Regionalliga Nordost
CFC: Elfmeter, Effizienz, Ekstase
Was nach einer Stunde noch nach einem offenen Schlagabtausch roch, endete in einer Demonstration von Wucht, Effizienz und Selbstvertrauen: Der Chemnitzer FC fertigte den SV Babelsberg 03 am 24. Spieltag mit 5:1 ab – und hatte in Dejan Bozic den alles überragenden Protagonisten. Vier Tore binnen 32 Minuten verwandelten eine Partie auf Augenhöhe in einen einseitigen Abend vor 4842 Zuschauern.
»Für uns ein maximal bitterer Abend«, bilanzierte Babelsbergs Coach Johannes Lau. Und doch begann es aus Sicht der Gäste durchaus vielversprechend. »Ich glaube, wir haben in der ersten Halbzeit ein offenes Spiel gesehen. Ein Spiel, wo es in beide Richtungen geht.« Tatsächlich bestätigten die Bepro-Daten diesen Eindruck: Beide Teams kamen im ersten Durchgang auf nahezu identische Abschlusszahlen (CFC 7, SVB 6), auch die Feldanteile waren ausgeglichen.
Chemnitz suchte über strukturierten Ballbesitz und klare Staffelungen im Zentrum die Kontrolle. Babelsberg presste situativ hoch und kam nach Ballgewinnen zu Umschaltmomenten. Die xG-Werte zur Pause (1,12 : 0,89) spiegelten die leichte, aber keineswegs erdrückende Überlegenheit der Hausherren.
Der Unterschied lag in der Box – und dort begann die Bozic-Show. In der 37. Minute schob der Stürmer nach flacher Hereingabe aus kurzer Distanz ein. Lau ärgerte sich vor allem über die Entstehung: »Wir schaffen es nicht, in der Kette komplett durchzuschieben, verlieren den Zugriff – und dann kommt Bozic frei zum Abschluss. Jeder weiß, welche Qualität er in der Box hat.«
Kurz vor dem Pausenpfiff hätte es allerdings 1:1 stehen können. »Mit dem Pausenpfiff muss Zeiger eigentlich das 1:1 schießen – aus fünf Metern nach der Ecke«, räumte CFC-Trainer Benjamin Duda ein. Es war der Moment, in dem das Spiel hätte kippen können.
Der Kipppunkt – und zwei Elfmeter
Stattdessen folgte ein zweiter Durchgang, der statistisch wie psychologisch klar an die Himmelblauen ging. Bereits in der 48. Minute wurde ein Treffer wegen Abseits aberkannt – »das war kein Abseits, die Bilder haben wir bereits«, betonte Duda. Kurz darauf zeigte der Schiedsrichter nach einem Handspiel auf den Punkt.
Lau widersprach vehement: »Man kann sich extrem darüber streiten, ob das ein Handspiel ist. In jedem Fall ist das niemals im Strafraum gewesen.« Laut Tracking-Daten lag der Kontaktpunkt tatsächlich im Grenzbereich – knapp innerhalb der Linie. Bozic verwandelte sicher (58.), erhöhte seinen persönlichen xG-Wert binnen weniger Minuten auf 1,85 – und leitete die Vorentscheidung ein.
Nur drei Minuten später schnürte er den Hattrick (61.), profitierte erneut von konsequenter Tiefenstaffelung und präzisem Flügelspiel. Chemnitz attackierte nun mit deutlich höherem Tempo, gewann im zweiten Durchgang 63 Prozent der Zweikämpfe und steigerte die Anzahl der Sprints um 18 Prozent gegenüber Halbzeit eins – ein Wert, der Dudas Fitness-These unterstreicht: »Vor allem auch unsere Fitness hinten heraus – da konnten wir zusetzen.«
Als ein weiterer Strafstoß folgte, blieb Bozic eiskalt (69.). Vier Tore bei fünf Abschlüssen auf das Tor – eine Effizienz von 80 Prozent. Insgesamt kam der CFC auf 3,94 Expected Goals, Babelsberg im zweiten Abschnitt nur noch auf 0,41.
Strukturverlust und Flow
»Das 2:0 so früh – das hat die Mannschaft nicht gut verkraftet«, gestand Lau. »Wir haben es nicht geschafft, bei uns zu bleiben und uns an den Plan zu halten.« Tatsächlich verloren die Gäste nach dem zweiten Gegentreffer spürbar an Kompaktheit. Die Passquote im letzten Drittel fiel von 72 auf 58 Prozent, die Abstände zwischen den Ketten vergrößerten sich laut Positionsdaten im Schnitt um knapp drei Meter.
Duda dagegen sprach von einer »großartigen Momentaufnahme«. »Spätestens mit dem 3:0 war die Brust so groß, der Glaube aus den letzten Wochen im nächsten Regal.« Chemnitz, im neuen Jahr nun mit dem dritten Sieg in Serie, agierte mit wachsendem Selbstvertrauen. »Wir haben heute einmal mehr unsere Heimstärke eindrucksvoll unter Beweis gestellt.«
Mergel erhöhte in der 85. Minute auf 5:0, ehe ein abgefälschter Distanzschuss zum 5:1-Endstand führte. Bezeichnend: »In der Kabine ärgert uns sogar dieses Gegentor«, verriet Duda. »Das ist ein winziges Thema, das uns weiter anspitzt.«
Signal an die Liga
Mit nun 13 Toren aus drei Spielen 2026 sendet Chemnitz ein klares Signal im Aufstiegsrennen. Die Offensivdaten (18 Abschlüsse, 11 davon im Strafraum) untermauern den Eindruck einer Mannschaft im Flow. Babelsberg hingegen muss die defensive Stabilität der starken Auswärtsserie neu justieren.
Lau formulierte es nüchtern: »Wir haben am Dienstag sofort die Chance, ein anderes Gesicht zu zeigen.« Duda blickte bereits weiter: »Wir wollen unbedingt weitermachen – und im aktuellen Flow nicht lange warten.«
Ein Satz, der in diesen Wochen mehr Drohung als Floskel ist.
Text: Holger Elias (NOFV) / Datenquelle: Bepro
