschaft von Trainer Markus Zschiesche durch Hüther (57.) verdient mit 1:0, ehe Herthas U23 durch Lum (77.) zurückschlug. Am Ende stand ein 1:1, das die Gäste als Punktgewinn verbuchten, während Zschiesche klare Worte fand: »Für uns sind das zwei verlorene Punkte.«

Herthas Coach Rejhan Hasanović sprach von einem »guten Spiel meiner Mannschaft«, räumte aber auch Schwächen ein: »Wir sind gar nicht gut reingekommen, Greifswald hatte gleich drei Ecken und einen Freistoß. Danach haben wir uns freigeschwommen, spielerisch gute Ansätze gezeigt, aber im letzten Drittel die Situationen nicht sauber ausgespielt.« Trotz des Rückstands habe sich sein junges Team gefangen: »Nach dem 1:0 brauchten wir fünf bis zehn Minuten, dann hatten wir Glück, dass Greifswald den Sitzer zum 2:0 liegenlässt. Am Ende hätten wir sogar den Lucky Punch setzen können, aber insgesamt geht das Remis in Ordnung.«

Ganz anders die Sichtweise des GFC-Trainers. Zschiesche sprach von einem »Spiel auf taktisch hohem Niveau« und hob hervor, dass seine Mannschaft »die klareren Chancen« hatte: »In der zweiten Halbzeit habe ich drei klare Torchancen gezählt, die Klasse von Jojo hätte den Unterschied machen können. Wenn wir das 2:0 machen, ist das Ding durch.« Umso größer war der Frust über den Ausgleich, dem Zschiesche ein klares Foul vorausging: »Vorher war ein Handspiel, das nicht gepfiffen wurde. Ärgerlich, weil die Jungs sich drei Punkte verdient gehabt hätten.«

Neben dem Ergebnis beschäftigten Zschiesche auch strukturelle Probleme: »Wir haben aktuell acht Spieler nicht zur Verfügung, das ist brutal. Und dann drei Spiele in sechs Tagen – das ist eine absolute Katastrophe von der Ansetzung her. Sonntag, Mittwoch, Samstag, das kann man in dieser Liga nicht machen.« Die Belastung mache es schwer, personell flexibel zu reagieren. Zwar lobte er die Leidenschaft seiner Mannschaft – »die Art und Weise, wie wir gespielt haben, war top« –, doch der fehlende Spielraum auf der Bank sei deutlich spürbar.

Hasanović indes betonte den Lerneffekt für seine junge Elf: »Es ist nicht einfach, gegen eine körperlich so präsente Mannschaft wie Greifswald zu bestehen. Aber meine Jungs haben sich reingehauen, hatten diesen gewissen Gear, und das hat mich stolz gemacht.« Für den Hertha-Coach war es ein weiterer Schritt in der Entwicklung seiner U23: »Spielerisch war das ein gutes Niveau, auch wenn wir im letzten Drittel konsequenter werden müssen.«

So blieb am Ende ein Punkt für beide Seiten, der jedoch höchst unterschiedlich bewertet wurde: Greifswald haderte mit verpassten Chancen und fragwürdigen Szenen vor dem Gegentor, Hertha II freute sich über eine gelungene Aufholjagd.

Schiri im Fokus: Gerbers Wutrede

Fabian Gerber - Cheftrainer FC Rot-Weiß Erfurt.

FC Rot-Weiß Erfurt – Hallescher FC 1:2 (0:0) - Ein Spitzenspiel, das über weite Strecken von Taktik, Kampfgeist und kontroversen Entscheidungen geprägt war, endete mit einem späten Jubel im Hallenser Lager. Vor 10.942 Zuschauern im Steigerwaldstadion sicherte ein Kopfballtreffer von Innenverteidiger Halili in der dritten Minute der Nachspielzeit dem HFC den vierten Sieg im vierten Spiel – und ließ Rot-Weiß Erfurt trotz leidenschaftlichem Auftritt mit leeren Händen zurück.

Schon nach zehn Minuten stand die Partie unter besonderem Vorzeichen: Boboy verlor im Duell mit Baro den Ball, griff zu und sah die Rote Karte wegen Notbremse. »In so einem Spitzenspiel nach zehn Minuten jemanden runterzustellen, extrem fraglich«, wetterte RWE-Trainer Fabian Gerber später. Sein Gegenüber Robert Schröder sah die Szene naturgemäß anders: »Für mich läuft er allein aufs Tor, das ist dann eine klare Entscheidung.«

Erfurt verteidigte fortan mit enormer Leidenschaft, während Halle den Druck erhöhte. Latte und mehrere Paraden von Keeper Otto verhinderten den Rückstand. Kurz vor der Pause hatten die Gastgeber ihrerseits die große Chance: »Vielleicht hätten wir da sogar in Unterzahl schon in Führung gehen können oder müssen«, haderte Gerber, nachdem Gondoh frei an Müller gescheitert war.

Die zweite Halbzeit begann mit einem Paukenschlag. Caciel zog aus 18 Metern ab, sein Schuss wurde abgefälscht und schlug unhaltbar im rechten Winkel ein – 1:0 für Erfurt. »Wir sind verdient in Führung gegangen, Leidenschaft, Mentalität – jeder hat für den anderen gefightet«, lobte Gerber seine Mannschaft. Doch die Freude hielt nicht lange. Nach einem Zweikampf zwischen Baro und Bobo entschied Schiedsrichter Lukawski auf Strafstoß. Elezi verwandelte sicher zum 1:1. Gerber tobte: »Ein absoluter Witz! Unser Spieler wird in die Wade getroffen, der Ball geht eh ins Aus – und dafür gibt’s Elfmeter.« Schröder hielt dagegen: »Ich hatte freien Blick, für mich war das ein klarer Elfmeter.«

Die Partie steuerte in der Folge auf eine Punkteteilung zu. Erfurt warf sich in jeden Zweikampf, Otto parierte mehrfach glänzend, die Fans peitschten ihr Team nach vorne. Doch als die Kräfte schwanden, schlug Halle eiskalt zu. Nach einem weiten Einwurf von Schmedemann verlängerte ein Mitspieler den Ball, Halili köpfte aus fünf Metern ein. »Über Ehrgeiz und Beharrlichkeit haben wir uns den Sieg verdient«, bilanzierte Schröder und hob die Kaderqualität hervor: »Wir können von der Bank Impulse bringen, Buri macht das Siegtor, Baro holt die rote Karte und den Elfmeter raus – das spricht für uns.«

Für Gerber blieb nur bittere Fassungslosigkeit: »Wir hätten auch in Unterzahl das Ding gezogen, da bin ich überzeugt – wenn es nicht diesen unberechtigten Elfmeter gibt. So wurden wir auf die Verliererstraße gebracht.« Sein Frust entlud sich in grundsätzlicher Kritik: »Vor zwei Wochen in Greifswald schon merkwürdige Entscheidungen, heute wieder. Wir reißen uns jede Woche den Arsch auf – und werden bestraft. Irgendwann reicht’s.«

Trotz der Niederlage zeigte sich Gerber stolz auf die Entwicklung des Vereins: »Vor vier, fünf Jahren waren hier die Lichter aus. Heute haben wir 11.000 Zuschauer, ein NLZ, steigende Mitgliederzahlen. Wir werden nicht müde, weiter Gas zu geben, damit Rot-Weiß schnellstmöglich wieder in der 3. Liga auftaucht.«

Der Hallesche FC bleibt mit 12 Punkten aus vier Spielen makellos und untermauert seine Rolle als Titelkandidat. Für Erfurt bleibt die bittere Erkenntnis: Leidenschaft und Moral allein reichen nicht immer, wenn spielentscheidende Szenen gegen einen laufen.

Volbert sieht Lehrstunde: Vielleicht brauchen wir solche Spiele

Michael Braune - Cheftrainer FSV 63 Luckenwalde.

FSV 63 Luckenwalde – BFC Preussen 3:0 (0:0) - Der FSV 63 Luckenwalde hat am Freitagabend eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass der Saisonstart kein Zufallsprodukt ist. Mit einem klaren 3:0-Erfolg über den BFC Preussen feierte die Mannschaft von Michael Braune den dritten Sieg in Serie und bestätigte die eigene Frühform. Vor 727 Zuschauern im Werner-Seelenbinder-Stadion sorgte ein Doppelschlag von Maciejewski kurz nach der Pause (48., 53.) sowie das späte 3:0 durch Jannene (81.) für klare Verhältnisse.

Dabei hatten die Gäste in den ersten 20 Minuten durchaus ihre Momente. Preussen-Trainer Daniel Volbert erkannte: »Wir hatten viel den Ball und haben es geschafft, die Partie anfangs offen zu gestalten. Aber Fußball ist nun einmal Ergebnissport – und Luckenwalde hat uns mit Tempo und Kontern eiskalt bestraft.« Dass seine Mannschaft nach einer fast komplett neu zusammengestellten Truppe mit 19 Neuzugängen noch Zeit braucht, stellte der Coach außer Frage: »Wir sind in jede Falle getappt, die uns Luckenwalde gestellt hat. Aber auch wenn es schmerzt – vielleicht brauchen wir solche Spiele, um zu lernen.«

Auf der Gegenseite sprach Braune von einer verdienten Entwicklung im Spiel: »In der Anfangsphase sind wir mehr hinterhergelaufen, als mir lieb war. Danach hatten wir gute Chancen, und in der Halbzeit haben wir uns klar gemacht: Wollen wir Komplimente sammeln oder Spiele gewinnen?« Die Antwort gaben seine Spieler auf dem Platz – angeführt von einem überragenden Maciejewski, der die Partie binnen fünf Minuten entschied. »Zum Glück hatte Matze heute seinen Salzstreuer dabei«, scherzte Braune, »und hat uns den Unterschied gemacht.«

Die Effektivität nach der Pause war das Resultat einer klaren Marschroute. Während Preussen mehr Ballbesitz verbuchte, war der FSV im Umschalten zielstrebiger und zeigte sich defensiv stabil. Braune blieb dennoch auf dem Teppich: »Wir haben neun Punkte – neun mehr als zwei andere Teams. Das ist alles, was zählt. Es sind Punkte gegen den Abstieg. Wir wissen, wie hart die letzte Saison war, und genießen die Momentaufnahme, mehr nicht.«

Besonders ins Auge fiel die Entwicklung einzelner Spieler. Auf Nachfrage zu Simon Goldnack, der auffällig stark auftrat, erklärte Braune: »Das hat weniger mit mir zu tun, sondern mit der gesamten Truppe. Die Jungs ziehen voll mit, harmonieren super. Da wächst gerade etwas zusammen. Klar hätte sich Wolle für seinen Aufwand mit einem Tor belohnen müssen – aber das kann er ja nachholen.«

Während Luckenwalde also selbstbewusst in die englische Woche geht – »Am Dienstag wollen wir die schlechtesten Gäste aller Zeiten sein«, so Braune mit Blick auf die nächste Auswärtspartie –, richtet sich bei Preussen der Fokus auf das kommende Duell mit Chemie Leipzig. Volbert hofft, dass seine neuformierte Mannschaft aus der Niederlage die richtigen Schlüsse zieht: »Wir dürfen uns nicht an Luckenwalde messen, sondern an Teams in unserer Kragenweite.«

Mit dem dritten Sieg hat sich der FSV im oberen Tabellendrittel festgesetzt, während der Aufsteiger aus Lankwitz eine ernüchternde Lehrstunde erhielt. Für beide gilt jedoch: Die Saison ist noch lang, und die englische Woche wird zeigen, ob Luckenwalde die Euphorie konservieren und ob Preussen die Lernkurve rasch ansteigt.

Ermel stolz: Die Jungs hatten diese Gier

BSG Chemie Leipzig – SV Babelsberg 03 2:3 (1:2) - Der Alfred-Kunze-Sportpark war mit 4.999 Zuschauern ausverkauft, die Stimmung elektrisierend – doch am Ende blieb Chemie Leipzig wieder nur Frust. Mit 2:3 unterlag die Alipour-Elf dem direkten Konkurrenten SV Babelsberg 03, kassierte die vierte Niederlage im vierten Spiel und steckt damit tief im Tabellenkeller. Babelsberg hingegen feierte den ersehnten ersten Saisonsieg und verschaffte sich Luft im Abstiegskampf.

Babelsbergs Coach Ronny Ermel wirkte nach der Partie gelöst: »Ein riesen Kompliment an meine Mannschaft. Hier bei Chemie zu gewinnen, ist etwas Besonderes. Wir haben in der ersten Halbzeit sehr guten Fußball gespielt, uns in die Zweikämpfe reingehauen und uns belohnt.« Sein Team hatte bereits nach 27 Minuten durch Müller getroffen, ehe Chemie durch Hoffmanns Kopfball zum 1:1 ausglich. Doch nur vier Minuten später zeigte Schiedsrichter Rauschenberg nach einem Einwurf und folgendem Foul auf den Punkt. Schmidt verwandelte zum 2:1 für die Gäste. »Das darf einfach nicht passieren«, haderte Chemie-Trainer Adrian Alipour. »Anstatt mit einem erkämpften 1:1 in die Pause zu gehen, nehmen wir ein Negativerlebnis mit – super ärgerlich.«

Auch im zweiten Durchgang blieb Babelsberg zielstrebiger. Zwar hatte Chemie Chancen zum Ausgleich: Seidel scheiterte frei vor Keeper Babke, Weigel traf die Latte. Doch erneut bestraften die Gäste die Nachlässigkeiten der Hausherren. Müller setzte sich auf rechts durch und legte quer, Didoss vollendete aus kurzer Distanz zum 3:1 (71.). »Nach dem 3:1 waren wir dem 4:1 näher als Chemie dem Ausgleich«, bilanzierte Ermel zufrieden.

Alipour sah das anders, verwies auf die ungenutzten Möglichkeiten: »Wir hatten riesige Chancen. Wenn Seidel lupft, muss der Ball auch über den Torwart gehen. Und wenn Weigel die Latte trifft und Friedrich den Pfosten, dann spiegelt das unsere Situation wider: Wir kriegen einfache Gegentore und haben vorne Pech und Unvermögen. Das ist keine gute Kombination.«

Erst in der Nachspielzeit konnte Ratifo per Steilpass den 2:3-Anschluss erzielen. Für mehr reichte es jedoch nicht. Babelsberg verteidigte mit Leidenschaft und brachte den Sieg über die Zeit.

Für Chemie war es ein bitterer Abend. »Wir müssen ganz schnell lernen, diese Situationen zu verhindern. Vorne muss es an der Linie knallen, da darf ich keinen Zweikampf verlieren. Wir dürfen keine Gegenspieler einladen, einfach hinzufallen«, analysierte Alipour. Besonders die Standardschwäche beschäftigte ihn: »Bei jeder Ecke von Babelsberg hatten wir gefühlt zwei Mann weniger im Strafraum. Da müssen wir uns klarer zuordnen.«

Trotz allem versuchte der Chemie-Coach, Hoffnung zu streuen: »Wir dürfen jetzt nicht aufgeben oder schlechte Stimmung in die Mannschaft reinlassen. Wir müssen an uns glauben und am Dienstag in Berlin punkten.«

Ermel hingegen blickte stolz auf sein junges Team: »Die Jungs haben sich gepusht, hatten diese gewisse Gier. Wir sind heute dafür belohnt worden.« Mit dem Auswärtserfolg stellte Babelsberg den Anschluss ans untere Mittelfeld her – während Chemie dringend einen Befreiungsschlag benötigt, um nicht schon früh den Anschluss zu verlieren.

Trainer Israel: Für Enttäuschung keine Zeit

Jochen Seitz - Cheftrainer 1.FC Lokomotive Leipzig.

Hertha 03 Zehlendorf – 1. FC Lok Leipzig 0:1 (0:0) - Ein hart umkämpftes, von Taktik und Zweikämpfen geprägtes Regionalliga-Duell endete mit einem knappen, aber wertvollen 1:0-Auswärtssieg des 1. FC Lok Leipzig bei Hertha 03 Zehlendorf. Joker Aykut Adetula sorgte nach 75 Minuten für den goldenen Treffer – und das, obwohl die Gäste nach der Gelb-Roten Karte für Öztürk fast eine komplette Halbzeit in Unterzahl spielen mussten.

Lok-Trainer Jochen Seitz sprach von einem »intensiven Spiel von beiden Mannschaften«. Seine Analyse: »Wir hatten in der ersten Halbzeit sehr viel Ballbesitz und zwei richtig gute Chancen über Jamal Ziane und Pascal Verkamp. Leider haben wir die nicht genutzt. Im letzten Drittel haben wir oft die falschen Entscheidungen getroffen, da waren wir zu unsauber.« Zufrieden zeigte er sich dagegen mit der Stabilität in der Defensive: »Wir haben wenig zugelassen.«

Nach der Pause änderte sich die Statik, als Öztürk mit Gelb-Rot vom Platz musste. »Mit der Unterzahl war klar, dass Zehlendorf mehr Ballbesitz bekommt. Wir mussten auf Umschaltmomente und zweite Bälle warten«, erklärte Seitz. Genau aus solch einer Situation fiel schließlich das Siegtor: Ein langer Ball, per Kopf verlängert, fand Adetula – der Joker schloss eiskalt ab. »Glücklicherweise haben wir da zugeschlagen«, so der Lok-Coach, der die Schlussphase als »leidenschaftlichen Abwehrkampf« beschrieb: »Gefühlt haben wir keine hundertprozentige Chance mehr zugelassen, weil wir alles sehr gut wegverteidigt haben.«

Sein Pendant Steffen Israel zeigte sich trotz der Niederlage stolz auf seine Mannschaft: »Man darf nicht vergessen, gegen wen wir heute gespielt haben. Das ist der amtierende Meister, der nur knapp am Drittliga-Aufstieg gescheitert ist und vor fünf Tagen ein Riesenspiel im DFB-Pokal hatte.« Israel lobte: »Für Enttäuschung ist heute gar keine Zeit, weil die Jungs unseren Plan super umgesetzt haben. Wir haben alles reingeworfen und eine richtig gute Leistung gebracht.«

Ärgern musste sich der Zehlendorfer Coach nur über den einen entscheidenden Moment: »Wir wussten, dass Lok lange Bälle hinter die Kette spielt, und trotzdem lassen wir genau so eine Situation zu. Am Ende ist es dann die individuelle Qualität von Adetula – letzte Woche trifft er mit rechts, heute mit links. Das macht den Unterschied.«

Seine Mannschaft habe dennoch Mut getankt. Israel verwies auf die Schlussoffensive, in der Torhüter Dedidis bei einer Ecke selbst zum Kopfball kam: »Wir haben Lok bis zur letzten Sekunde das Leben schwer gemacht. Aber es ist eben schwer, gegen diese Defensive Tore zu erzielen.«

Für Leipzig bedeutete der vierte Saisonsieg in Serie die Bestätigung ihrer Rolle als Spitzenteam. Seitz blieb jedoch realistisch: »Natürlich war es aufgrund der Unterzahl ein bisschen glücklich, aber aufgrund unserer Chancen auch nicht unverdient.« Zehlendorf dagegen steht nach vier Spielen weiter ohne Punkt da. Doch Israel bleibt optimistisch: »Dieser Auftritt gibt mir und der Mannschaft absolut viel Mut.«

Sander lobt Teamgeist, Duda kritisiert fehlende Balance

Benjamin Duda - Cheftrainer Chemnitzer FC

Chemnitzer FC – 1. FC Magdeburg II 2:4 (1:2) - Vor 4.616 Zuschauern im eins-Stadion an der Gellertstraße erlebte der Chemnitzer FC einen bitteren Nachmittag. Trotz zweimaligen Ausgleichs unterlagen die Himmelblauen der U23 des 1. FC Magdeburg mit 2:4 und verspielten damit den Nimbus ihrer Heimstärke. Während Gäste-Trainer Petrik Sander seine Elf für einen »verdienten Auswärtssieg« lobte, haderte CFC-Coach Benjamin Duda mit der fehlenden Balance und Organisation.

Sander nutzte sein Eingangsstatement zunächst, um dem verletzungsbedingt zurückgetretenen Robert Zickert Genesungswünsche auszusprechen: »Robert ist ein Spieler mit Herz am rechten Fleck, ein Führungsspieler, wie man ihn sich wünscht. Es tut weh, so jemanden zu verlieren.« Zum Spiel sagte er: »Es war ein sehr abwechslungsreiches Spiel, in dem vieles aus Umschaltbewegungen entstand. Wir haben die Fehler des Gegners eiskalt genutzt.« Besonders zufrieden zeigte er sich mit der Reaktion seiner Mannschaft nach dem frühen Ausgleich: »Nach dem 1:1 besteht immer die Gefahr, dass das Spiel kippt. Aber wir waren stabil und haben mit dem 2:1 zur Pause den Grundstein gelegt.«

Der zweite Durchgang bestätigte aus Sanders Sicht die Entwicklung seiner jungen Elf: »Nach dem 2:2 war es ein Spiel, das hin- und herschwankte. Da waren wir einfach cleverer und zielstrebiger im Ausspielen unserer Kontermöglichkeiten.« Neben den Routiniers aus dem Profikader hob der Coach auch die Nachwuchsspieler hervor: »Wichtig ist, dass keiner eingeschnappt ist, wenn Profis dabei sind. Heute haben das alle gemeinsam richtig gut gemacht.«

Benjamin Duda sah die Dinge naturgemäß anders. »Es war ein irres Spiel, das mich als Trainer irre macht«, begann er seine Analyse. »Wir haben es in der Organisation und Feldbesetzung viel zu offen gestaltet. Genau davor haben wir die ganze Woche gewarnt.« Zwar lobte er die Mentalität: »Wir haben Nehmerqualitäten bewiesen, zweimal Rückstände gedreht, die Jungs haben alles reingeworfen.« Doch die mangelnde Disziplin in entscheidenden Momenten machte ihn fassungslos: »Wir gleichen zum 2:2 aus – und mit dem Anstoß ist Magdeburg schon wieder an unserem Sechzehner. Da hätte ich mir mehr Ruhe, mehr Struktur und Balance gewünscht.«

Duda nahm seine Mannschaft in die Pflicht: »Vier Gegentore sind in dieser Liga zu viel, da wird es utopisch, etwas Zählbares mitzunehmen. Abgesehen von den Strafräumen war es kein schlechtes Spiel, aber rund um die eigene Box haben wir nicht seriös genug verteidigt.« Auch im Abschluss sah er Defizite: »Wir hatten starke Phasen nach der Pause, Eckball um Eckball, große Chancen – das spricht für die Truppe. Aber in der gegnerischen Box fehlte die letzte Konsequenz.«

Die Verletzung von Domenico Alberico trübte zusätzlich: »Sein Knöchel ist stark geschwollen, kurzfristig wird das wohl nichts. Das sieht nicht gut aus«, erklärte Duda.

So stand am Ende ein ernüchterndes Resultat. Während Magdeburg II mit schnellem Umschaltspiel und Effizienz glänzte, bleibt Chemnitz die Erkenntnis, dass Leidenschaft allein nicht genügt. »Wir müssen seriöser, präziser, organisierter auftreten«, forderte Duda mit Blick auf das anstehende Derby bei Lok Leipzig.

Uluc: Selten so etwas Unkoordiniertes gesehen

Volkan Uluc - Cheftrainer des FC Carl Zeiss Jena.

FSV Zwickau – FC Carl Zeiss Jena 0:0 - Im traditionsreichen Duell zwischen dem FSV Zwickau und Carl Zeiss Jena trennten sich beide Mannschaften vor 8.430 Zuschauern in der GGZ-Arena mit einem leistungsgerechten 0:0. Während Zwickau-Coach Rico Schmitt den »tollen Freitagabend« und die Moral seiner jungen Mannschaft hervorhob, fühlte sich Gästetrainer Volkan Uluc gleich mehrfach von den Schiedsrichterentscheidungen benachteiligt und sprach offen von einer »nicht akzeptablen Leistung des Referees«.

Uluc ärgerte sich besonders über mehrere Szenen im Strafraum: »Maxim Hessel wird klar umgesetzt im Sechzehner, das ist für mich ein Elfmeter. Dazu Situationen, in denen wir eigentlich eine Ecke erwarten, Zwickauer Spieler feiern sogar den Block – und bekommen dann Abstoß. Ich habe selten so etwas Unkoordiniertes gesehen.« Trotz seiner Wut auf die Spielleitung fand der Jenaer Coach auch kritische Worte für sein eigenes Team: »In der Schlussphase greifen wir mit drei gegen eins an, da müssen wir den Deckel draufmachen. Aber wir vergeben diese Chance – das sind die Unterschiede, daran müssen wir arbeiten.«

Rico Schmitt sah die Dinge naturgemäß anders und lobte den Einsatz seiner Elf: »Wir hatten überragende erste 15 Minuten mit drei Topchancen. Wenn wir da in Führung gehen, nimmt das Spiel eine andere Wendung. Danach war Jena mit seiner reifen Mannschaft überlegen, aber wir haben uns immer wieder befreit.« Der FSV-Trainer verwies auf die Altersstruktur seines Teams: »Wir haben heute im Schnitt mit 22,3 Jahren gespielt, das war im Prinzip eine U-Mannschaft. Dafür haben die Jungs ein Riesenkompliment verdient.«

Schmitt hob dabei auch einzelne Szenen hervor, die für ihn den Charakter seiner Mannschaft unterstrichen: »Prokopenko hat eine Riesenchance, den macht er normalerweise. Dobruna hätte Eichler bedienen können, aber auch da hält Liesegang stark. Und in der Nachspielzeit, als alle schon den Torschrei auf den Lippen haben, blockt Nick Breitenbücher das Ding in letzter Sekunde. Das ist der Fußball, der uns auszeichnet.«

Uluc indes wollte den Einsatz seiner Mannschaft trotz der Enttäuschung nicht kleinreden: »Wir haben mit Wucht gespielt, hatten gute Chancen durch Weigel, Friedrich und Hoppe. Aber wenn du so viele Möglichkeiten liegen lässt, dann kommt am Ende nur ein Punkt raus.« Sein Fazit fiel entsprechend bitter aus: »Es ist extrem ärgerlich, weil wir hier eigentlich den Sieg verdient gehabt hätten.«

Am Ende blieb es beim 0:0 – ein Resultat, das Zwickau aufgrund des leidenschaftlichen Einsatzes zufrieden stellte, während Jena trotz klarer Vorteile in Ballbesitz und Chancen die Effektivität vermissen ließ. Für die Westsachsen war es ein Punkt des Willens, für die Thüringer ein weiterer Dämpfer im Kampf um die Spitzenplätze.

 

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