Regionalliga Nordost

Chemie will raus aus dem Krisenmodus

Nach dem dramatischen Klassenerhalt baut Alexander Schmidt die BSG Chemie Leipzig nahezu neu auf. Elf Zugänge sollen mehrere schmerzhafte Verluste auffangen. Das kurzfristige Ziel klingt bewusst nüchtern: Stabilität statt eines weiteren Überlebenskampfes.

Als am 9. Mai der Abpfiff ertönte, verwandelte sich der Alfred-Kunze-Sportpark in eine grün-weiße Befreiungszone. Chemie Leipzig hatte den FC Eilenburg mit 3:2 bezwungen, den sechsten Sieg in Folge eingefahren und den Klassenerhalt einen Spieltag vor Saisonende gesichert. Trainer Alexander Schmidt wurde von den Anhängern auf den Zaun gerufen. Pyrotechnik tauchte den Norddamm in rotes Licht, Spieler und Fans feierten das Ende eines Kampfes, der den Verein über Monate beansprucht hatte.

Die Bilder waren emotional. Sportlich erzählten sie von einer bemerkenswerten Rettung – und zugleich von einer Saison, die sich in Leutzsch nicht wiederholen soll.

Nach sechs Niederlagen zum Auftakt, einem dauerhaften Aufenthalt im Tabellenkeller, der Trennung von Trainer Adrian Alipour und einem tiefgreifenden Wechsel in der sportlichen Leitung stand Chemie zeitweise vor dem Absturz in die Oberliga. Erst in der zweiten Saisonhälfte gelang die Wende. Am Ende standen Platz 13, zwölf Siege, vier Unentschieden, 18 Niederlagen und 40 Punkte. Vor allem der Schlussspurt rettete die Saison: Auf den Derbysieg gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig folgten Erfolge gegen Hertha BSC II, Hertha 03 Zehlendorf, den ZFC Meuselwitz und den FC Eilenburg. Erst am letzten Spieltag riss die Serie beim 0:1 in Zwickau.

Die nüchternen Zahlen verdeutlichen den Gegensatz: Adrian Alipour hatte nach 17 Spielen lediglich 13 Punkte gesammelt. Unter Schmidt holte Chemie in der Rückrunde 24 Zähler. Der Klub, der wochenlang kaum aus eigener Kraft aus der Gefahrenzone zu kommen schien, entwickelte auf der Zielgeraden plötzlich das Selbstverständnis einer Mannschaft, die den Abstiegskampf aktiv bestimmen konnte. Die Abschlusstabelle weist Chemie mit 40 Punkten auf Rang 13 aus; der Verein sprach nach dem letzten Spiel von einer »überragenden Rückserie« mit 27 Punkten aus 16 Partien.

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BSG Chemie Leipzig: Saisonabschluss in Zwickau

Schmidts doppelter Auftrag

Alexander Schmidt war am 7. Januar nicht nur als Cheftrainer verpflichtet worden. Der 57-Jährige übernahm zugleich die sportliche Leitung und erhielt einen bis 2027 laufenden, ausschließlich für die Regionalliga geltenden Vertrag. Damit bündelte Chemie in einer kritischen Phase zwei Schlüsselpositionen in einer Hand.

Schmidt brachte Erfahrung aus dem Nachwuchsbereich des FC Augsburg, von 1860 München und Dynamo Dresden mit. Mit Dynamo war er 2021 in die 2. Bundesliga aufgestiegen. In Leutzsch traf er jedoch nicht auf ein Aufstiegsprojekt, sondern auf eine Mannschaft, der das Vertrauen in die eigene Konkurrenzfähigkeit abhandengekommen war.

Damit die Chemie stimmt, gibt es vor Saisonbeginn eine Menge zu klären. Foto: BSG Chemie Leipzig / Kevin C.

Sein Ansatz war vom ersten Tag an klar. Schmidt verlangte »aktive Balleroberung«, wollte den Gegner »stressen« und Fehler provozieren. Sein Fußball solle intensiv und emotional sein – »so wie die Leute hier«. Gleichzeitig reduzierte er die Anforderungen zunächst auf einfache Abläufe, körperliche Stabilität und mentale Widerstandskraft. Bei seiner Vorstellung beschrieb Schmidt seine Spielidee als offensiv, aggressiv und auf frühe Ballgewinne ausgerichtet.

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MDR: Schmidt und seine Spielidee

Der Erfolg stellte sich nicht sofort ein. Chemie blieb zunächst verwundbar, verlor wichtige Spiele und war offensiv weiterhin stark von Einzelspielern abhängig. Doch Schmidt stabilisierte die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen, erhöhte die Intensität gegen den Ball und vermittelte der Mannschaft wieder Zutrauen in enge Partien. Der Derbysieg gegen Lok wurde zum emotionalen Beschleuniger. Aus einer Elf, die Rückschläge fast erwartete, entstand eine Mannschaft, die sie überstand.

Diese Veränderung ist nun die wichtigste Mitgift für 2026/27. Schmidt muss nicht mehr während der Fahrt den Motor austauschen. Er konnte den Kader selbst zusammenstellen, die Vorbereitung planen und sein Spielmodell vom ersten Trainingstag an vermitteln. Damit steigt allerdings auch seine Verantwortung: Der Trainer kann sich nicht mehr auf die Altlasten seiner Vorgänger berufen. Die neue Mannschaft ist in wesentlichen Teilen seine Mannschaft.

Der Preis der Rettung

Der Klassenerhalt bewahrte Chemie vor dem sportlichen Absturz, verhinderte aber nicht den personellen Umbruch. Besonders schwer wiegt der Abgang von Stanley Ratifo. Der mosambikanische Nationalspieler erzielte in 33 Regionalligapartien 17 Tore und bereitete sechs weitere vor. Damit war er an mehr als der Hälfte der 43 Leipziger Saisontreffer direkt beteiligt.

Der Verein ging bei seinem Angebot an die finanzielle Grenze, stellte Ratifo sogar die Kapitänsbinde und eine Perspektive für die Zeit nach der aktiven Laufbahn in Aussicht. Dennoch entschied sich der 31-Jährige für den Halleschen FC. Chemie verlor damit nicht nur seinen besten Torschützen, sondern den Fixpunkt seines Angriffsspiels: Ratifo konnte lange Bälle sichern, Tiefe herstellen, Standards verwerten und Spiele in Situationen entscheiden, in denen die Mannschaft spielerisch an Grenzen stieß. Der Klub bezeichnete das unterbreitete Paket als in dieser Form bislang einmalig, konnte Ratifo aber nicht halten.

Ähnlich schmerzhaft ist der Wechsel von Nils Lihsek zum FC Erzgebirge Aue. Der erst im September verpflichtete Mittelfeldspieler kam in 25 Einsätzen auf drei Tore und acht Vorlagen. Sein Treffer zum 1:0 im Leipziger Derby machte ihn schlagartig zum Publikumsliebling. Lihsek verband Laufstärke, Dynamik und Kreativität – Fähigkeiten, die in dieser Kombination auf Regionalliganiveau schwer zu ersetzen sind. Chemie bestätigte den Wechsel im Mai und verwies ausdrücklich auf Lihseks Bedeutung für den Derbysieg.

Auch Kay Seidemann, Cyrill Akono, Fynn Seidel, Tim Kießling, Julian Weigel, Tim Bunge, Rodriguez Fantozzi, Jean-Marie Nadjombe und Maxime Langner gingen. Die Verträge mit Janik Mäder und Lasse Timpelan wurden während der Vorbereitung aufgelöst; Mäder schloss sich dem ZFC Meuselwitz, Timpelan dem FC Eilenburg an. Gerade der Abschied Mäders, der vier Jahre in Leutzsch gespielt und zeitweise die Kapitänsbinde getragen hatte, markiert das Ende eines Abschnitts.

Schmidt räumte beim Trainingsauftakt ein, dass diese Verluste »wehtun«. Man habe die Leistungsträger halten wollen, müsse sie nun aber »adäquat ersetzen«. Das sei das »oberste Ziel«. Zugleich formulierte er die Hoffnung, Chemie möge in der neuen Saison in »ruhigeres Fahrwasser« gelangen.

Externe Links:

BSG Chemie Leipzig: Klub kann Ratifo nicht halten

BSG Chemie Leipzig: Chemie bestätigte den Wechsel

Sportschau / MDR: Sportschau/MDR: Chemie will die Abgänge adäquat ersetzen

Elf Neue, aber kein neuer Ratifo

Die Antwort auf den Aderlass ist kein einzelner prominenter Transfer, sondern eine breitere Verteilung von Verantwortung. Bis Mitte Juli verpflichtete Chemie elf Spieler. Sämtliche Zugänge kamen ablösefrei, die Verträge laufen überwiegend zunächst über ein Jahr und enthalten Verlängerungsoptionen. Das begrenzt das wirtschaftliche Risiko, setzt Trainer und Mannschaft aber unter Zeitdruck: Viele Neue müssen sofort funktionieren.

Für die Zentrale holte Chemie Luca Bürger vom ZFC Meuselwitz. Der 29-Jährige ist der älteste Feldspieler des neu formierten Kaders und soll Erfahrung, Zweikampfhärte und Struktur einbringen. Im Test gegen den VfB Eichstätt deutete er seine offensive Qualität mit einem sehenswerten Distanztreffer an. Luis Jakobi bringt eine ungewöhnliche Vita mit. Der defensive Mittelfeldspieler war für Türkgücü München, Újpest Budapest, Sloboda Užice und Differdingen aktiv, sammelte Erfahrung in europäischen Qualifikationsspielen und gewann zuletzt den luxemburgischen Pokal. Schmidt erwartet von ihm Zweikampfstärke, Ballsicherheit und taktische Stabilität.

Christoph »Bobby« Maier wechselte vom Stadtrivalen Lok in den Alfred-Kunze-Sportpark. Schmidt bezeichnet ihn als »Wunschspieler« und offensiv denkenden Mittelfeldstrategen, der Mitspieler in Szene setzen könne. Maier soll genau jene Verbindungen zwischen Mittelfeld und Angriff herstellen, die Chemie in der vergangenen Saison über längere Phasen fehlten. Der 26-Jährige unterschrieb für ein Jahr mit Verlängerungsoption.

Auf den Außenbahnen setzt Schmidt auf Tempo. Elias Kratzer, vom Bonner SC gekommen, sucht das Eins-gegen-eins und kann sowohl Breite geben als auch diagonal in den Strafraum ziehen. Beim 1:4 gegen den 1. FC Magdeburg erzielte er den Leipziger Treffer und war in der ersten Stunde der auffälligste Chemiker. Bradley Lokilo kommt von Dynamo Schwerin und kann auf beiden Flügeln offensiv wie defensiv eingesetzt werden. Hector Hink, zuletzt bei der U23 des 1. FC Magdeburg, bietet Körpergröße, Tempo und Beidfüßigkeit.

Für die Abwehr wurde David Pfeil aus Meuselwitz verpflichtet. Der Linksverteidiger verfügt trotz seiner erst 24 Jahre über 131 Regionalligaeinsätze und kann mit beiden Füßen agieren. Conner Schulze, ebenfalls aus Magdeburg, ist als Außenverteidiger, Schienenspieler und Mittelfeldmann einsetzbar. Diese Variabilität dürfte wichtig werden, weil Schmidt in der Vorbereitung sowohl mit einer Vierer- als auch mit einer Dreierkette experimentierte. Chemie hebt bei Pfeil Zweikampfstärke und Regionalligaerfahrung hervor.

Im Angriff soll nicht einer allein Ratifos 17 Tore ersetzen. Marc Sodji, Tyron Profis und Daniil Turchyn verkörpern unterschiedliche Profile. Sodji ist schnell, körperlich robust und kopfballstark. Profis kommt vom VFC Plauen, ist beidfüßig, beweglich und war Schmidt bereits bei einem Wintertest aufgefallen. Der 19-jährige Turchyn aus der U19 von Lok ist eher eine Entwicklungsverpflichtung: geradlinig, athletisch und mit guter Torquote im Nachwuchsbereich.

Das Konzept ist nachvollziehbar, bleibt aber mit einem Risiko verbunden. Chemie hat Geschwindigkeit, Variabilität und Entwicklungspotenzial gewonnen, aber nachweisbare Torgefahr verloren. Keiner der neuen Angreifer kann auf Ratifos Bilanz in der Regionalliga verweisen. Der Klub ersetzt seine bisherige Lebensversicherung durch ein Kollektiv – und muss hoffen, dass aus mehreren Möglichkeiten schnell verlässliche Lösungen werden.

Externe Links:

BSG Chemie Leipzig: Chemie stellte Jakobi vor

BSG Chemie Leipzig: Maier unterschreibt für ein Jahr

BSG Chemie Leipzig: Chemie über Kratzers Qualitäten

BSG Chemie Leipzig: Chemie verpflichtet David Pfeil

Das Gerüst steht im hinteren Bereich

Bei aller Fluktuation beginnt Chemie nicht bei null. Im Tor bleibt Marcel Bergmann eine zentrale Figur. Der im Winter von Lok gekommene Schlussmann absolvierte 15 Partien, blieb fünfmal ohne Gegentor und gab der Abwehr mit seiner Ruhe zusätzliche Sicherheit. Schmidt bescheinigte ihm einen wesentlichen Anteil am Klassenerhalt. Bergmann selbst erklärte nach seiner Vertragsverlängerung, die Mannschaft wolle an die besondere Rückrunde anknüpfen. Chemie verlängerte mit Bergmann bis 2027. Mit Florian Horenburg steht weiterhin ein erfahrener Konkurrent bereit.

In der Defensive bilden Philipp Wendt, Rudolf Sanin, Lorenz Hollenbach, Marc Enke und Tim Hoops das verbliebene Gerüst. Wendt führte die Mannschaft in mehreren Vorbereitungsspielen als Kapitän an und dürfte auch in der neuen Hierarchie eine zentrale Rolle übernehmen. Enke rückte im Endspurt der vergangenen Saison in die Startelf und überzeugte Schmidt so sehr, dass der Trainer ihn als mögliche künftige »Säule« bezeichnete. Der Vertrag des 22-Jährigen verlängerte sich bis 2027.

Auch Tim Hoops bleibt. Der 20-Jährige bringt für einen Innenverteidiger Tempo und Entwicklungspotenzial mit. Rajk Lisinski hat sich auf der Außenbahn festgespielt und bereits in der Rückrunde wichtige Tore erzielt. Sein Kopfballtreffer zum 1:0 gegen Wiedenbrück zeigte, dass Chemie auch bei Standards mehr Spieler in Abschlusspositionen bringen möchte. Valon Aliji und Anton Bulland stehen für die technisch stärkere Variante im Mittelfeld. Bulland, erst im Januar verpflichtet, besitzt eine saubere Ballbehandlung und strategisches Verständnis, muss aber in der körperlich anspruchsvollen Regionalliga noch Konstanz entwickeln.

Ein weiterer Hoffnungsträger ist Robin Friedrich. Der Angreifer kehrte im Test gegen Eichstätt nach seiner Kreuzbandverletzung erstmals auf den Platz zurück. Bleibt er gesund, erhöht er die Auswahl im Sturm und nimmt Druck von den Neuzugängen. Julius Hoffmann wiederum gehört zu den Spielern, die bereits in der vergangenen Saison gezeigt haben, dass sie aus der zweiten Reihe heraus Tore und Energie liefern können.

Der Neuzugang Luca Bürger in Aktion. Foto: BSG Chemie Leipzig / Franz Engler

Die Vorbereitung liefert vorsichtigen Optimismus

Die bisherigen Testspiele bestätigen zumindest, dass die neue Mannschaft schnell arbeitsfähig geworden ist. Beim Drittliga-Absteiger Schweinfurt erreichte Chemie ein 1:1, gegen den Bayern-Regionalligisten VfB Eichstätt gewann die BSG 3:1. Es folgten ein 1:0 gegen den SC Wiedenbrück und ein 2:1 bei Hannover 96 II. Erst Zweitligist Magdeburg setzte der Erfolgsserie ein Ende.

Das 1:4 bei der Saisoneröffnung war deutlicher als der Spielverlauf über weite Strecken. Chemie hielt vor 4999 Zuschauern und bei viermal 30 Minuten eine Stunde lang mit. Die Leutzscher standen kompakt, lösten sich mehrfach spielerisch aus Drucksituationen und kamen über Kratzer zu Tempoaktionen. Nach dem vollständigen Wechsel beider Mannschaften setzte sich die individuelle Qualität des Zweitligisten durch. Chemie bot Magdeburg im ausverkauften Alfred-Kunze-Sportpark lange Widerstand.

Auffällig ist die veränderte Spielanlage. Chemie versucht nach Ballgewinnen schneller vertikal zu werden, kann aber auch flach durch das Zentrum aufbauen. Gegen Eichstätt wurden die schnellen Außenspieler gesucht, zugleich streute die Mannschaft Diagonalbälle ein. Dadurch soll sie weniger ausrechenbar werden. Beim 3:1 gegen Eichstätt waren Bürger, Hoffmann und Kratzer erfolgreich.

Die Resultate sollten dennoch nicht überbewertet werden. In der Vorbereitung kann Schmidt Belastungen steuern, zwei vollständige Formationen einsetzen und Abläufe ohne unmittelbaren Ergebnisdruck testen. Ab dem ersten Spieltag werden Zweikampfhärte, Restverteidigung und Effizienz unter anderen Bedingungen geprüft. Gerade die Abstimmung der neu besetzten Offensive ist noch nicht abgeschlossen.

Fans verlangen keine Luftschlösser

Die Anhängerschaft formuliert ihre Erwartungen traditionell weniger in offiziellen Tabellenprognosen als durch Präsenz. Mehr als 1500 Dauerkarten waren bereits Mitte Juni verkauft. Zur Saisoneröffnung gegen Magdeburg war der Sportpark mit 4999 Zuschauern ausverkauft. Selbst zum letzten Saisonspiel in Zwickau begleiteten rund 2000 Chemie-Fans die Mannschaft.

Diese Zahlen sind Zustimmung, aber kein Freibrief. Die Fans haben erlebt, wie ein Fehlstart die gesamte Saison vergiften kann. Von der neuen Mannschaft wird deshalb zunächst erwartet, dass sie Intensität, Widerstandskraft und Identifikation verkörpert. Der Klassenerhalt soll nicht wieder erst in einem dramatischen Endspurt gesichert werden. Schmidt bringt dieses Bedürfnis mit seiner Forderung nach »ruhigerem Fahrwasser« auf den Punkt.

Der Verein bleibt bei seiner Zielsetzung bewusst abgestuft. Kurzfristig soll sich Chemie in der Regionalliga stabilisieren und möglichst aus der Abstiegszone fernhalten. Mittel- bis langfristig strebt der Vorstand das obere Tabellendrittel an. Diese Perspektive wurde auf der Mitgliederversammlung ausdrücklich benannt. Voraussetzung dafür sei allerdings, die bestehenden Strukturen konsequent weiterzuentwickeln, die Professionalisierung in allen Bereichen voranzutreiben und die finanzielle Basis des Vereins deutlich zu stärken. Wirtschaftlich steht der Klub trotz eines Jahresfehlbetrags von 16.000 Euro bei mehr als drei Millionen Euro Umsatz vergleichsweise solide da. Mehr als 200 Ehrenamtliche und inzwischen 2730 Mitglieder bilden das Fundament.

Damit ist die Erwartung klarer als eine konkrete Platzierung: Chemie soll sich sportlich entwickeln, ohne seine wirtschaftliche Bodenhaftung aufzugeben. Ein sofortiger Angriff auf die Spitze wäre angesichts des Kaderumbruchs unrealistisch. Ein erneuter monatelanger Aufenthalt unter dem Strich würde dagegen Fragen aufwerfen, weil Schmidt den Kader wesentlich selbst gestaltet hat.

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BSG Chemie Leipzig: Bericht zur Mitgliederversammlung 2026

Der Auftakt wird zum Charaktertest

Am Sonntag, 26. Juli, beginnt die Saison mit dem Heimspiel gegen den SV Babelsberg 03. Danach folgen die Auswärtspartie beim BFC Dynamo und bereits am dritten Spieltag das Duell mit dem Halleschen FC – und damit das schnelle Wiedersehen mit Stanley Ratifo. Die ersten drei Spieltage sind bereits exakt terminiert.

Gerade der Auftakt gegen Babelsberg besitzt Symbolkraft. Vor einem Jahr verlor Chemie seine ersten sechs Saisonspiele und lief dem Rückstand bis in den Frühling hinterher. Diesmal soll von Beginn an erkennbar sein, dass die Lehren gezogen wurden.

Die Voraussetzungen sind besser: Der Trainer kennt den Verein, das defensive Gerüst ist vorhanden, die Vorbereitung verlief geordnet und die Neuzugänge entsprechen überwiegend einem klaren Anforderungsprofil. Trotzdem bleibt die zentrale Frage unbeantwortet: Wer entscheidet die engen Spiele, wenn Ratifo nicht mehr auf dem Platz steht?

Chemie Leipzig geht deshalb weder als Geheimfavorit noch als zwangsläufiger Abstiegskandidat in die Saison. Die Mannschaft besitzt mehr Tempo und Variabilität, muss aber erst beweisen, dass sie den Verlust ihrer produktivsten Spieler kollektiv auffangen kann. Gelingt es Bürger und Jakobi, das Zentrum zu stabilisieren, Maier zwischen den Linien einzubinden und Kratzer, Profis, Sodji oder Hoffmann regelmäßig in Abschlusspositionen zu bringen, ist ein Platz im gesicherten Mittelfeld realistisch.

Der Maßstab liegt dabei nicht in der Euphorie des geretteten Frühlings, sondern in der Fähigkeit, dessen Ausnahmezustand künftig zu vermeiden. Die größte Leistung der neuen Chemie-Mannschaft wäre vorerst eine unspektakuläre: nicht wieder sechs Monate lang über den Abgrund sprechen zu müssen.

Redaktion: Holger Elias

Sport Freak

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