Cool, jung und klug: Das moderne Ehrenamt

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Cool, jung und klug: Das moderne Ehrenamt

In Schubecks Teatro nach München hat der DFB am Donnerstag eingeladen, um 100 fleißige Frauen und Männer auszuzeichnen. Was Leckeres zu Essen wird’s wohl auch geben. Anschließend geht’s ins Stadion zum mit Spannung erwarteten Länderspiel gegen Weltmeister Frankreich. Jedes Jahr lädt der Deutsche Fußball-Bund verdiente Ehrenamtler aus ganz Deutschland in den Club 100 ein. Am 6. September ist es wieder soweit. Grund genug mit einigen kursierenden Vorurteilen zum Ehrenamt aufzuräumen. Hier also unsere Liste der fünf Vorurteile und falschen Annahmen rund um eine Tätigkeit, die an jedem Wochenende auf und neben den Fußballplätzen von rund 1,7 Millionen Menschen mit Leidenschaft und hoher Kompetenz ausgeübt wird.

 

1. Das Ehrenamt steckt in der Krise

Von wegen. Immer mehr Menschen in Deutschland bringen sich ehrenamtlich ein. Zwischen 2004 und 2014 stieg der Anteil freiwillig Engagierter um knapp zehn Prozentpunkte, von 34 auf 43,6 Punkte (Quelle: Deutscher Freiwilligensurvey). Und noch eine gute Nachricht: Nirgendwo bringen sich die Menschen lieber ein als beim Sport (16,3 Prozent). Schule oder Kindergarten (9,1 Prozent) sowie Kultur und Musik (9 Prozent) rangieren auf den Plätzen zwei und drei. Der Fußball rollt im kleinsten Dorf, nicht zuletzt weil sich landesweit 400.000 ehrenamtlich einbringen. Zählt man punktuelle freiwillige Unterstützer dazu – die Fahrerin beim Auswärtsspiel der D-Junioren, der Grillmeister beim Sommerfest - sind es sogar 1,7 Millionen.

 

2.Das Ehrenamt ist altmodisch und verstaubt

Falsch. Das Engagement der jüngeren wie auch der älteren Personen hat zugenommen. Die Gruppe der 14-19-jährigen ist sogar die aktivste. Über die Hälfte dieser Altersgruppe engagiert sich freiwillig. Auch im Alter zwischen 50 und 64 Jahren lässt der Wunsch nicht nach, sich im Verein einzubringen. Nur in der „Rush Hour des Lebens“ zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr ist ehrenamtliches Engagement deutlich weniger geworden. Wenn man sich beruflich etabliert und eine Familie gründet, sind die Stunden knapp bemessen. Überhaupt wollen Menschen heute weniger Zeit als früher für ihren Verein aufwenden. 58 Prozent investieren im Schnitt zwei Stunden oder weniger pro Woche. Der DFB und seine Landesverbände fördern junges Ehrenamt (bis zum 30. Lebensjahr) durch die Bildungsreise „Fußballhelden“ an die spanische Küste nördlich von Barcelona, mit der jährlich 272 talentierte Ehrenamtler belohnt werden.

 

3. Ehrenamtler sind immer die Dummen

Nein, meistens sind es die Schlauen. Männer sind ehrenamtlich etwas häufiger (im Fußball leider noch deutlich häufiger) aktiv als Frauen, auf dem Land passiert mehr als in der Stadt, ein Migrationshintergrund wirkt noch als Hemmnis beim Ehrenamt. Aber am gravierendsten unterscheiden sich die Zahlen nach Bildungsniveau. 28.3 Prozent der Menschen mit Hauptschulabschluss oder weniger engagieren sich ehrenamtlich gegenüber 52,3 Prozent mit mindestens einem Abitur als Bildungsabschluss. Und die Schere öffnet sich weiter. Schulungen und Kompetenzerweiterungen sind gerade für junge Ehrenamtler eine große Motivation. Unter dem Strich ist das Ehrenamt auf dem Weg zu einem etablierten Erfolgsindikator zu werden.

 

4. Ehrenamt ist eine freudlose Plackerei

Das Gegenteil stimmt. Fragt man 100 ehrenamtlich tätige Menschen, warum sie das machen, antworten 93, dass ihr Engagement Spaß macht. 80 Prozent motiviert die Geselligkeit, das Zusammenkommen mit vielen anderen Menschen auch aus anderen Generationen. Das am wenigsten wichtige Argument ist das finanzielle. Nur 7 Prozent wollen sich etwas dazuverdienen.

 

5 Der DFB und die Landesverbände machen nichts fürs Ehrenamt

Seit über 20 Jahren besteht die „Aktion Ehrenamt“ des DFB mit zahlreichen verschiedenen Maßnahmen und Projekte. Unter anderem findet auch die Ehrungsveranstaltung „Club 100“ bereits zum 21. Mal statt. Zum Paket gehört An- und Abreise und Hotelaufenthalt mit Partner, Ehrungsgala sowie zwei Tickets für ein Länderspiel. 272 junge Ehrenamtler werden jährlich zur „Fußballhelden-Bildungsreise“ mit theoretischen und praktischen Lerninhalten gepaart mit einem abwechslungsreichen Freizeitprogramm nach Nordspanien eingeladen. Pro Jahr finden 100 Ehrungen vor Ort in den Vereinen statt. Mehr als 60.000 Urkunden und mehr als 40.000 Uhren wurden als Danksagung für ein langes ehrenamtliches Engagement vergeben. 

 

Alles ganz anders als man denkt, oder? Vorurteile sind Handschellen, sagen die Franzosen. Höchste Zeit also, dass wir erkennen: Das Ehrenamt läuft und ist eine ziemlich, junge, coole und kluge Art, ein paar Stunden seiner wöchentlichen Freizeit zu verbringen.

 

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