Herren

Loks Aus führt zum Abstiegsdomino

Nach dem 1:2 im Relegationsrückspiel bleibt der 1. FC Lok Leipzig in der Regionalliga Nordost. Für den ZFC Meuselwitz, Dynamo Schwerin und den FC Grimma hat das unmittelbare Folgen.

Am Ende lag die ganze Wucht einer Saison in wenigen Sekunden. Eben hatte Djamal Ziane den 1. FC Lok Leipzig in Würzburg noch einmal zurück in die Hoffnung geköpft, da schlug Cherif Cisse praktisch im Gegenzug zu. Aus Leipziger Sicht war es der Moment, in dem der Traum von der 3. Liga erneut zerbrach. Aus Sicht des Nordostdeutschen Fußballverbandes war es zugleich der sportliche Schlusspunkt unter eine komplizierte Auf- und Abstiegsrechnung.

Die Würzburger Kickers setzten sich im Rückspiel der Aufstiegsspiele zur 3. Liga vor 10.717 Zuschauern in der ausverkauften AKON Arena mit 2:1 gegen den Meister der Regionalliga Nordost durch. Nach dem 1:0-Erfolg im Hinspiel in Leipzig gewann der Vertreter der Regionalliga Bayern damit auch das zweite Duell und kehrt nach vier Jahren in den Profifußball zurück. Lok dagegen bleibt trotz Meisterschaft in der Regionalliga Nordost viertklassig – und scheitert nach 2020 und 2025 zum dritten Mal in Aufstiegsspielen.

Sportlich war das Rückspiel lange eine Partie zwischen Leipziger Aufbruch und Würzburger Reife. Lok begann mutiger als im Hinspiel, suchte früh die Zweikämpfe und kam in der Anfangsphase durch Eren Öztürk und Lukas Wilton zu aussichtsreichen Abschlüssen. Doch Würzburg blieb über die Außen gefährlich. Tarsis Bonga, schon im Hinspiel einer der entscheidenden Aktivposten, bereitete in der 30. Minute auch diesmal den Führungstreffer vor. Seine Hereingabe von rechts verwertete Jermain Nischalke zum 1:0.

Lok musste nun zwei Tore erzwingen, um zumindest die Verlängerung zu erreichen. Trainer Jochen Seitz reagierte zur Pause und brachte Malik McLemore für Dorian Cevis, später kam Christoph Maier für Alexander Siebeck. Die Sachsen bekamen mehr Ballbesitz, mehr Präsenz im letzten Drittel und schließlich den Ausgleich: Maier setzte sich links durch, legte quer, Ziane vollendete aus kurzer Distanz zum 1:1 in der 71. Minute. Für einen Augenblick war die Relegation wieder offen.

Doch Würzburg antwortete mit jener Kaltblütigkeit, die den Unterschied über beide Spiele ausmachte. Nur rund eine Minute nach dem Leipziger Ausgleich landete ein abgeblockter Abschluss von Nischalke bei Cisse. Der Joker blieb frei vor dem Tor ruhig und traf zum 2:1. Danach warf Lok noch einmal alles nach vorn. In der Nachspielzeit traf Filip Kusic die Unterkante der Latte, der Ball sprang im Bereich der Torlinie auf, der Ausgleich blieb jedoch aus. Kurz darauf war Schluss.

Würzburgs Trainer Michael Schiele sprach nach dem Abpfiff von einem »überragenden Gefühl«. Seine Mannschaft habe über beide Spiele »gegen einen starken Gegner absolut verdient« die Oberhand behalten. Lok-Trainer Seitz richtete den Blick zunächst auf Mannschaft und Anhänger: Er zollte den Fans und seinem Team Respekt, nannte das erneute Scheitern als Meister aber »sehr bitter«. Genau diese Bitterkeit reicht nun über Probstheida hinaus.

Denn mit dem verpassten Leipziger Aufstieg greift in der Regionalliga Nordost das schärfere Abstiegsbild. Die Spielklasse 2026/27 soll grundsätzlich mit 18 Mannschaften ausgetragen werden. Da aus der 3. Liga mit dem FC Erzgebirge Aue ein Verein aus dem NOFV-Gebiet in die Regionalliga Nordost zurückkehrt und Lok Leipzig nicht in die 3. Liga aufsteigt, erhöht sich die Zahl der Absteiger aus der Regionalliga auf drei Vereine.

Damit ist neben Hertha 03 Zehlendorf und dem FC Eilenburg auch der ZFC Meuselwitz abgestiegen. Die Thüringer beendeten die Saison mit 33 Punkten auf Rang 16. Der Greifswalder FC rettete sich mit 38 Punkten auf Platz 15. Für Meuselwitz endet damit eine lange Regionalliga-Zugehörigkeit. Sportlich war der ZFC nach einer wechselhaften Rückrunde zwar nicht chancenlos, am Ende aber abhängig vom Leipziger Relegationsausgang. Der blieb aus Meuselwitzer Sicht aus.

Noch unmittelbarer wirkt die Entscheidung auf die beiden NOFV-Oberligen. Auch dort war bis Montagabend nicht abschließend klar, ob die Tabellen-14. noch eine Relegation um den Klassenverbleib erhalten würden. Hintergrund ist die Sollstärke von 32 Mannschaften in den beiden Oberliga-Staffeln Nord und Süd sowie der Aufstiegsverzicht des SV SCHOTT Jena. Weil aus dem Thüringer Fußball-Verband kein Aufsteiger in die Oberliga nachrückt, vermindert sich die Zahl der Oberliga-Absteiger um eine Mannschaft. Dennoch blieb eine entscheidende Variable: steigt Lok Leipzig auf, oder nicht?

Bei einem Leipziger Aufstieg wären die Plätze 15 und 16 beider Staffeln direkt abgestiegen; die beiden Tabellen-14. hätten Entscheidungsspiele um den Oberliga-Verbleib ausgetragen. Durch Loks Nichtaufstieg tritt nun das andere Szenario ein: Die Plätze 14 bis 16 beider Oberliga-Staffeln steigen direkt in die Landesverbände ab. Die angesetzten Entscheidungsspiele entfallen.

In der NOFV-Oberliga Nord trifft dies die SG Dynamo Schwerin besonders hart. Die Schweriner hatten sich mit 31 Punkten auf Platz 14 zumindest die Hoffnung auf eine Relegationschance bewahrt. Diese Hoffnung ist nun hinfällig. Neben Dynamo Schwerin steigen auch SD Croatia Berlin und der FC Viktoria 1889 Berlin direkt ab. Der Berliner AK 07, auf Rang 13 mit 36 Punkten, bleibt in der Oberliga.

In der NOFV-Oberliga Süd ist der FC Grimma der Leidtragende des finalen Dominoeffekts. Grimma schloss die Saison mit 28 Punkten auf Rang 14 ab und hätte bei einem Leipziger Aufstieg gegen den Nord-Vertreter Dynamo Schwerin um den Klassenverbleib gespielt. Nach dem 1:2 von Lok in Würzburg ist auch diese Tür geschlossen. Neben Grimma steigen der Bischofswerdaer FV 08 und der 1. SC 1911 Heiligenstadt direkt ab. Der 1. FC Lok Stendal hält als Tabellen-13. mit 30 Punkten die Klasse.

Damit steht auch das Gesicht der Regionalliga Nordost 2026/27 in seinen Grundzügen fest. Der FC Erzgebirge Aue kommt aus der 3. Liga hinzu, Lok Leipzig bleibt als Meister und Relegationsverlierer im Feld. Aus der Oberliga steigen der SV Tasmania Berlin als Meister der Nord-Staffel und der RSV Eintracht 1949 als Meister der Süd-Staffel auf. Zusammen mit Carl Zeiss Jena, dem FSV Zwickau, dem Halleschen FC, Rot-Weiß Erfurt, Chemnitz, dem BFC Dynamo, Babelsberg, Chemie Leipzig und weiteren etablierten Vereinen entsteht eine Regionalliga mit enormer sportlicher Dichte.

Der Würzburger Jubel ist damit zugleich der Endpunkt einer Saison und der Auslöser ihrer letzten Konsequenzen. Für Lok Leipzig bleibt nach einer starken Meisterrunde die nächste bittere Relegationsnarbe. Für Meuselwitz, Schwerin und Grimma bedeutet der Abend von Würzburg den Gang nach unten.

Holger Elias (NOFV)

Sport Freak

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