Regionalliga Nordost
Hans Meyer: »Chemnitz spielt eine besondere Rolle«
Als Hans Meyer das Stadion an der Gellertstraße betritt, sind die Erinnerungen sofort präsent. An jenem Ort, an dem er einst mit dem Chemnitzer FC große Erfolge feierte, ist der mittlerweile 82-Jährige anlässlich des Saisoneröffnungsspiels gegen den 1. FC Magdeburg (Endstand: 0:1) wieder zurück. Diesmal nicht an der Seitenlinie, sondern auf der Tribüne – begleitet von seinem ehemaligen Co-Trainer Christoph Franke, mit dem er einst Chemnitzer Fußballgeschichte schrieb.
Im Interview mit ClubTV blickt Meyer zurück auf seine Chemnitzer Zeit. »Ich erinnere mich an alle Stationen gern, aber Chemnitz spielt eine besondere Rolle«, erklärt der frühere Erfolgscoach. »Hier hatte ich in allen Bereichen – Mannschaft, Mitarbeiter, Zuschauer – ein richtig gutes Gefühl.«
Die Verbindung zu Franke hebt Meyer dabei besonders hervor. Die Beziehung der beiden reicht bis in ihre gemeinsame Zeit in der DDR-Studentenauswahl zurück. Später, als Meyer den Chemnitzer FC – damals noch FC Karl-Marx-Stadt – übernahm, wurde Franke für ihn zu einer wichtigen Bezugsperson. »Christoph spielte hier eine ganz besondere Rolle. Viele der jungen Spieler waren durch seine Hände gegangen. Das hat mir sehr geholfen«, erzählt Meyer mit Wertschätzung.
Auf humorvolle Art berichtet er von der gemeinsamen Analyse der ersten Halbzeit, wobei er augenzwinkernd ergänzt: »Gesprochen hat eigentlich nur Hans Meyer. Christoph hat ab und zu gefragt, was gerade passiert.« Dieser Charme und sein unverwechselbarer Humor begleiten Meyer auch heute noch, weshalb er in Chemnitz von vielen mit großer Sympathie begrüßt wird.
Die sportliche Bilanz seiner Chemnitzer Amtszeit kann sich sehen lassen: Vizemeisterschaft, Einzug ins Pokalfinale, Viertelfinale im DFB-Pokal und schließlich der Sprung in die zweite Bundesliga. Meyer hebt hervor, wie viel die Mannschaft damals leistete, bedauert aber zugleich, dass die Erwartungen in Chemnitz teilweise unrealistisch wurden: »Alle haben gedacht, wir schaffen es vielleicht sogar in die erste Bundesliga. Das haben wir leider nicht geschafft.«
Heute verfolgt Meyer die Entwicklung seines früheren Vereins mit Interesse und realistischer Zurückhaltung. »Wer im Fußball arbeitet, weiß, wie kompliziert es ist«, mahnt er mit Blick auf die Regionalliga Nordost. Als warnendes Beispiel führt Meyer den HSV an, der sieben Jahre für den Wiederaufstieg in die Bundesliga benötigte. Eine Erinnerung daran, wie anspruchsvoll es in jeder Liga sein kann, aufzusteigen.
Trotz der aktuellen Niederlage gegen Magdeburg sieht Meyer weiterhin Potenzial beim Chemnitzer FC, warnt aber davor, übertriebene Erwartungen zu hegen: »Es gibt im Osten wie im Westen 20 bis 40 Mannschaften, die meinen, sie gehören weiter oben hin. Es ist schwierig, eine Situation zu schaffen, in der ein Aufstieg realistisch wird.«
Zum Schluss gibt Meyer einen kleinen Einblick in das aktuelle MDR-Dokumentationsprojekt, wegen dem er Chemnitz besuchte. Ganz konkret wird er dabei nicht, aber er lässt durchblicken, dass es um eine Würdigung seiner Karriere gehen könnte. »Wenn ich solche Leute wie euch sehe, freue ich mich sehr«, schließt er das Gespräch mit herzlichem Dank ab.
Das Stadion an der Gellertstraße mag sich verändert haben, doch die Zuneigung der Fans zu Hans Meyer ist ungebrochen. Seine Spuren, die er in Chemnitz hinterlassen hat, sind bis heute spürbar – ein Zeugnis seiner außergewöhnlichen Trainerkarriere.
Text: Holger Elias / Quelle: Chemnitzer FC (Youtube.com)
Das gesamte Interview können Sie unter dieser Youtube-Adresse anschauen: https://www.youtube.com/@ChemnitzerFC1966
